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Akkuschrauberrennen 2018: Aus der Kiste auf die Piste

Heiße Reifen, heiße Konstruktionen, heißlaufende Handmaschinen – und auch die sengende Sonne tat ihr Übriges beim zehnten Akkuschrauberrennen in Hildesheim.

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Die Kiste ist so gelb, als hätte sie jemand aus dem Blech eines geklauten Briefkastens gefaltet. Fünf Leute tragen sie auf die Open-Air-Bühne, stets im Fokus von drei Kameraleuten; die Live-Bilder erscheinen auf der Videoleinwand an der Rückseite der Bühne. Auf ein Startsignal hin öffnen eilige Hände den gelben Deckel der Kiste, heben ebenso gelbe Metallteile heraus, die zu einem Fahrradrahmen gehören könnten, dazu Räder, einen Sitz. Angespannt, zügig, aber koordiniert stecken und schrauben die fünf Studenten aus Venlo ihre minutiös vorbereiteten Teile zusammen – und keine zwei Minuten später steht ein fahrbereites, dreirädriges (und weitgehend gelbes) Unikum auf der Bühne: lenkbar nicht nur über Handgriffe wie beim Fahrrad, sondern gleichzeitig durch Verschieben der Sitzfläche, die fest an die Vorderradgabel montiert ist. Der Pilot sitzt, das Publikum jubelt, das Team „Battero“ hat die erste Aufgabe gemeistert. Willkommen beim 10. Akkuschrauberrennen am 9. Juni 2018 auf dem Campus der HAWK Hildesheim.

Diese Hochschule hielt bereits 2003 ein erstes Akkuschrauberrennen ab – genauer gesagt: ein Wettrennen mit Fahrzeugen, die Studenten selbst entworfen und gebaut haben. Und zwar bemannte Fahrzeuge, die ein handelsüblicher Akkuschrauber antreibt. Da der Organisationsaufwand für diesen inzwischen internationalen studentischen Wettbewerb immens ist, gibt es den nicht jedes Jahr – und so war es 2018 nach 15 Jahren die zehnte Auflage des Akkuschrauberrennens und damit ein Jubiläum. Das feiert die HAWK, wie es sich für eine Hochschule gehört, am Vorabend des Rennens mit einem Symposium zur Mobilität von morgen unter dem Titel „Wie werden wir bewegt sein?“ Und damit die Kreativität der studentischen Teams ebenfalls in Bewegung bleibt, ändern sich die Regeln des Rennens in jeder Saison ganz grundlegend.

Die Organisatoren rund um Professor Andreas Schulz denken sich für jedes Akkuschrauberrennen eine ganz neue Konstruktionsaufgabe aus. So musste etwa im Jahr 2013 ein tragendes Teil aus dem Holzfaserwerkstoff Kraftplex hergestellt werden – durchaus eine Herausforderung, wenn man bedenkt, dass dieses auch „Holzblech“ genannte Material nur in millimeterdünnen Platten geliefert wird. 2016 galt es, eine Lücke von einem halben Meter zwischen der Vorder- und der Hinterachse ausschließlich durch Bauteile aus dem 3D-Drucker zu überbrücken. Und dieses Jahr schließlich musste das Fahrzeug sogar in eine Kiste von der Größe eines üblichen Rollenkoffers passen, in dieser kompakten Form auf die Bühne am Start der Rennstrecke getragen und dort innerhalb von maximal drei Minuten vom Team aus höchstens sechs Studierenden in eine fahrfähigen Zustand transformiert und bemannt werden.

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