Alexa für Alte

In einer Seniorenresidenz in Kalifornien wird derzeit erforscht, ob sprachgesteuerte Assistenzen älteren Menschen den Alltag erleichtern können. Die ersten Ergebnisse sind viel versprechend.

Lesezeit: 4 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen
Von
  • Elizabeth Woyke

Wenn Lois Seed morgens aufwacht, ist eine der ersten Sachen, die sie sagt "Alexa, wie ist das Wetter?". Seed ist 89 Jahre alt und hat aufgrund einer Makula-Degeneration ein eingeschränktes Sehvermögen. Also lässt sie sich die Wettervorhersage gern von dem sprachaktivierten Assistenten Alexa auf ihrem Amazon-Lautsprecher Echo ansagen. Und auch wenn sie die Uhrzeit wissen oder klassische Musik hören möchte, lässt sie das von Echo erledigen.

"Das Leben ist mit Alexa angenehmer", sagt Seed. Sie und rund 50 andere Bewohner der Rentner-Community Carlsbad by the Sea in der Nähe von San Diego testen die Assistenz-Technologie seit Ende Februar. Front Porch, der nichtkommerzielle Betreiber der Anlage, hat das Pilotprogramm aufgelegt, nachdem einige Bewohner Interesse an Alexa bekundet hatten und das System ausprobieren wollten.

Mehr Infos

Manche älteren Menschen nutzen Alexa bereits in Eigenregie, um ihre Einsamkeit zu lindern oder sich an Medikamente erinnern zu lassen. Doch das Projekt von Front Porch scheint das erste zu sein, in dem die Technologie eingehend untersucht wird. Die Erfahrungen der Teilnehmer sollen Informationen dazu liefern, wie künftige Versionen von Alexa noch nützlicher für Senioren werden könnten. Diese Gruppe könnte einen ansehnlichen neuen Markt für Amazon bedeuten. Mehr als eine Million Amerikaner leben in Heimen für betreutes Wohnen, und bis 2030 soll sich ihre Zahl verdoppeln.

Bei Front Porch wurden zunächst Alexa-Geräte an eine kleine Fokusgruppe verteilt, und jetzt gibt es zweiwöchentliche persönliche Schulungsworkshops, Nutzerberfragungen, Besuche zu Hause und regelmäßige Forschungsberichte. Angesiedelt ist das Projekt beim Front Porch Center for Innovation and Wellbeing, einem Technologieprogramm, in dem auch Heimroboter und virtuelle Realität als Hilfen für ältere Menschen getestet werden. Das Ziel dabei ist die Entwicklung eines Rahmens, um Technik mit Alexa-Funktion rasch auch in die anderen Seniorenresidenzen von Front Porch mit insgesamt mehr als 1000 Bewohnern in ganz Kalifornien bringen zu können.

Die Mehrheit der Teilnehmer in der Alexa-Fokusgruppe ist mehr als 80 Jahre alt. Manche von ihnen brauchen Gehhilfen, und manche haben Seh- und/oder Hörprobleme. Die meisten nutzen ihre Echo-Lautsprecher für einfache Dinge: um den Wecker zu stellen, Musik oder Bücher anzuhören, für Nachrichten, Sportergebnisse, Uhrzeit und Wetter. Für Jim Bates zum Beispiel, einen 79 Jahre alten Mann mit zitternden Händen, ist es viel einfacher, das Web mit Alexa zu durchsuchen statt mit Eingaben auf seinem Laptop oder iPhone.

Außerdem bringt Front Porch den Bewohnern bei, wie sie über Alexa mit Familie und Freunden kommunizieren können. Über den Alexa-Anrufdienst, der mit anderen Echo-Geräten und der Alexa-App für Smartphones funktioniert, können sie sprachgesteuert telefonieren. Wenn sie Textnachrichten schicken oder empfangen wollen, können sie eine Alexa-App namens Marvee nutzen, die Sprachschnipsel in Text übersetzt und an vorher angegebene Kontakte schickt. Wenn eine Bewohnerin zum Beispiel ihren Enkelsohn erreichen möchte, muss sie nur sagen, "Alexa, sag Marvee, dass Eric mich anrufen soll". Eric bekommt dann eine SMS oder E-Mail, in der es heißt, "Ruf Oma an, wenn du Zeit hast". Familienmitglieder können auch eigene Nachrichten bei Marvee eingeben, die sich mit dem Kommando "Alexa, frag Marvee nach Neuigkeiten aus der Familie" abrufen lassen.

In einigen Wochen will Front Porch die Echo-Lautsprecher der Carlsbad-Bewohner mit intelligenten Steckdosen und Thermostaten verbinden, so dass sich auch Licht und Heizung über Alexa steuern lassen. Wenn der zweimonatige Test damit gut verläuft, dürften auch die Bewohner der anderen neun Residenzen von Front Porch Alexa-Geräte bekommen.

Ohne Enttäuschungen liefen die bisherigen Tests nicht ab. So gab es Unzufriedenheit mit der Notwendigkeit, Anweisungen gezielt so zu formulieren, dass Alexa sie versteht. Die größte Hürde aber ist bislang die Stimme der Software: Sie spricht mit tiefen Bass-Tönen, die für Menschen mit Hörproblemen schwer zu verstehen sein können. Um den Betroffenen zu helfen, hat Front Porch Amazon gebeten, eine Equalizer-Funktion einzubauen, um Tiefen, Mitteltöne und Höhen von Alexa individuell einstellen zu können. Bei Amazon wird diese Anregung derzeit geprüft, sagt Davis Park, der das Forschungsprojekt bei Front Porch leitet.

(sma)