Alle 15 Jahre wieder

Die Anforderungen bei Robotern sind höher als in jedem anderen Gebiet der Technik. Dazu kommt: Sie haben als einzige einen Konkurrenten, der sich nicht einfach wegdenken lässt - den Menschen

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Von
  • Allan Branch
Inhaltsverzeichnis

Technologie ist schon eine seltsame Sache. Es gibt angeblich noch drei komplette Atlas-Raketen - also sämtliche Einzelteile dieser frühen Raketen, die einst den ersten bemannten Mondflug vorbereiteten. Aber es wird nie mehr möglich sein, sie zu starten, denn das Know-how dazu ist vergessen. Technologie wohnt also wirklich in den Köpfen. Wenn wir irgendwann aussterben, verschwindet sie, so wie wir heute die Schriften der Inkas nicht mehr lesen können.

Besonders flüchtig ist die Erinnerung in meinem Spezialgebiet: der Robotik. Gerade jetzt erwecken ihre Vertreter wieder den Eindruck einer jungen, dynamischen Disziplin - als seien all die Jahrzehnte enttäuschter Erwartungen nie vergangen. Rodney Brooks, der Leiter des Labors für Künstliche Intelligenz am MIT, sagte kürzlich voraus, dass Roboter in 15 Jahren überall sein würden - worauf mir eine Konferenz in Boston vor zehn Jahren in den Sinn kam.

Dort war ich Zeuge, wie mein Freund Joe Engelberger den überwiegend akademischen Zuhörern seines Plenumvortrags vorwarf, dass sie so gut wie nichts zum Fortschritt der Robotik beigetragen hätten. Der Raum wurde still. Joe hatte das Forschungsgebiet in den Jahren um 1960 durch die Erfindung des Industrieroboters mitbegründet und war nun kurz vor dem Ruhestand. Die Frustration eines ganzen Lebens machte sich Luft. Schon damals beklagte Joe die Fruchtlosigkeit der Robotik. In diesem Moment war es mir peinlich, aber heute verstehe ich Joe genau. Lassen Sie mich das erklären.

Im Jahr 1979 entwickelte ich einen mobilen Roboter namens Tasman Turtle und brachte ihn auf den Markt. Bis dahin hatten weltweit nur vier mobile Roboter existiert, allesamt Forschungsroboter. Die ersten hatte der Engländer Grey Walter in den frühen 1950ern gebaut. Seine "kybernetischen Mäuse" oder "Schildkröten" waren selbstständige, von thermoionischen Röhren gesteuerte Gefährte. Sobald es dunkel wurde, zogen sie sich in einen kleinen Stall zurück. 15 Jahre später, nach der Erfindung des Transistors, kamen die Johns Hopkins Beast, das Stanford Cart und Shakey zur Welt. Sie waren größer und komplizierter, nahmen ihre Umgebung mit besseren Sensoren wahr und taten etwa das Gleiche wie Walters Maschinen, nur langsamer.