Alles bio

Spätestens seit dem Skandal um Dioxin im Hühnerstall gleich zu Beginn des neuen Jahres denken immer mehr Menschen über eine alternative Ernährung nach – der Begriff „bio“ ist wieder in aller Munde.

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Von
  • Diane Sieger
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Dank dioxinverseuchtem Fett im Hühnerfutter ist der Verkauf von Eiern bereits spürbar gesunken, wie unter anderem der Spiegel berichtet. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft bestätigte kurz nach Bekanntwerden des Skandals, dass die die Verseuchung verursachenden, isolierten Fettsäuren im Öko-Landbau nicht erlaubt und Produkte aus ökologischer Erzeugung demzufolge als sicher einzustufen seien – nachzulesen in der Pressemitteilung des Bundes vom 4. Januar dieses Jahres. Viele Menschen haben sich nun auf die Suche nach Alternativen aus ökologischer Herstellung begeben.

Zunächst sollte man wissen, dass der Begriff „bio“ eine durch EU-Recht europaweit gesetzlich geschützte Bezeichnung ist. Produkte, die mit dieser Vorsilbe werben, müssen mindestens den Anforderungen der EU-Öko-Verordnung genügen. Eine Zusammenfassung der Verordnung sowie einen Link zum Nachlesen des vollen Textes gibt es bei der Europäischen Kommission.

Produkte, deren Herstellung unter Beachtung aller Grundsätze der Verordnung erfolgt ist, dürfen das EU-Bio-Logo tragen. Zusätzlich gibt es in Deutschland eine Reihe weiterer privater Label, die teilweise höhere Anforderungen stellen als die EU-Verordnung. Zu den diesen strengeren Anforderungen unterliegenden Betrieben gehören beispielsweise sowohl Träger des Bioland-Markenzeichens als auch durch Demeter und Naturland zertifizierte Höfe. Mehr Informationen zur Kennzeichnung von Biolebensmitteln gibt es bei „Frisch & Fein “.

Einige dieser Betriebe, unter anderem die durch Demeter zertifizierten, gehen sogar einen Schritt weiter – dort ist „biologisch-dynamisch“ angesagt. Dabei werden für die Herstellung von pflanzlichen und tierischen Produkten die irdischen und kosmischen Lebenszusammenhänge und Rhythmen berücksichtigt. In der Landwirtschaft gilt somit ein ganzheitlicher Ansatz, der auf den Idealen des Anthroposophen Rudolph Steiner basiert. Auf biodynamisch geführten Höfen leben und gedeihen in der Regel viele verschiedene Tiere und Pflanzen. Futtermittel stellen die Betreiber selbst her und vermeiden so lange Anlieferungswege. Im Pflanzenbau stimmen sie Aussaat und Ernte auf die Mondphasen ab. Mehr Informationen zum Thema biologisch-dynamische Landwirtschaft bieten Demeter sowie die Zeitschrift „Lebendige Erde “.

Eigentlich wäre nun zu erwarten, dass sich Verbraucher in Massen auf Bioprodukte stürzen. Doch statt ausgewogener Biomahlzeit gibt es für viele häufig nur ein Brötchen vom Bäcker auf die Hand oder ein schnelles Mittagessen von der Imbissbude. Das Angebot an Bioprodukten hat in den letzten Jahren zwar auch in Supermärkten rasant zugenommen, doch oftmals ist das Einkaufen von Lebensmitteln aus umweltverträglichem Anbau noch mit erhöhtem Aufwand verbunden. Für alle, die nicht gerade in einer ländlichen Gegend wohnen und beim Bauern um die Ecke kaufen können oder in der Großstadt einen Biosupermarkt in der Nachbarschaft vorfinden, bietet sich eine Obst- und Gemüsekiste im Abonnement an. An manchen Orten werden Boxen direkt an die Haustür geliefert, anderenorts gibt es Sammelstätten, an denen man seinen Wochenvorrat selbst abholt.

Wer in der eigenen Region liefert, lässt sich am besten mit Googles Hilfe eruieren. Bei der Namensfindung für Hofläden und Lieferservices sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt; von der „Flotten Karotte “ im Ruhrgebiet, über „Gesund & Munter “ im Frankfurter Raum bis hin zum „Öko-Hans “ in der Münchener Region.

Schon lange bevor Dioxin im Huhn Thema wurde, hat es Skandale rund um den Fleischkonsum gegeben, beispielsweise der Ausbruch von Rinderwahn in vielen Ländern Europas oder das Auffinden von Antibiotika in zum Verzehr gezüchteten Schweinen. Der Wunsch des Konsumenten, immer mehr Fleisch zu immer niedrigeren Preisen kaufen zu können, stellt die Hersteller vor wachsende Problem. Doch selbst wenn es keine Skandale um gesundheitsschädliche Stoffe in den Schlachttieren gäbe, gesamtwirtschaftlich gesehen ist ein hoher Fleischkonsum immer fragwürdig.

Die Rechnung ist ganz einfach: Um ein Kilogramm Getreide zu säen, während des Wachstums zu versorgen und anschließend zu ernten, benötigt der Bauer 1350 Liter Wasser. Die Herstellung eines Kilogramms Rindfleischs dagegen erfordert 16 000 Liter Wasser. Nicht nur, um den Durst des Tieres zu löschen, sondern außerdem, um das Getreide anzubauen, das die Kuh frisst. Spiegel Online hält dazu eine anschauliche Grafik bereit.

Der Frage der Nachhaltigkeit in der Fleischherstellung ist auch US-Autor Jonathan Safran Foer nachgegangen. Für sein Buch „Tiere essen“ recherchierte er Aufzucht, Haltung und Schlachtung verschiedener Lebewesen, die später auf dem Teller landen, und entschied sich aufgrund seiner Erfahrungen, kein Fleisch mehr zu essen. Weitere Informationen zum Buch enthält der ZDF-Beitrag Aspekte vom 13. August letzten Jahres, der in der Mediathek des Senders bereitsteht. Trotz allem ist Foer kein militanter Weltverbesserer. Er appelliert an die Vernunft der jüngerer Generationen, verbietet jedoch seinen eigenen Kindern nicht, Fleisch zu essen, wie er im Spiegel-Interview im August letzten Jahres preisgab.

Bedachter Fleischkonsum in Maßen muss nicht immer schlecht sein. Will man nicht auf Steak oder Filet verzichten, sollte man darauf achten, dass die Produkte nicht aus Massentierhaltung kommen. Wer gerne online einkauft, kann beispielsweise über mycow.de Biorindfleisch beziehen. Die Tiere wachsen unter bestmöglichen Bedingungen auf dem Biobauernhof heran. Der Konsument kann sich eine Rinderrasse aussuchen sowie den Hof bestimmen, auf dem die Kuh aufgewachsen sein soll. Verschickt werden nur gemischte Pakete, denn der Hersteller verwendet alle verwertbaren Teile des Tieres – wer also ein Steak essen möchte, bekommt auch Suppenfleisch oder Gulasch zugesandt. Neben dem Zugang zum Shop enthält die Website Tipps rund um die Fleischzubereitung, etwa welche Küchenutensilien der Fleischkoch für die Zubereitung benötigt. Außerdem gibt es Rezepte rund ums Rindfleisch sowie Empfehlungen, welcher Wein zur Kuh auf dem Teller passt.

Bio endet nicht bei Lebensmitteln. Auch in anderen Bereichen des täglichen Lebens halten Waren Einzug, deren Herstellung die Umwelt weniger belastet als auf herkömmlichem Wege hergestellte – etwa die Biowindeln der Firma Wiona. Warum es so wichtig ist, bei der Entsorgung von Babys Verdautem auf das Prädikat ökologisch wertvoll zu achten, erklärt Wionas Geschäftsführer Hendrik Witte auf YouTube.

Einer der Vorreiter für biologisch abbaubare Wasch- und Putzmittel, die aus natürlichen Rohstoffen hergestellt werden, ist Ecover. Nicht nur die Produkte sind nachhaltig, auch deren Produktion. Auch weitere Produkte und Projekte, deren Unterstützung sich lohnt, stellt „People for Future“ vor.

Zum Ausgleich kann man sich jetzt mit dem Thema auch auf spielerische Art auseinanderzusetzen. „Bio find’ ich Kuh-l“ wendet sich eigentlich an Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren, bietet aber Memory-Spiele rund ums Thema an, die auch Erwachsenen Spaß machen.

fairtragen - bio faire Kleidung
Auch korrekte Kleidung gibt es mittlerweile: Rohstoffe aus biologischem Anbau (ohne Chemikalien) und faire Behandlung der Arbeiter.
Zugeschickt von: Leon

Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung
Artgerecht ist Grundrecht!
Zugeschickt von: Sepp

ichmagbio.de - Anbieter rund um den Bodensee
ichmagbio.de informiert über das vielfältige und attraktive regionale Angebot an biologischen, ökologischen und ganzheitlichen Produkten und Dienstleistungen rund um den Bodensee. Die Angebotspalette umfasst biologische Lebensmittel, Bio-Restaurants und Bio-Hotels, Produkte und Dienstleistungen zum Thema ökologisch Bauen und Wohnen, ganzheitliche Medizin, alternative Heilmethoden, Naturkosmetik und Wellness.
Zugeschickt von: Tim Glowik (ka)