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Bitcoin ist in der Technologie-Szene und darüber hinaus in aller Munde, doch was genau ist das eigentlich, wie funktioniert es und was sind die Schwächen? Ein – kostenloses – Buch von sechs hochkarätigen Forscher klärt auf.

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Von
  • Sascha Mattke

Bitcoin ist in der Technologie-Szene und darüber hinaus in aller Munde, doch was genau ist das eigentlich, wie funktioniert es und was sind die Schwächen? Ein – kostenloses – Buch von sechs hochkarätigen Forscher klärt auf.

Wenn man begeisterten Anhängern Glauben schenkt, ist Bitcoin die Zukunft von so ziemlich allem, was mit dem Finanzwesen zu tun hat, und noch mehr: Das Konzept soll klassisches Geld ablösen, zur Grundlage besserer Abrechnungssysteme für Banken und Börsen werden, ganz neue Arten von Geschäften ermöglichen und womöglich sogar das Verhältnis zwischen Bürgern und ihren Staaten neu definieren. Den meisten Leuten fehlt es an genügend Wissen über all diese Gebiete, um solche wilden Prognosen bewerten zu können. Ein neues Buch gibt ihnen jetzt eine Chance, die Lücken zu schließen – und es ist sogar kostenlos verfügbar.

"Wir haben dieses Buch geschrieben, um dabei zu helfen, durch den Hype hindurch zum Kern von dem vorzudringen, was Bitcoin einzigartig macht", erklären die Autoren im Vorwort. Auch den Grund dafür, warum viele Berichte über das Thema ein unbefriedigendes Gefühl hinterlassen, liefern sie gleich mit: "Bitcoin ist eine wirklich neue Technologie, und mit einfachen Analogien zu alten Technologien kommt man nicht besonders weit."

Beispielsweise wird Bitcoin gern als "Währung" bezeichnet, doch wie es in dem Buch heißt, gibt es so etwas wie ein oder eine "Bitcoin" streng genommen gar nicht – es gibt nur "noch nicht ausgegebene Transaktionsoutputs, die als Münzen bezeichnet werden". Das klingt kleinlich, ist aber wichtig. Denn wer wirklich verstehen will, worum es bei all der Aufregung geht, kommt nicht darum herum, sich mit schwierigen technischen – und darüber hinaus ökonomischen – Fragen zu beschäftigen.

Dafür bietet sich das (bislang nur in Englisch verfügbare) Buch mit dem wenig spektakulären Titel "Bitcoin and Cryptocurrency Technologies" tatsächlich an. Geschrieben wurde es von sechs verschiedenen Autoren, sämtlich hochkarätige Forscher oder Professoren an US-Universitäten wie Stanford oder Princeton. Damit dürfte schon klar sein: Es ist kein populär angelegtes Sachbuch, sondern ein klassisches Lehrbuch, will also nicht mit Lesevergnügen punkten, sondern mit Informationen.

Auf gut 300 Seiten schlägt das Buch dazu einen weiten Bogen von den ersten Ansätzen für elektronische Währungen und Zahlverfahren aus den 1980er Jahren über Kryptografie- und Signierverfahren als allgemeine Grundlage sowie direkte Bitcoin-Vorläufer wie Hashcash von 1997 bis zu Bitcoin selbst und Weiterentwicklungen wie Zerocoin. Auf der Grundlage ihrer technischen Erläuterungen – und vorausgesetztem "Grundwissen über Informatik" – erklären die Autoren teils abstrakt, teils mit konkreten Code-Beispielen, wie und warum Bitcoin funktioniert und was damit noch alles möglich ist, etwa intelligente Verträge, sichere Treuhanddienste, manipulationsgeschützte Online-Wetten oder Aktienemissionen.

Dabei erliegen sie nicht der Versuchung, mutige Prognosen zu treffen, sondern legen nur dar, was welche Technologie leisten kann und was nicht. Auch bei Werturteilen etwa bezüglich der Frage, ob vollkommen anonyme Zahlverfahren wünschenswert sind oder nicht, halten sie sich dezent zurück – "solche ethischen Abwägungen sind wichtig, aber wir fühlen uns nicht in der Lage, auf technischer Ebene eine Aussage dazu zu treffen", lautet eine typischer Satz dazu.

Nebenbei räumen die Autoren mit verbreiteten Vorurteilen auf. Beispielsweise erklären sie, dass bankartige Institutionen auch in einer Bitcoin-Welt noch eine Rolle als vertrauenswürdige Intermediäre und Dienstleister zu spielen hätten. Ebenso kann man dem Buch entnehmen, dass die so genannten 51-Prozent-Attacken, also Angriffe von Akteuren mit mehr als 50 Prozent der Mining-Kapazität im Bitcoin-Netz, eigentlich keine besondere Bedrohung sind – sie sind zwar tatsächlich möglich, wären aber leicht zu entdecken und würden dem Angreifer keinen sehr großen Nutzen versprechen.

"Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, werden Sie alles Nötige wissen, um Fakten von Fiktion zu unterscheiden, wenn Sie Behauptungen über Bitcoin und andere Kryptowährungen lesen. Sie werden die konzeptionellen Grundlagen haben, die Sie brauchen, um sichere Software zu schreiben, die mit dem Bitcoin-Netz interagiert. Und Sie werden in der Lage sein, Ideen von Bitcoin in andere Projekte zu integrieren", heißt es im Vorwort.

Wenn das als Werbung zu verstehen ist, dann nur dafür, sich die Mühe der Lektüre zu machen, denn Geld ausgeben muss man für das Buch nicht: Es steht in einer "vorläufigen" Version, die aber nur wenige störende Tippfehler enthält, zum kostenlosen Download zur Verfügung und soll erst im Sommer als klassisches Lehrbuch bei Princeton University Press erscheinen. "Ich glaube daran, Bildungsinhalte für diejenigen kostenlos verfügbar zu machen, die sie sich sonst nicht leisten könnten. Außerdem bewahren wir damit das Ethos der Bitcoin-Community", erklärte Arvind Narayanan, einer der Autoren und Assistant Professor an der Princeton University, dazu auf Anfrage per E-Mail. (sma)