Amateurfunksatellit QO-100: Verlässliche Verbindung übers Weltall

Seit einem Jahr können Funkamateure den ersten geostationären Amateurfunksatelliten nutzen. Das Geld stammt überwiegend aus Katar, das Know-how aus Deutschland.

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Die geostationäre Umlaufbahn ist bei Satellitenbetreibern sehr beliebt. Die am Himmel für einen Betrachter auf der Erde feststehenden Satelliten stehen dicht an dicht, dort drängen sich Kommunikations-, Beobachtungs- und Fernsehsatelliten. Seit einem Jahr ist auch der Amateurfunksatellit QO-100 (Qatar-Oscar 100) dabei, der Funkamateuren weltweite Verbindungen mit wenig Aufwand ermöglicht.

Amateurfunksatelliten haben eine lange Tradition. 1961 startete der erste "Oscar" (Orbital Satellite Carrying Amateur Radio) an Bord einer amerikanischen Rakete. Er war der erste privat gebaute Satellit und die erste Beiladung zu einer Primärnutzlast. Er morste gerade einmal sechs Wochen lang die Buchstaben "HI" aus einer niedrigen Umlaufbahn zur Erde, bevor er plangemäß verglühte. In den folgenden Jahrzehnten starteten Funkamateure zahlreiche weitere Satelliten, die immer leistungsfähiger wurden und in immer höheren Umlaufbahnen immer weitere Distanzen überbrückten. Neben Großsystemen wurden auch zahlreiche experimentelle Klein- und Kleinstsatelliten ausgesetzt, die sich beispielsweise nur per Datenfunk ansprechen ließen oder nur einen einzigen Funkkanal boten.

Amateurfunk

Der Amateurfunk ist ein nicht-kommerzieller, international anerkannter Funkdienst mit eigenen Frequenzzuweisungen der internationalen Fernmeldeunion ITU von der Langwelle über Mittel- und Kurzwelle bis in den UKW- und mmWave-Bereich, einige Bereiche sind auch für Satellitenfunk freigegeben. Funkamateure müssen eine Prüfung ablegen und erhalten anschließend von der jeweiligen Fernmeldebehörde ein nationales Rufzeichen für den Funkbetrieb zugewiesen. Die ITU weist für alle Funkdienste gleiche Kennungen zu, etwa auch für den See- und Flugfunk. Deutsche Rufzeichen beispielsweise beginnen mit den Buchstaben DA bis DR, österreichische mit OE, schweizerische mit HB, katarische mit A7. Bei Amateurfunkrufzeichen folgen auf den Landeskenner eine Ziffer und ein bis drei Buchstaben.

Funkamateure betreiben ihr Hobby aus Interesse an der Technik und ohne finanzielle Interessen. In den Verbindungen geht es deshalb häufig um technische Details zu Sende- und Empfangsanlagen, zu Ausbreitungsbedingungen oder um Datenübertragung per Funk. Politik und Religion sind Tabuthemen, im Vordergrund steht für Funkamateure die Völkerverständigung über alle Grenzen hinweg.

Mit dem geostationären Amateurfunksatelliten QO-100 (Qatar-Oscar 100) schreibt das kleine Emirat Katar nun Amateurfunkgeschichte. QO-100 ist der erste geostationäre Amateurfunksatellit – der erste, der Fernsehsignale überträgt (ATV, Amateur-TV), und der erste, der sich an Bord eines anderen Satelliten befindet, nämlich dem katarischen Fernseh- und Kommunikationssatelliten Es'hail 2.

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