Antikörper als Plan B gegen Covid-19

Das Pharma-Unternehmen Eli Lilly will mit Antikörpern für Immunität sorgen, bis Impfstoffe auf den Markt kommen.

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Von
  • Antonio Regalado

Schon zu Beginn der Coronavirus-Pandemie suchten Unternehmen im Blut von genesenen Covid-19-Patienten nach wirksamen Antikörpern gegen das neuartige Virus Sars-CoV-2. Eli Lilly will nun eines dieser Y-förmigen Proteine in größerem Maßstab herstellen und mit dem Antikörper-Medikament Covid-19-Infektionen verhindern.

Kürzlich hat das Pharma-Unternehmen damit begonnen, für seine fortgeschrittene Phase-3-Studie in den USA 2.400 Krankenschwestern und ältere Bewohner in Einrichtungen für betreutes Wohnen zu registrieren, in denen es kürzlich Covid-19-Fälle gab. In einigen Gebieten entfiel die Mehrzahl der Todesfälle durch Covid-19 auf solche Einrichtungen.

Die Studie wird zum einen die Wirksamkeit und Sicherheit des Antikörpers bei nun bedeutend mehr Probanden untersucht, als es in den ersten beiden Testphasen geschehen ist. Zum anderen soll geprüft werden, ob eine einzelne Dosis die Infektionsrate über vier Wochen hinweg und bei erfolgten Infektionen Komplikationen über acht Wochen hinweg senkt. Bei dem Test arbeitet Eli Lilly mit dem Forschungszentrum „National Institute of Allergy and Infectious Diseases“ (NIAID) zusammen.

Genau wie natürliche Antikörper sollte Lillys Antikörper das Sars-CoV2-Virus binden und es blockieren. Ähnliche Antikörperbehandlungen erwiesen sich bei der Behandlung der Ebola-Krankheit als wirksam. Das Ziel wäre nun aber, die Medikamente früher zu verabreichen und auf diese Weise eine Infektion von vornherein zu verhindern. Es ist bekannt, dass die Prävention mit Antikörpern funktioniert. Es gibt bereits eine Antikörper-Impfung für Neugeborene, um eine Atemwegsinfektion durch das respiratorische Synzytial Virus (RSV) zu verhindern, die vor allem bei Frühchen und Babys mit angeborenen Lungen- und Herzkrankheiten schwer bis tödlich verlaufen kann.

Wenn Impfstoffe den Körper einem Teil des Erregers aussetzen, führt das zur sogenannten aktiven Immunität. Der Körper lernt, eigene Antikörper gegen einen Keim herzustellen. Das künstliche Hinzufügen von Antikörpern erzeugt dagegen eine passive Immunität, die für die Lebensdauer der Antikörper anhält. Forschern zufolge können Antikörper, die üblicherweise über eine Infusion verabreicht werden, Wochen bis Monate im Blut bleiben.

Damit sind Antikörperbehandlungen eine Art Plan B, bis Impfstoffe gegen Covid-19 auf den Markt kommen. Sie könnten eine wichtige Rolle für den Schutz von Beschäftigten in medizinischen Berufen und für die am stärksten gefährdeten Personen wie Senioren sein. Ein aktueller Bericht des American Biodefense Institute sieht die passive Immunität bereits als „die nächste Generation der Pandemie-Reaktion“.

(vsz)