Applaus den Gründervätern: Mitsubishi i-MiEV, Peugeot iOn & Citroën C-Zero

Ein Trio aus Mitsubishi i-MiEV, Peugeot iOn & Citroën C-Zero kündigte ab 2009 das Zeitalter der Elektromobilität an. Es hätte bessere Apologeten geben können.

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Mitsubishi i-MiEV, Peugeot iOn & Citroën C-Zero waren die ersten E-Autos in Großserie.

(Bild: Mitsubishi)

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Von
  • Christian Domke Seidel

Dieser Artikel ist der vierte Teil einer Serie, in der es um spannende automobile Vorkämpfer geht, die drohen in Vergessenheit zu geraten. Denn meist war ihr Mut nicht von Erfolg gekrönt.

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Das soll er sein, der Startschuss? Mitsubishi i-MiEV, Peugeot iOn und Citroën C-Zero sollen die Welt von der Elektromobilität überzeugen? Puh. Die Zukunft hätte sich bestimmt bessere und hübschere Botschafter gewünscht. Aber da war es, das Elektroauto-Trio, das Autofahrer ab dem Jahr 2009 von den Vorteilen der spritfreien Fortbewegung überzeugen sollte.

Gerade einmal neun Jahre Entwicklungszeit liegen zwischen dem Mitsubishi i-MiEV und dem Kia e-Niro. Er sei nur beispielhaft für die aktuelle Generation an Elektrofahrzeugen genannt. Bei ihnen handelt es sich um vollwertige Autos, ohne Einschränkung, die auf den Antrieb zurückzuführen sind. Von außen oft nur für Auskenner als Elektroautos zu identifizieren.

Der Kia e-Niro taugt deswegen als Vergleichsfahrzeug, weil er aktuell für einen Basispreis von 34.400 Euro zu haben ist. Das sind 500 Euro weniger als der Mitsubishi i-MiEV bei seiner Markteinführung gekostet hat. Der Fortschritt der Technologie lässt sich in Zahlen gießen. Der Basis-Kia hat doppelt so viele PS (136 PS), doppelt so viel Reichweite (289 Kilometer) und drei Mal so viel Kofferraumvolumen (451 Liter) wie der Mitsubishi i-MiEV.

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Damit ist zwar ein Rahmen abgesteckt, in dem sich die Entwicklung bewegt, doch die Auswirkungen noch nicht ergründet. Wer in beiden Fahrzeugen gesessen hat, kann sich kaum vorstellen, dass es sich um ein Auto zum beinahe gleichen Preis handelt. Der Mitsubishi i-MiEV ist im Vergleich zum e-Niro unkomfortabel, unpraktisch und langsam. Von der öden Plastiklandschaft im Innenraum mal ganz abgesehen.

Eigentlich ist das kein Problem. So funktioniert technischer Fortschritt nun mal. Ganz uneigentlich war der Mitsubishi i-MiEV das erste Elektroauto, das in Großserie gebaut wurde. Und weil der erste Eindruck nun mal zählt, sollte er das Bild der Öffentlichkeit von der Elektromobilität nachhaltig prägen. Ärgerlich. Weil quasi zeitgleich in den USA der erste Tesla Roadster die Konkurrenz wie Kutschen aus dem Mittelalter aussehen ließ. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mitsubishi i-MiEV, Peugeot iOn & Citroën C-Zero (5 Bilder)

Der Mitsubishi i-MiEV sollte das Bild von der Elektromobilität in Europa prägen.

(Bild: Mitsubishi
)

Das Problem des Mitsubishi i-MiEV beginnt beim Namen. Das Akronym steht für "Mitsubishi innovative Electric Vehicle" und spricht sich "Ei-Mief". In deutschen Ohren hatte der Wagen verloren, bevor der potenzielle Kunde ihn überhaupt gesehen hatte. Doch selbst dann wurde es nicht besser. Der MiEV ist ein Kei-Car und die hatten in Europa noch nie eine Chance. Ob mit Elektro- oder Benzinmotor. Mitsubishi hatte offenbar geglaubt, mit der Einführung der Elektromobilität ginge auch ein grundsätzliches Umdenken beim Verkehr einher. Hin zu kleineren Autos. Dem war nicht so.

Doch mit zehn Jahren Distanz ist es leicht, Kritik zu üben. Fakt ist, dass Mitsubishi vor der Konkurrenz eine Nische entdeckt und die Kunden bedient hat. Dafür gab es sogar einen Eintrag ins Guinness Buch der Weltrekorde. Im Februar 2011 war der Mitsubishi i-MiEV das erste Elektroauto, von dem mehr als 10.000 Stück verkauft wurden. Die beiden baugleiche Modelle von Peugeot und Citroën sind hier allerdings mit eingerechnet.

Denn mit diesem Auto – und seinen baugleichen Geschwistern Peugeot iOn und Citroën C-Zero – kam die Elektromobilität aus der Bastlerecke heraus. Das Trio verlieh dieser Technik zwar keine Emotionen oder Euphorie, dafür aber das Flair der Professionalität. Mitsubishi, Peugeot und Citroën waren keine wilden Bastler, die Handy-Akkus an bessere Spielzeugmotoren schraubten, sondern ernsthafte Autokonzerne.

Der Mitsubishi i-MiEV war seiner Zeit voraus. Trotz der Mängel gab es von etlichen Zeitschriften, Expertengremien und dem Automobildachverband FIA diverse Auszeichnungen als bestes Elektroauto oder bestes Fahrzeug mit alternativen Antrieben. Der Erfolg hielt sich dennoch in Grenzen. Im Jahr 2010 begann der weltweite Verkauf. Im März 2020 (C-Zero und iOn) beziehungsweise im Herbst (i-MiEV) wurde die Produktion eingestellt. Rechnet man alle drei Autos zusammen, wurden rund 50.000 Stück verkauft. Zum Vergleich: Der Nissan Leaf (Leading Environmentally-friendly Affordable Family Car) kam zwar ein paar Monate später auf den Markt (Dezember 2010), wurde seitdem aber 500.000 Mal verkauft.

(fpi)