Apples Programmiersprache Swift – eine Buchmarktübersicht

Swift – zur WWDC 14 der Entwicklergemeinde als auserkorener Nachfolger von Objective-C vorgestellt – ist nun etwas mehr als ein Jahr jung. Allein schon das rechtfertigt den Blick auf den aufblühenden Buchmarkt zur Programmiersprache.

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  • Karsten Kisser
Inhaltsverzeichnis

Swift – zur WWDC 14 der Entwicklergemeinde als auserkorener Nachfolger von Objective-C vorgestellt – ist nun etwas mehr als ein Jahr jung. Allein schon das rechtfertigt den Blick auf den aufblühenden Buchmarkt zur Programmiersprache.

Auch der Umstand, dass Swift 2.0 Open Source wird, trägt sicherlich zur schnelleren Verbreitung bei, was man jetzt schon in den verschiedenen Programmiersprachenranglisten sehen kann. Die vorgestellten Bücher gehen ausnahmslos auf die 1.x-Version von Swift ein; das soll aber nicht davon abhalten, jetzt mit Swift zu beginnen und nicht erst später. Bei der letztjährigen Macoun war der Tenor zu Swift deutlich: Die Arbeit damit erzeugt Schmerzen, jedoch ist die Frage nicht das Ob, sondern ausschließlich das Wie und der Zeitpunkt des Umstiegs.

Holger Hinzberg
Einführung in Swift
Mit Referenzkarte zum Herausnehmen

mitp 2015
312 S., € 19,99
ISBN 978-3-8266-9675-6

Holger Hinzberg hat sich mit einer Einführung von über 300 Seiten der Programmiersprache genähert. Ansehnlich ist die beigegebene farbige Swift-Referenzkarte, die zeigt, dass Swift noch recht neu und somit unbekannt ist. Kein Unbekannter hingegen ist der Autor, der beim mitp-Verlag schon mehrere Titel zur Objective-C- und App-Programmierung veröffentlicht hat. Er erwähnt eingangs, dass dieses Buch eine einfache Einführung in Swift sein soll. Trotz der Seitenbegrenzung habe er allerdings nicht ganz bei null beginnen können, sodass ein wenig Erfahrung in einer objektorientierten Sprache sinnvoll sei.

Die Heranführung an Swift über einen kurzen geschichtlichen Abriss, die Einordnung der Frameworks sowie das Bereitstellen der Entwicklungsumgebung ist behutsam, und gerade die "Geschichtsdaten" (NSString, NeXTSTEP) helfen, das Ganze einordnen zu können.

Angefangen mit Datentypen und Optionals, Zeichenketten, Arrays und Dictonaries geht es über die üblichen Kontrollstrukturen, Closures, Protokolle und Extensions hin zu einer Lotto-App (für OS X). Hier wird dann auch das obligatorische MVC-Pattern vermittelt.

Diese Swift-Einführung kommt kompakt daher, und der Leser profitiert von der langjährigen Erfahrung Hinzbergs beim Schreiben verständlicher Apple-Programmierbücher.

Matt Henderson, Dave Wood
Swift für Ungeduldige
Der schnelle Einstieg für Objective-C-Entwickler

SmartBooks 2015
144 S., € 22,90
ISBN 978-3-86490-284-0

Hendersons und Woods Werk "Swift für Ungeduldige" setzt sich schon allein vom Seitenumfang von der Konkurrenz ab. Jene bringen mindestens 100 Seiten mehr zwischen den Buchdeckeln unter. Wäre das Format nur etwa halb so groß, würde dieser SmartBooks-Titel mit der "kurz & gut"-Reihe von O'Reilly konkurrieren.

Die Autoren sprechen versierte Objective-C-Entwickler an, denen sie nicht noch eine bebilderte Einführung in Xcode geben müssen. Stattdessen geht es gleich mit den Grundlagen los. Ein Einführungskapitel in Swift mit dem bekannten "Hello World" als Einzeiler, Variablen, Konstanten, Typinferenz und grundlegenden Datentypen stellt die Sprach-Basics dar. Danach geht es an vielleicht Ungewohntes heran, etwa Optionals oder Generics.

Wertvoll ist die erste Seite eines jeden Kapitels, denn hier wird hervorgehoben, was die zentralen Inhalte des Kapitels oder der Übungen sind. Wer die Beispiellösungen zu den zahlreichen Übungsaufgaben haben möchte, findet sie auf der Buchseite der Autoren. Im Kapitel zu häufig vorkommenden Mustern werden neben den bekannten (etwa Singletons) auch solche zu Grand Central Dispatch, dem für iOS und OS X vorhandenen Thread-Mechanismus, vorgestellt.

Wer als (durchaus auch versierter) Objective-C-Entwickler schnell und zielgerichtet Input für den Ein- und Umstieg in Swift braucht, sollte hier zuschlagen.

Thomas Sillmann
Swift im Detail

Hanser 2015
334 S., € 29,99
ISBN 978-3-446-44294-8

Thomas Sillmanns "Swift im Detail" spricht sowohl Einsteiger ohne Vorkenntnisse als auch App-Entwickler an. Schön ist, dass der Buchcode für das E-Book mit dabei ist. So kann quasi immer und überall Swift gelernt werden. Nach den absoluten Basics wie dem Beziehen von Xcode, dem Finden wichtiger Entwicklerinfos und dem Starten eines Projekts beziehungsweise dem Kennenlernen des Swift Playground geht es an die Sprachbestandteile wie Type Inference und Type Annotation, Kontrollstrukturen und fundamentale Typen. Die Playgrounds als Spiel- und Experimentierwiese werden in diesem Zusammenhang als Werkzeug angepriesen, um ein entsprechendes Gefühl für ein Sprachfeature zu bekommen.

Im Kapitel zu "Swift, Cocoa und Objective-C" geht es darum, wie in Projekten mit den beiden Sprachen (Interoperabilität, Mix & Match oder Migration) umgegangen wird. An dieser Stelle – das macht Thomas Sillmann deutlich – sind natürlich Objective-C-Kenntnisse von Nöten. Schön ist auch das Kapitel zur Speicherverwaltung mit ARC, das nicht nur Einsteiger aufgrund seiner Ausführlichkeit (17 Seiten mit zahlreichen Abbildungen) schätzen werden. ARC, Strong und Weak References, Reference Cycles oder Closure Capture Lists sind einige der Themen des Kapitels.

Eine grundsolide Einführung in Swift, die den Untertitel Kompendium durchaus verdient hätte. Das inkludierte E-Book rundet den positiven Eindruck entsprechend ab.

Jonathon Manning, Paris Butterfield-Addison, Tim Nugent
Swift Development
with Cocoa Development for the Mac and iOS App Stores

O'Reilly 2015
454 Seiten, US-$ 39,99
ISBN 978-1-491-90894-5

Den Fokus ganz klar auf der Entwicklung von Apps für iOS und OS X hat das Aurorentrio von "Swift Development with Cocoa" – neben der Darstellung und Vermittlung von Swift –. Dafür muss der Leser natürlich vermittelt bekommen, was etwa die Rolle einer Info.plist ist, wie ein App-Container aufgebaut ist und wie sich die beiden Frameworks Cocoa und Cocoa Touch einsetzen lassen.

Die 20 Kapitel sind dabei mit viel Wissenswerten gespickt, das über das bloße Vermitteln von Swift deutlich hinaus geht. Wenn die Autoren über Instruments und den Debugger sprechen, das Themenfeld aus Netzwerk, SpriteKit oder EventKit aufzeigen – um nur einige wenige zu nennen –, dann tauchen sie mehr in die alltägliche Entwicklung ein, als eine neue Sprache zu lehren. Dem langjährigen App-Entwickler vermitteln sie, mittels der Bridging Headers auch Objective-C-Code in ein Swift-Projekt einzubinden. Selbst Themen wie Nicht-GUI-Apps kommen vor, etwa Command-Line Tools für OS X, oder das Erstellen von iOS-Apps, die mehr als nur das iPhone-/iPad-Display ansteuern.

Dass die Autoren als Leser des Buches jemanden erwarten, der über fundierte Programmierkenntnisse verfügt, erwähnen sie eingangs. Das wird auch schon beim schnellen Durchblättern und Überfliegen deutlich. Swift-Kenntnisse (wie auch welche zu Objective-C, das nicht im Werk vorkommt) setzen sie hierbei nicht voraus, ebenso wenig Entwicklungskenntnisse bei OS X und iOS.

Das Werk geht weit über eine Einführung in Swift hinaus, sodass es sicherlich seinen Platz auf vielen Entwicklerschreibtischen finden wird.

Stefan Popp, Ralf Peters
Durchstarten mit Swift
Apples neue Programmiersprache Schritt für Schritt verständlich und gut erklärt

O'Reilly 2015
252 S., € 24,90
ISBN 978-3-95561-884-1

Stefan Popp und Ralf Peters wollen den Leser dieses Swift-Werks durchstarten lassen – gemeint sind Umsteiger und Wiedereinsteiger der Softwareentwicklung. Hört sich gut an. Die Einleitung macht schon einen exquisiten Eindruck. Beide Autoren erwähnen nämlich die Entstehungsgeschichte von Swift durch Chris Lattner (bekannt durch LLVM), die bis 2010 zurückreicht. Im Abschnitt zur Installation zu Xode werden – schön mit Screenshots untermalt – die Aufteilung der Xcode-Oberfläche und die Bedeutung der einzelnen Unterfenster mit den enthaltenen Funktionen erläutert. Gerade für Anfänger ist das eine sehr zu schätzende Hilfe für den Umgang mit Xcode.

Wie auch Hinzberg mit seiner "Einführung in Swift" erstellen die Autoren eine App für iOS in zwei Kapiteln. Im zweiten der beiden Kapitel bekommt die "Running-App" dann GPS-Unterstützung. Abschließend weisen die Autoren auf die verschiedenen Anlaufstellen für Informationen hin. Neben altbekannten wie StackOverflow wird auch auf den noch recht jungen Swift-Blog hingewiesen.

Es fehlt auch nicht der Hinweis, dass Swift als Sprache das eine ist, die zahlreichen Frameworks und Apples Programming Guidelines auf der anderen Seite ebenfalls wichtig sind – für den Anfang reicht zunächst ein tieferer Blick in den "iOS Programming Guide". Die gekonnte Schritt-für-Schritt-Lernanleitung hier erinnert ein wenig an die ebenfalls guten Entwicklerbücher von Erica Sadun.

Jan Brinkmann
Programmieren mit Swift
Das umfassende Training
8-Stunden-Lern-DVD

Rheinwerk 2015
€ 39,90
ISBN 978-3-8362-3731-4

Aus dem Rheinwerk Verlag (ehemals Galileo Press) stammt ein Trainingsvideo zu Swift (DVD-ROM). Trainer Jan Brinkmann sagt dazu in der Einführung: "Sie [Swift] hat eine schlanke Syntax und führt neue Konzepte und Elemente ein. Swift ist die Zukunft der Apple-Entwicklung, und die beginnt jetzt. Grund genug sich anzuschließen und in die Sprache Swift einzutauchen."

Dass neben dem Erlernen von Swift (im Playground) auch die Entwicklung von Apps nicht zu kurz kommt, wird nach der Erläuterung von Xcode schnell deutlich. Es werden ein iOS-Projekt (Single View Application) erstellt und die einzelnen Elemente (Storyboard, ViewController.swift), ARC oder der Nutzen von Objective-C-Sourcen in Swift-Projekten (Bridging Headers) gelehrt. Ein Projekt für die AppleWatch als nettes Goodie zeigt, wie WatchKit funktioniert. Hier geht es um das Verständnis von WatchKit, das Aufbauen des AppleWatch-Storyboards und das schrittweise Verfeinern des Mittagspausen-Timer-Projekts und das fortwährende Testen im Simulator.

Mit acht Stunden Spielzeit und der Möglichkeit, auf die Projekte und Sourcen beim Anschauen des Tutorials simultan zugreifen zu können, um gleich eins zu eins in die (Nach-)Umsetzung zu gehen, hat Jan Brinkmann ein umfassendes Training erstellt. Auch wenn dieses Video-Training nicht bei null anfängt und somit reine Programmieranfänger etwas benachteiligt sind, ist dieses Training gespickt mit Material und geeignet, neben der Coding-Session auf dem Rechner zu laufen.