Arbeiten für die KI: Clickworker erhalten 90 Cent pro Stunde

Der Niedergang von Venezuela führte zu einer neuen Form digitaler Ausbeutung im Dienste der Künstlichen Intelligenz. Billige Gig-Worker bearbeiten Datensätze.

Lesezeit: 22 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 16 Beiträge
, Illustration: Edel Rodriguez

(Bild: Illustration: Edel Rodriguez)

Von
  • Karen Hao
  • Andrea Paola Hernandez
Inhaltsverzeichnis

Es sollte eigentlich nur ein vorübergehender Nebenjob sein. Während ihres Studiums meldete sich Oskarina Fuentes Anaya bei der Crowdworking-Plattform Appen an, um etwas Geld hinzuzuverdienen. Doch dann brach die Wirtschaft in Venezuela zusammen, die Inflation schoss in die Höhe und ein einst garantierter Arbeitsplatz in der Ölindustrie war keine Option mehr. Aus dem Neben- wurde ein Vollzeitjob.

Wie KI koloniale Muster befördert

Künstliche Intelligenz kann durch Übersetzung in Echtzeit Brücken zwischen Kulturen schlagen oder mühsame Routinetätigkeiten übernehmen. Doch oftmals reproduziert sie stattdessen Ungerechtigkeit und Diskriminierung und greift dabei auf Muster kolonialer Herrschaft zurück. Kritiker fordern deshalb, ihre verborgenen Strukturen offenzulegen.

Heute lebt Fuentes in Kolumbien, wie eine Million weiterer venezolanischer Flüchtlinge. Sie ist in ihrem Haus gefangen – durch eine chronische Krankheit und durch undurchsichtige Algorithmen, die ihr vorschreiben, wann sie zu arbeiten hat.

Trotz Drohungen von Appen hat sie sich entschlossen, als namentlich genannte Quelle aufzutreten. Sie möchte, dass die Menschen verstehen, wie es ist, ein wichtiger, aber unsichtbarer Teil der globalen KI-Entwicklung zu sein. Sie möchte, dass Menschen wie sie gesehen werden.