Artenvielfalt: Was Brücken für Wildtiere bringen

Wildtierkorridore für Straßen reduzieren die Zahl der überfahrenen Tiere und verbinden ihre Lebensräume. Aber sind sie wirklich ein Gewinn für den Naturschutz?

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Autobahn mit Tunnels führt durch bewaldete Hügellandschaft

Diese Straßenquerung in Thailand ist mehr als eine einfache Wildbrücke: Die Fahrbahnen verschwinden in zwei Straßentunneln, sodass die Bergwälder rechts und links des Tals an dieser Stelle für die Tiere verschmelzen.

(Bild: Moment/Getty Images)

Von
  • Matthew Ponsford
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In der Nähe von Ede, einer grünen, mittelalterlichen Kleinstadt in den Niederlanden, starben Mitte der 2000er-Jahre zahllose Kröten einen grausamen Tod. Die Anwohner halfen ihnen, indem sie jedes Frühjahr für einige Wochen provisorische Zäune entlang einer etwa einen Kilometer langen Straße zogen. Sie führt durch das Gebiet, das die Tiere durchqueren, wenn sie von ihrem Winterquartier im Süden zu drei Teichen im Norden übersiedeln. Dort legen sie den Laich für ihren Nachwuchs ab. Wenn die Kröten auf die kleinen Zäune trafen, hüpften sie ein paar Meter seitlich auf und ab und fielen in eine von 36 Eimerfallen, die den Zaun säumten.

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Jeden Tag trugen Freiwillige die Kröten auf die andere Seite der Straße – eine mühsame Methode, um die Probleme der Amphibien in der Menschenwelt abzufangen. Aber es war eine Hilfe, die die Bewohner von Ede gerne für ihre warzigen Nachbarn leisteten – die, wie so viele andere Arten auf der Welt, Schwierigkeiten haben, sich zu ernähren, zu brüten und zu wandern, wenn ihre vertraute Landschaft durch die menschliche Infrastruktur zerschnitten wird.

Was dann folgte, war eine Mahnung an die kleine internationale Gemeinschaft von Ökologen und Ökodesignern: Nach ein paar Jahren beschloss Ede, die provisorischen Zäune gegen dauerhafte Barrieren und die Eimer durch zwei unter der Straße verlaufende Wildtiertunnel zu ersetzen. Der Ökologe Edgar van der Grift und andere Wissenschaftler beobachteten, dass die Unterführungen bei den Kröten beliebt waren. Viele Kröten hüpften fröhlich zu ihren Brutteichen – und nutzten sogar die Gelegenheit, sich auf dem Weg dorthin zu paaren, wie eine Studie aus dem Jahr 2019 zeigt.