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Medikamenten-Forschung: Lebenswichtige Unterschiede zwischen Männern und Frauen

In der Entwicklung von Medikamenten spielt das Geschlecht oft nur eine Rolle, wenn es um Fortpflanzung geht. Dabei gibt es große Differenzen. Was zu tun ist.

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Jeffrey Mogil kam aus Langeweile zu seinem Forschungsgebiet. Als Doktorand hatte er eines Tages wenig zu tun, also beschloss er – in Abkehr von der gewohnten Forschungspraxis – pharmakologische Daten aus seinen Mäuseversuchen nach Geschlechtern getrennt auszuwerten. Das Ergebnis war so überraschend wie eindeutig: Bei männlichen Nagern funktionierte der Wirkstoff, an dem er forschte, bei weiblichen versagte er. Mogils Betreuer teilte seine Begeisterung nicht: "Jeff, Geschlechtsunterschiede sind zum Genießen da, nicht zum Untersuchen." Mogil aber ließ sich nicht beirren. Er wurde zum führenden Experten für geschlechtsspezifische Unterschiede beim Schmerzempfinden.

Sein Team an der McGill University in Montreal ist für eine ganze Reihe wichtiger Erkenntnisse auf dem Gebiet verantwortlich. So entschlüsselte es etwa, dass hypersensibles Schmerzempfinden – eine Art chronischer Schmerz – bei männlichen und weiblichen Mäusen von unterschiedlichen Immunzellen beeinflusst wird: Mikroglia und T-Zellen. Auf welchem molekularen Weg die Schmerzvermittlung entsteht, hängt von einem bestimmten Testosteronwert ab: Ein höherer Wert löst den Mikroglia-Weg aus, ein niedrigerer den T-Zellen-Weg.

Einen ähnlichen Unterschied scheint es auch beim Menschen zu geben. Bei Krebspatienten, deren Tumore auf Nerven im Rückenmark drücken, fanden Forscher der University of Texas je nach Geschlecht verschiedene Schmerzpfade: Bei Männern scheinen Fresszellen des Immunsystems schmerzhafte Entzündungen in den Nerven auszulösen, bei Frauen vermitteln kurze Eiweißmoleküle (Peptide) sowie die Nerven selbst die Schmerzen, schrieben die Forscher im März im Fachjournal "Brain". "Es ist gut möglich, dass wir hier über verschiedene Schmerzmittel reden könnten", sagt Ted Price, einer der Studienleiter.

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