Aufforstung: Wie Mangroven Senegals Zukunft sichern sollen

Sie sind natürlicher Küstenschutz und Kinderstube vieler Fische, speichern mehr Klimagas als andere Wälder. Doch weltweit werden Mangroven massiv abgeholzt.

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, Martin Egbert

(Bild: Martin Egbert)

Von
  • Klaus Sieg
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Ihre Schlappen in der Hand stapft Rama Diop barfuß durch den Schlick, der auf jeden Schritt mit einem Schmatzen antwortet. Ab und zu knackt ein leeres Schneckengehäuse unter ihren Füßen. Das macht der Fischersfrau nichts aus, die in ihrem Leben selten feste Schuhe getragen hat. "Ich komme gerne und häufig hierher, um nach den Mangroven zu sehen, das macht mich glücklich", sagt sie. Kreischend steigt ein Reiher auf. Rama Diop kneift die Augen zusammen und sieht ihm nach, wie er mit trägem Flügelschlag über die Weite in Richtung offenes Meer entschwindet. Weiße Wellenkämme sind dort hinten zu erkennen. Sie branden an den Strand einer vom Wasser geprägten Landschaft.

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Hier im Delta des Senegal kann man schnell den Überblick verlieren. Ebbe und Flut ändern ständig das Bild. Tümpel, Priele und Lagunen entstehen und verschwinden. Der breite Strom des Senegal sucht sich auf dem Weg in den Atlantik immer wieder neue Wege durch die Landschaft, die vielerorts an das Wattenmeer im Norden Deutschlands erinnert.

Rama Diop pflanzt Stecklinge von Mangroven in ihrem Dorf Bopp Thior. In ihrer Kindheit war noch der gesamte Ufersaum dicht mit Mangroven bewachsen.

(Bild: Martin Egbert)

Wie das Wattenmeer ist das Delta des Senegal zum Teil Naturschutzgebiet. Doch es hat mit vielen Bedrohungen zu kämpfen. Siedlungen, Straßen und Brücken wuchern in die Natur. Eine steigende Zahl von Fischern übernutzt die Gewässer und beschädigt zum Teil die Uferzonen. Vor allem aber steigt aufgrund der Klimaerwärmung das Wasser und nimmt immer mehr Land mit sich. Ganze Dörfer verschwinden. Böden versalzen. Mangroven könnten dagegen helfen. Sie brechen die Wellen und festigen den Boden. Manche Mangrovenwälder können bis zu 75 Prozent der Energie von Wellen und Stürmen abfangen, die sonst ungehindert und mit aller Gewalt auf die Küste treffen würden. Doch was von ihnen in den letzten Jahrzehnten nicht wegen Trockenheit, Versalzung und Zersiedelung verschwunden ist, wird häufig als Feuer- und Bauholz gefällt. So hat der Senegal in den vergangenen 50 Jahren etwa 40 Prozent seiner Mangroven verloren, ganz Westafrika 20 bis 30 Prozent.