Ausprobiert: ecoMaker Check

Die Seite ecoMaker will Makern helfen, nachhaltigere Produkte herzustellen. Wir haben den ökologischen Fußabdruck von zwei Projekten berechnen lassen.

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Ausprobiert: ecoMaker Check
Von
  • Sonja Brandes

Dass Nachhaltigkeit auch bei Maker-Projekten eine große Rolle spielen sollte, ist vielen bewusst. Doch woher weiß man, wie umweltfreundlich ein selbstgebautes Produkt ist? Das ecoMaker-Projekt der TU Berlin, des Fablabs Berlin und des ViNN:Labs möchte bei der Beantwortung dieser Frage helfen. Verschiedene Tools sollen MakerInnen dabei unterstützen, mit ihrem Produkt einen möglichst geringen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen. Wir haben uns das Projekt genauer angeschaut und die Nachhaltigkeit von Gesichtsschilden und einem DIY-Regal berechnen lassen.

Zunächst ist die ecoMaker-Webseite eine Plattform mit Ideen, Bauanleitungen und Knowhow für nachhaltige Produkte. Interessant sind vor allem die Tools, die konkrete Projektideen auf ihre Umweltfreundlichkeit testen. Der ecoMaker Design Sprint ist die papierbasierte Methode, bei der MakerInnen am Ende eine ausführliche Liste mit Maßnahmen für die Verbesserung der Nachhaltigkeit ihres Projektes erhalten. Das webbasierte Pendant dazu ist der ecoMaker Check, den wir genauer unter die Lupe genommen haben. Das Tool wird ständig weiterentwickelt – wir betrachten hier also den aktuellen Prototypen.

Die verschiedenen Rubriken Komplexität, Materialien, Herstellung, Benutzen, Reparieren und Entsorgung geben direkt zu Beginn einen Überblick, welche Informationen das Tool abfragt. Zu den einzelnen Rubriken beantwortet man detaillierte Fragen und trägt die Ergebnisse in Eingabemasken ein. Am Ende bewertet das Tool die Umweltverträglichkeit des Projektes.

Bei unserem ersten Test wollen wir wissen, wie das Tool ein einfaches, selbst gebautes Holzregal einschätzt. Uns liegen Spanholzplatten vor, die schon einmal verbaut waren. Diese beiden Eigenschaften können wir tatsächlich auswählen. Unter der Rubrik „Herstellung“ kann man eingeben, welche Maschinen mit welcher Laufzeit zum Einsatz kommen. Da in unserem Fall lediglich zwei Bretter am Ende mit der Säge gekürzt werden müssen, wählen wir „nicht elektronische Werkzeuge“ aus.

Berücksichtigt wird auch die Menge an Abfall, die entsteht. Das sind bei unserem Regal ca. 2000 Gramm. Strom, Verbrauchs- und Betriebsmittel benötigt unser Produkt bei der Nutzung nicht. Im nächsten Schritt werden wir gefragt, ob es sich um ein Einweg oder um ein Mehrwegprodukt handelt. In Bezug auf ein Regal ist „Mehrweg“ zwar nicht ganz der passende Ausdruck – wir wählen es trotzdem aus, da es immerhin kein Wegwerfprodukt ist, sondern länger verwendet wird. Als geschätzte Nutzungsdauer geben wir 5 Jahre an.

Die Eingabemaske für unser Holzregal.

Unter dem Punkt "Reparatur" wird gefragt, ob es jeder, niemand oder nur Fachleute reparieren können. Wir klicken „Jeder“ an. Beim letzten Punkt dreht sich alles um die Entsorgung: Wir kennen den optimalen Entsorgungsweg und geben an, dass wir das Holz zum Wertstoffhof bringen würden, dass es aber zum großen Teil wiederverwendet werden kann. Jetzt sind wir auf das Ergebnis gespannt.

Aus dem Make-Testlabor

Die Make-Redaktion probiert viel mehr aus, als ins alle zwei Monate erscheinende Heft passt. Deshalb veröffentlichen wir auf unserer Webseite in loser Folge weitere Testberichte.

Zwei Diagramme schlüsseln hinsichtlich Material, Herstellung, Benutzung und Entsorgung die Ökobilanz auf und zeigen die CO2-Emissionen. Nichts auszusetzen gibt es im Hinblick auf die Benutzung unseres Produktes. Wir erreichen mit 1 den bestmöglichen Wert. Es hat eine lange Lebensdauer, wird oft benutzt und benötigt keinen Strom oder andere Verbrauchsmittel.

Am schlechtesten schneidet das Material ab, da es aus nicht erneuerbaren Rohstoffen hergestellt und gesundheitsschädlich ist. Wir wundern uns ein wenig, dass hier der Secondhand-Aspekt so wenig ins Gewicht fällt. Unsere Spanplatten wurden nicht neu gekauft sondern lediglich wiederverwendet. Mittlere Werte erreichen wir bei der Herstellung und Entsorgung. Die Entsorgung im Sperrmüll ist zum Teil umweltbelastend, aber theoretisch lassen sich unsere Regalbretter auch neu verbauen. Nicht ganz das erwartete Ergebnis, doch mit unserem Holzregal fühlen wir uns ökologisch auf der sicheren Seite.

Und so sieht das Fazit für unser Holzregal aus.

Aktuell werden im Rahmen der Corona-Pandemie in Makerspaces zahlreiche Schutzschilde hergestellt. Diese bestehen aus vier Komponenten: Einem Kopfteil, einem Verstärkerclip, einem Visier und einem Gummiband. Direkt zu Beginn des Testes kann ich mehrere Komponenten wählen, die ich anschließend nacheinander ausfüllen kann. Und wie schneidet ein Gesichtsschild in Sachen Nachhaltigkeit ab?

Das erfahren wir leider nicht, denn hier zeigt sich die Schwäche des Tools: Das Hin- und Herspringen zwischen den einzelnen Komponenten ist unübersichtlich, da sich das Tool nicht merkt, wo man zuletzt etwas eingetragen hat. Das Endergebnis wird einem nur angezeigt, wenn alle Felder korrekt ausgefüllt wurden. Allerdings zeigt das Tool nicht an, wo ihm Informationen fehlen. Auch nach mehreren Durchgängen ist es uns nicht gelungen, ein komplexes Produkt mit mehreren Komponenten – wie einen Gesichtsschild – zu analysieren. An diesem Feature wird scheinbar noch geschraubt.

Wir versuchen es mit mehreren Komponenten im ecoMaker Check.

Dennoch ist das Tool vielversprechend – insbesondere, da es weiterhin überarbeitet wird. Wenn man mit einem einzigen Material arbeitet, ist der Aufbau des Tools ansprechend und übersichtlich und gibt ein eindeutiges Ergebnis aus. (Auch wenn man es vielleicht manchmal gar nicht hören möchte.) Wer sich einen schnellen und grundsätzlichen Überblick über die Nachhaltigkeit des eigenen Produktes verschaffen will, ist hier gut bedient. Vor allem schärft die Plattform auch das Bewusstsein dafür, welchen Unterschied kleine Veränderungen in der Herstellung ausmachen können. Auch das Schmökern in den anderen Unterprojekten von ecoMaker können wir empfehlen. (rehu)