Chinesischer Autohersteller BYD: Auf der Überholspur

Die Marke Build Your Dream (BYD) ist ein chinesisches Vorzeigeunternehmen, das Tesla hinter sich gelassen hat und jetzt nach Europa strebt.

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BYD Tang

BYD ist der größte Hersteller von elektrifizierten Autos in China. Mit großem Abstand. Das SUV Tang ist auch in Europa zu haben.

(Bild: BYD)

Von
  • Christian Domke Seidel
Inhaltsverzeichnis

(This article is also available in English)

Folge vier einer zehnteiligen Serie, mit der heise/Autos auf den chinesischen Automarkt blickt. Dort laufen sich – teils kräftig unterstützt von der sogenannten Kommunistischen Partei – gerade chinesische Elektroautoproduzenten warm, um demnächst mit viel Schwung und einem bunten Strauß modernster Autos den heimischen und die internationalen Märkte aufzurollen. Das dürfte nicht ohne Folgen für die deutschen Autoproduzenten bleiben, deren größter weltweiter Einzelmarkt seit einigen Jahren China ist.

Das wird einerseits absehbar das Bild auf deutschen und europäischen Straßen verändern, aber auch Auswirkungen für die deutschen Produzenten und ihren Absatz in China, dem weltweit größten Einzelmarkt, haben.

Angesprochen auf den chinesischen Konkurrenten Build Your Dreams (BYD) sprach Elon Musk einem Reporter von Bloomberg folgende Sätze ins Mikrofon: "Haben Sie mal deren Autos gesehen? Ich glaube nicht, dass sie ein gutes Produkt haben." Elf Jahre später hat BYD mehr Elektroautos verkauft als der große Konkurrent und Pionier Tesla. Und Musk kauft seine Akkus bei BYD. Wie konnte das passieren?

BYD ist ein Unternehmen nach dem Geschmack der Kommunistischen Partei. Chinesischer geht es kaum. Im Jahr 1995 beginnt Wang Chuanfu, Gründer und Vorstandschef der Marke, mit dem Bau von Handy-Akkus und MP3-Playern. Es folgte im Jahr 2003 die Übernahme eines maroden Autokonzerns und der Bau von Elektroautos. Im ersten Halbjahr 2022 hat BYD insgesamt 641.350 sogenannte "New Energy Vehicles" in China verkauft. Darunter fallen auch Hybrid-Modelle. Tesla lediglich 564.740 Stück.

Davon entfallen aber auch einige auf den Export. Weswegen BYD – betrachtet man nur die Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen zwischen Januar und August 2022 – einen Marktanteil von 29 Prozent erreicht. Auf Platz zwei kommt SAIC-GM-Wuling mit 9,6 Prozent. Tesla landet bei dieser Betrachtung mit 7 Prozent nur auf Platz drei.

BYD macht zwei Dinge anders als seine Konkurrenten. Zunächst einmal hat das Unternehmen eine enorm breite Produktpalette. Neben den Pkw gibt es noch Busse, Lkw, elektrische Fahrräder und Gabelstapler. Zweitens hat Wang Chuanfu seinen Konzern aufgestellt wie einst Henry Ford vor hundert Jahren: Statt auf Outsourcing zu setzen, produziert BYD alle zentralen Elemente entlang der Wertschöpfungskette selbst.

Auch Elektro-Trucks hat BYD im Angebot.

(Bild: BYD)

Mit dem Beginn der Autoproduktion hat BYD die Herstellung von Batteriezellen nicht etwa eingestellt oder verkauft, sondern ausgebaut. Mittlerweile gehört sein Konzern zu den größten Herstellern von Batterien für Elektroautos weltweit. Dafür braucht die Marke aber Lithium (die Batterien kommen ohne Kobalt aus), weswegen BYD auch Minen und Schürfrechte in Südamerika und Afrika besitzt.

Die benötigten Halbleiter stammen vom Tochterunternehmens BYD Semiconductor. Als während der umfangreichen Lockdowns in China die globalen Lieferketten zerbröselten, gewann BYD sogar Marktanteile. Als einziger Produzent in China besitzt BYD auch eine eigene Fabrik zum Recycling gebrauchter Fahrzeugbatterien. Ein Gesetz der Kommunistischen Partei verpflichtet Autohersteller dazu, die Batterien wieder einzusammeln. Für manche Marken mag das lästig sein, für BYD ist es ein Geschäftszweig.

Auch die Kommunistische Partei schätzt das Unternehmen. Es verkörpert den Plan der Partei, die Binnenwirtschaft zu stärken, vorbildlich. Unter dem Begriff der "Dual Circulation" will die Regierung verstärkt den Binnenhandel stärken und auf die finanziellen Möglichkeiten seiner 1,4 Milliarden Einwohner setzen. Entsprechend gibt es protektionistische Gesetze. Die werden regelmäßig gelockert – so fiel beispielsweise die Joint Venture Pflicht für ausländische Automobilhersteller – doch natürlich profitieren Marken wie BYD enorm davon. Wang Chuanfu bedankt sich mit Masken. Fünf Millionen medizinische Mundbedeckungen pro Tag produziert sein Konzern mittlerweile. Auch das dürfte nicht zu seinem Schaden sein.

Da Modellprogramm von BYD ist extrem weit gespreizt. Auch das ein Erfolgsgrund. Im Bild der Kleintransporter T3

(Bild: BYD)

In der Industriestrategie der Kommunistischen Partei ist noch ein weiteres Ziel festgelegt. Die führenden Hersteller von Elektroautos sollen ab dem Jahr 2025 mindestens zehn Prozent ihrer Produktion im Ausland verkaufen. BYD strebt auch deswegen mit großen Schritten nach Europa. Dafür kooperiert die Marke mit der Händlergruppe Hedin. Die ist aktuell in Schweden (104 Händler), Belgien (20), Norwegen (17) und mit vier Stützpunkten in der Schweiz vertreten. Sogar in Deutschland gibt es eine Niederlassung. Neue Händler werden derzeit mit Hochdruck rekrutiert. Ursprünglich war der Plan von Wang Chuanfu, bis zum Jahr 2025 zum weltgrößten Automobilhersteller aufgestiegen zu sein. Mit BYD will er nicht Tesla in China überholen, sondern Toyota auf der ganzen Welt. Ein Ziel, das aus dem Jahr 2011 stammt. Es war das gleiche Jahr, in dem Elon Musk über BYD gelästert hat.

(fpi)