Menü
c't Magazin

Automatischer Notruf: So funktioniert eCall

eCall ruft bei einem Verkehrsunfall Retter herbei. Das elektronische Notrufsystem stößt aber nicht nur auf Gegenliebe, sondern weckt auch Datenschutzbedenken.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen
Automatischer Notruf: So funktioniert eCall

(Bild: Continental [M])

Inhaltsverzeichnis

Bei Verkehrsunfällen entscheiden wenige Minuten über Leben und Tod – je schneller ein Rettungswagen vor Ort ist, desto beser. Schleunigst Hilfe anfordern, das ist die Kernaufgabe des automatischen Notrufsystems eCall. Ein Baustein im Auto nimmt bei Unfällen automatisch oder auf Knopfdruck Kontakt zu einer Rettungsstelle auf, meldet die Position und andere Parameter. Sogar eine Sprechverbindung ist möglich, damit die Rettungsstellen nachfragen können, was passiert ist. Die EU erhofft sich durch die Einführung von eCall ein Zehntel weniger Verkehrstote, weil die Retter im Schnitt in der halben Zeit eintreffen. Ohne Zweifel: Das ist sehr gut. Aber im Konzert der Loblieder auf eCall sind Missklänge hörbar: eCall weckt auch Bedenken. Bekommt man damit einen Spion ins Auto?

Der Notrufknopf in Autos ist in der Regel gegen versehentliches Betätigen gesichert.

Hinter dem Begriff eCall verbergen sich zwei Konzepte, das "Public eCall" und das "Private eCall". Den Notruf lösen beide Systeme automatisch oder manuell aus. Dafür gibt es im Auto einen SOS-Knopf, der vor versehentlicher Benutzung gesichert ist. Damit kann Hilfe holen, wer einen Unfall oder ähnliches beobachtet. Die zweite Komponente ist der automatische Notruf. eCall setzt ihn ab, wenn der Airbag aufgeht oder ein Sensor eine Kollision feststellt. Anzeichen dafür sind eine abrupte Änderung der Beschleunigungswerte und das Auslösen des Airbags. Das System löst nur bei schweren Unfällen aus, aber nicht bei harmlosen Parkremplern. Der Hauptunterschied der beiden Systeme: Beim Public eCall läuft der Notruf europaweit direkt bei der 112 als Rettungsleitstelle auf. Beim privaten eCall kontaktiert der eCall-Baustein hingegen zuerst die Leitstelle des jeweiligen Anbieters. Dahinter stehen Hilfsdienste von Autoherstellern, Versicherern und andere. Die Leitstelle fordert bei Bedarf auch den "richtigen" Rettungsdienst an. Kritik an diesem Verfahren kommt von professionellen Rettungsdienstleistern, die befürchten, dass dadurch wertvolle Zeit verloren geht. Die Privaten führen ins Feld, dass ihre Leitstellen die rund 90 Prozent Fehlalarme ausfiltern, die bei manuellen Notrufen üblicherweise entstehen.

Während Public eCall als Dienst immer kostenfrei ist, können Private-eCall-Anbieter ihre Hilfsdienste auch mit ihren Bezahlangeboten verbinden. Sie müssen aber garantieren, dass Kunden stattdessen auch das Public eCall nutzen können – das wird beim Kauf eingestellt oder später in der Werkstatt. Außerdem muss Public eCall als Backup-Verbindung stets einspringen, etwa wenn die Leitstelle des privaten eCall-Anbieters ausfällt.

Immer mehr Wissen. Das digitale Abo für IT und Technik.

  • Zugriff auf alle Inhalte von heise+
  • exklusive Tests, Ratgeber & Hintergründe: unabhängig, kritisch fundiert
  • c't, iX, Technology Review, Mac & i, Make, c't Fotografie direkt im Browser lesen
  • einmal anmelden – auf allen Geräten lesen - jederzeit kündbar
  • erster Monat gratis, danach monatlich 9,95 €
  • Wöchentlicher Newsletter mit persönlichen Leseempfehlungen des Chefredakteurs
GRATIS-Monat beginnen Jetzt GRATIS-Monat beginnen Mehr Informationen zu heise+
Anzeige