Autonomer Kehrroboter fegt in Helsinki die Straßen

In der finnischen Hauptstadt ist der Trombia Free unterwegs, ein vollautomatisches Kehrsystem, das die Straßen sauber halten soll.

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(Bild: Trombia Industries)

Von
  • Ben Schwan

Roboterstaubsauger wie jene von Roomba gibt es mittlerweile seit fast zwei Jahrzehnten – und sie halten mit immer smarterer Technik unsere Wohnungen sauber. Zeit, die Technik etwas größer zu denken: Das finnische Start-up Trombia Technologies Oy hat mit dem Trombia Free nun ein Gerät entwickelt, dass ganze Straßen und Wege vom Schmutz befreien soll. Das autonom arbeitende System ist seit April im Probebetrieb in der Hauptstadt Helsinki im Einsatz.

Die Idee der Macher um Chef Antti Nikkanen ist es, das komplett elektrisch betriebene Großgerät dann einzusetzen, wenn es in der Stadt vergleichsweise ruhig ist – in der Nacht. Der Trombia Free fuhr unter anderem einen beliebten Radweg – die von regulären Straßenkehrern gerne wenig gepflegt werden – sowie eine viel befahrene Straße im Stadtteil Jätkäsaari ab.

Der Trombia Free arbeitet mit Standardverfahren im Bereich autonomer Fahrzeuge: Neben mehreren Kameras, deren Aufnahmen mit KI-Bilderkennungsverfahren ausgewertet werden, kommt auch LIDAR zum Einsatz (Light Detection and Ranging), um eine genaue Objektdetektion zu erreichen. Klein ist der Trombia Free nicht. Er bringt eine Fahrzeuglänge von dreieinhalb Metern bei einer Breite von 2,3 Metern auf die Straße.

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Die Maximalgeschwindigkeit auf dem Weg zur Einsatzstelle liegt bei 10 km/h, im Reinigungseinsatz geht der Speed auf maximal 6 km/h herunter. Nikkanen & Co. haben errechnet, dass dank Fahroptimierung nur 15 Prozent der Energie verbraucht werden wie bei herkömmlichen – nichtautonomen – Straßenkehrmaschinen. Auch der Wasserverbrauch falle minimal aus. Dank der Laserimpulsmessung per LIDAR soll das System auch bei nassem Wetter und sogar Schnee zuverlässig arbeiten können.

Tombia Technologies sieht einen breiten Markt für seine Maschine. Die aktuellen Benzin- oder Diesel-betriebenen Saugreiniger basierten auf veralteter Technik, die nicht mehr in die 2020er gehöre, so Nikkanen. Drei Millionen Tonnen CO2-Emissionen im Jahr sollen sich so einsparen lassen, hat das Start-up errechnet.

Um möglichst viele Stadtreinigungsbetriebe vom Trombia Free zu überzeugen, setzt das Start-up auf ein Mietmodell. Stadt die Fahrzeuge zu verkaufen, sollen die Verträge auf die gereinigten Quadratmeter lauten, es ist ein sogenanntes Robots-as-a-Service-Geschäftsmodell (RaaS) angedacht. Neben den Tests in Helsinki ist auch ein kommerzielles Pilotprogramm angelaufen, das ein Jahr lang dauert. Dass das System funktioniert, soll bereits in Zusammenarbeit mit nordischen Parkplatzbetreibern und Industriebetrieben demonstriert worden sein, die gröbere Müllprobleme hatten.

(bsc)