Autonomes Elektrofrachtschiff

Künftig könnten die großen Meerestransporter umweltfreundlich und computergesteuert verkehren.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 1 Beitrag
Von

Künftig könnten die großen Meerestransporter umweltfreundlich und computergesteuert verkehren.

Drohnen finden autonom ihr Ziel, und selbstfahrende Testautos manövrieren erfolgreich durch den Stadtverkehr – nur besatzungsfreie Schiffe sucht man vergeblich. Die würden nach internationalem Seerecht als Geisterschiffe gelten. Anders dagegen in Hoheitsgewässern: Hier könnten Länder ihre eigenen Gesetze machen – und Roboterschiffe für die Küstenschifffahrt zulassen.

Genau dafür ist das Konzeptschiff "ReVolt" gedacht, ein 60 Meter langes, autonom fahrendes, elektrisch angetriebenes Kurzstrecken-Containerschiff für hundert Standardcontainer (100 TEU). Entwickelt hat es die norwegisch-deutsche Schiffsklassifikationsgesellschaft Det Norske Veritas-Germanischer Lloyd (DNV GL) in Oslo.

Schiffe vom ReVolt-Typ könnten die 300-TEU-Feederschiffe ersetzen, die heute Container aus großen Überseehäfen auf kleinere Häfen entlang der Küsten verteilen. Und das sogar recht bald. Denn das ReVolt-Konzept versammelt verfügbare und erprobte Techniken der Seefahrt. Dazu gehören GPS, das elektronische Karten- und Informationssystem ECDIS, Radar, die optische Abstands- und Geschwindigkeitsmessung per Laser (Lidar), das automatische Schiffsidentifikationssystem AIS, das vor Kollisionen warnt, und Kameras.

Strom als Antriebsenergie wählten die Norweger unter anderem deshalb, weil sie davon reichlich aus Wasserkraft gewinnen und damit klimaneutral bleiben. Zudem ist ein elektrischer Schiffsantrieb mit etwa 60 Prozent Wirkungsgrad einem Diesel wirtschaftlich weit überlegen. Denn bei letzterem gehen 85 Prozent der Energie durch Transport, Reibung und Wärme verloren. Außerdem ist ein Elektroantrieb nahezu wartungsfrei. Die einzigen beweglichen Teile sind die Schiffsschrauben. Die zwei Propeller liegen unter dem Heck in rundum drehbaren Kapseln. Eine ausfahrbare Propeller-Kapsel unterm Bug hilft bei den automatischen Anlegemanövern.

Außerdem sorgt das Gewicht der Batterien für zusätzliche Stabilität, sodass ReVolt für Leerfahrten kein Ballastwasser aufnehmen muss. Die Batteriekapazität von 3000 Kilowattstunden soll für 100 Seemeilen, also 185 Kilometer reichen. Die schafft das Schiff auch deshalb, weil die Ingenieure die Durchschnittsgeschwindigkeit auf elf Kilometer pro Stunde, begrenzen, was den Strömungswiderstand deutlich senkt.

Die senkrechte Bugform, die nur bei schnellerer Fahrt ungünstig wäre, verbessert die Hydrodynamik laut Tests noch zusätzlich. Die Ladezeit der Batterien im Hafen soll mit vier Stunden nicht länger als die Lösch- und Ladearbeiten dauern. Neue Batterien braucht der Kurzstreckenfrachter erst nach 15 Jahren, der Hälfte seiner wahrscheinlichen Lebensdauer.

Derzeit testen die Entwickler einen drei Meter langen Prototyp in einem Fjord bei Oslo. Sollte ReVolt gebaut werden, wäre sie mit etwa zehn Millionen US-Dollar nicht teurer als ein gleich großes konventionelles Schiff. Demgegenüber würde sie aber in 30 Jahren rund 34 Millionen US-Dollar an Betriebskosten einsparen. Die Verwirklichung des Roboschiffs steht für die Konstrukteure aber gar nicht an erster Stelle. "Wir hoffen, dass ReVolt Hersteller und Werften bei der Suche nach neuen Lösungen für eine nachhaltige Zukunft als Inspiration dienen kann", meint Forschungsleiter Hans Anton Tvete. (bsc)