Autozulassungen 2020: Lichtblick am Ende

2020 war für die Hersteller eine Herausforderung. Der Absatz ging fast überall spürbar zurück. Doch die neuesten Zahlen lassen sie auf bessere Zeiten hoffen.

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Um 33,4 Prozent gingen die Verkaufszahlen des VW Golf im vergangenen Jahr nach unten. Die Corona-Pandemie war daran nur zum Teil Schuld. Trotzdem führt der Golf die Zulassungsstatistik noch immer mit riesigem Abstand an.

(Bild: Pillau)

Von
  • Martin Franz

Quer über alle Marken und Segmente gingen die Verkaufszahlen im vergangenen Jahr um durchschnittlich 19,1 Prozent zurück. Insgesamt 2,9 Millionen Autos wurden 2020 erstmals in Deutschland zugelassen. 62,8 Prozent davon entfielen auf gewerbliche Zulassungen, der Rest ging an private Neuwagenkäufer, wie das Kraftfahrt-Bundesamt am Freitag (8. Januar 2021) mitteilte.

Die Hersteller haben das Jahr unterschiedlich schlecht überstanden, wobei es mit Fiat und Tesla zwei Anbieter gibt, die ihre Verkaufszahlen gegenüber 2019 sogar noch steigern konnten. Fiat legte um 0,2 Prozent zu, Tesla um starke 55,9. Vergleichsweise gut sind auch DS, Jeep, Lexus und Renault durchgerutscht – sie hatten nur geringe Verluste. Wirklich hart getroffen hat es Smart, Suzuki, Ssangyong, Mazda und Dacia, die alle mehr als 35 Prozent weniger Autos verkaufen konnten als im Vorjahr.

Doch zumindest einige Hersteller dürfen hoffen, denn zuletzt zogen die Verkaufszahlen wieder an. Firmen wie Alfa Romeo, Fiat, Jaguar, Opel, Porsche, Toyota, Seat und Skoda konnten ihre Absatzzahlen im Dezember 2020 zum Teil um deutlich mehr als 30 Prozent steigern.

Ein Sonderfall bleibt Tesla. 16.694 Autos wurden 2020 neu zugelassen, allein im Dezember waren es 3545. Gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht das einem Zuwachs von 213 Prozent. Der Höhenflug dürfte 2021 kaum gebremst werden, insbesondere dann nicht, wenn es gelingen sollte, die Produktion des Model Y im brandenburgischen Grünheide anlaufen zu lassen. Im Konfigurator steht das 4,77 m lange SUV derzeit mit 58.620 Euro – inklusive einer sehr ordentlichen Ausstattung. Der Basispreis dürfte noch sinken, denn zunächst hat Tesla nur die beiden teuersten Ausführungen im Angebot.

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Die im Juni 2020 nochmals aufgestockte Innovationsprämie und die steuerliche Bevorzugung von Autos mit einem elektrischen Anteil des Antriebs haben ihre Spuren auf dem Automarkt hinterlassen. Es hätten noch viel mehr werden können, wenn die Autohersteller jeden Wunsch nach einem Elektroauto oder Plug-in-Hybriden hätten erfüllen können. Das war nicht immer der Fall: Volkswagen nimmt keine Bestellungen mehr für die elektrifizierten Kleinstwagen entgegen, Mercedes musste zwischenzeitlich einen Orderstopp für die Plug-in-Hybrid A-Klasse 250e verhängen.

Ob ein Plug-in-Hybrid in jedem Fall zu einer geringeren Umweltbelastung durch den Individualverkehr geführt hat, darf wohl bezweifelt werden. Der Stromverbrauch von einigen Plug-in-Hybriden ist geradezu erschreckend üppig – wenn sie denn überhaupt vom Nutzer aufgeladen werden. Dennoch waren Plug-in-Hybride einer der Gewinner des vergangenen Jahres. Von den 527.864 neu zugelassenen Hybridfahrzeugen waren 200.469 Plug-in-Hybride, was einem Plus von 342,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Wenig verwunderlich haben auch die Elektroautos kräftig zugelegt. 194.163 wurden verkauft, ein Plus von 206,8 Prozent. Andere Alternativen zu Benzin und Dieselkraftstoff wie Erd- und Flüssiggas konnten sich zumindest halten, wenngleich auf sehr niedrigem Niveau. Nach dem angekündigten Erdgas-Ausstieg von Volkswagen werden diese mittelfristig aber vom Markt verschwinden.

Die CO2-Emissionen der Pkw gingen 2020 um 11 Prozent weiter zurück, im Durchschnitt auf 139,8 g/km. 2019 lag diese Zahl noch bei 157 g/km. Das klingt auf den ersten Blick nach einem großen Schritt, doch dem ist keinesfalls so. Elektroautos gehen in diese Statistik mit Null Gramm CO2 ein, Plug-in-Hybride profitieren von einer ziemlichen industriefreundlich ausgestalteten Berechnung ihres CO2-Anteils. Der Rückgang des Ausstoßes dürfte also größtenteils auf den Zuwachs von elektrifizierten Autos zurückzuführen sein.

(mfz)