Avatare: Wie Roblox 3D-Gesichter ausdrucksstärker macht

Bei der beliebten Spieleplattform Roblox sollen die 3D-Gesichter von Avataren künftig den Ausdruck ihrer Nutzer in Echtzeit nachahmen können.

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(Bild: Roblox)

Von
  • Tanya Basu
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Die Spieleplattform Roblox, auf der die Nutzer eigene Games zusammenbauen können, will künftig ihre verwendeten 3D-Avatare deutlich natürlicher machen. Das gab das Unternehmen Anfang September auf ihrer Entwicklerkonferenz bekannt. Vorerst können zwar nur ausgewählte Entwickler auf der Plattform das Update nutzen, doch es bis Anfang 2023 für alle Roblox-Benutzer verfügbar sein. Das könnte durchaus zu einem interessanten soziologischen Experiment werden.

Roblox ist eine Online-Spieleplattform, auf der man Spiele spielen oder diese selbst erstellen kann. Sie hat 52,2 Millionen Nutzer pro Tag. Ursprünglich Roblox auf Minderjährige ausgerichtet, doch in den letzten Jahren hat es sich zu einem beliebten Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene entwickelt. Mehr als die Hälfte der Nutzer ist inzwischen über 13 Jahre alt.

Die reichhaltigen abwechslungsreichen virtuellen Welten, die innerhalb von Roblox geschaffen wurden, gelten als Vorläufer dessen, was wir künftig im Metaverse sehen und erleben könnten. Dazu gehört, wie es möglich sein wird, über personalisierte Avatare seine eigene Persönlichkeit in die 3D-Welt zu holen.

Das Roblox-Update ähnelt zunächst der iPhone-App Bitmoji, die mit Hilfe von dessen Tiefensensorik Kopf- und Gesichtsbewegungen messen und tracken kann. Bisherige Avatare auf Roblox hatten zwar auch schon Gesichtsausdrücke, doch Bjorn Book-Larsson, Vizepräsident für Produkte und Avatare bei Roblox, bezeichnet sie als "zweidimensional".

Die neuen Roblox-Avatare würde dagegen bedeuten, dass sie das Lächeln, Zwinkern oder Stirnrunzeln ihrer Nutzer in Echtzeit nachahmen können. Die Augen würden auf genau dieselbe Weise den 3D-Raum absuchen, wie sie dies in der echten Welt tun. Sie würden ihre Köpfe schütteln, wenn sie "Nein" sagen wollen oder ihre Augenbrauen heben und mit den Ohren wackeln. Und bald, so Roblox, werden die Benutzer sogar in der Lage sein, wie in anderen Multiplayer-Videospielen direkt mit anderen Avataren zu sprechen. Kurz gesagt: Die Änderungen könnten reale menschliche Erfahrungen mit denen des Metaverse verschmelzen und Avatare ihren Benutzern ähnlicher machen – allerdings nicht nur im Guten.

Dass diese Aktualisierungen bis Anfang 2023 einem engen Kreis von ausgewählten Nutzern und Entwicklern vorbehalten bleiben, dient laut Book-Larsson dazu, „Vertrauen und Sicherheit“ zu gewährleisten. Das Security-Team von Roblox will in der Zwischenzeit sicherstellen, dass die neuen Darstellungsformen in der riesigen Gruppe der minderjährigen Nutzer sicher eingesetzt werden können. Laut Book-Larsson wurde beispielsweise das Zunge-Herausstrecken gestrichen, weil es als "sexuelle Anmache" missbraucht werden könnte.

Die langsame Einführung bietet auch die Möglichkeit, zu überprüfen, wie ältere Benutzer die Fähigkeit ihrer Avatare, Emotionen zu zeigen, annehmen werden. Book-Larsson zufolge sind 17- bis 24-Jährigen die derzeit am schnellsten wachsende Nutzergruppe und eine Kohorte, die viele soziale Medien und Spieleplattformen zur Auswahl hat. Er hofft, dass sie sich mehr mit den verbesserten Roblox-Avataren beschäftigen und dadurch mehr Zeit auf der Plattform verbringen werden.

Aus den Veränderungen ergeben sich auch ganz neue Herausforderungen. So meint eine Expertin, Roblox müsse auch darauf achten, wie Gesichtsausdrücke in verschiedenen Kulturen interpretiert werden. "Ein Lächeln als glücklich zu deuten, ist ein sehr westliches Klischee", sagt Lisa Feldman Barrett, Neurowissenschaftlerin und Autorin von "How Emotions Are Made". Da 44,7 Prozent der Roblox-Benutzer in nicht-westlichen Ländern leben, ist das eine berechtigte Sorge.

Book-Larsson sagt, dass Lächeln und andere Ausdrucksformen, die Glücklichsein darstellen, derzeit schon die beliebtesten auf Roblox sind. In manchen Kulturen kann ein Lächeln aber auch eine Einladung oder ein Flehen ausdrücken. Selbst wenn zwei Spieler westlich sind, können sie ein Lächeln unterschiedlich empfinden: vielleicht der eine als bedrohlich, vielleicht der andere als Sarkasmus.

Book-Larsson sagt, er sei sich dieser möglichen Konsequenzen bewusst, wenn seine Firma die 3D-Avatare ausdrucksstärker macht, und betont, dass dies einer der Gründe ist, warum die Einführung so langsam vor sich geht. Und wie Feldman Barrett betont, ist die weiterhin erfolgende verbale Kommunikation der Schlüssel zum richtigen emotionalen Verständnis. Book-Larsson sagt, dass die Avatare bald in der Lage sein werden, dies endlich per Sprach-Chat zu tun. "Wir wollen sicherstellen, dass auch das sicher ist", sagt er. "Und wir stehen kurz davor, es herauszufinden."

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(vsz)