BMW R 18: Neues Leben für das Retro-Cruiser-Segment?

BMWs Retro-Krad wird von einem mächtigen Boxer angetrieben und soll Harley Kunden abspenstig machen. Der Erfolg des fetten Cruisers scheint keineswegs sicher.

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Zierlich war gestern. An der neuen BMW R 18 wird alles größer und teurer.

(Bild: BMW)

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Vor einem Jahr hat BMW beim Concorso d’Eleganza am Comer See mit dem Prototyp Concept R 18 Aufsehen erregt. Nun haben die Bayern den Cruiser als Serienfahrzeug präsentiert und sind erstaunlich nah am Prototyp geblieben. Die R 18 überraschte mit einem neu entwickelten, luft-/ölgekühltem „Big Boxer“.

Der Motor mit 1802 cm3 Hubraum leistet 91 PS bei 4750/min. Noch beeindruckender ist jedoch der Drehmomentverlauf: BMW verspricht, dass zwischen 2000 und 4000/min stets über 150 Nm anliegen, als Maximum werden 158 Nm bei 3000/min angeben. Die Durchzugswerte dürften also beeindruckend ausfallen, auch wenn die R 18 massive 345 Kilogramm wiegt, 110 kg davon schon der Motor. Das ist deutlich mehr als eine aktuelle Harley Davidson Softail mit ihren rund 310 kg.

BMW R18 (15 Bilder)

BMW bringt mit der R 18 einen nostalgisch angehauchten Cruiser mit einem mächtigen Boxermotor auf den Markt.
(Bild: BMW)

Die Gestaltung lehnt sich am Vorbild der BMW R 5 von 1936 an, verfehlt deren schlicht-raffinierte Eleganz aber in allen Dimensionen. Der große Cruiser besitzt einen Doppelschleifen-Stahlrahmen, der wie ein Starrrahmen aussieht, weil die Hinterradfederung unter der Sitzbank liegt. Der Tank ist ebenfalls der R 5 nachgeahmt und wurde historisch korrekt schwarz lackiert sowie mit zwei weißen Zierstreifen in unterschiedlicher Breite umrandet. Historisch korrekt lässt BMW die Kardanwelle der R18 zwar offen rotieren. Die Antriebswelle der BMW R 5 benötigte wegen ihres Starrrahmens jedoch noch kein Kardangelenk. Ihr genügte eine einfache Hardyscheibe, die von einem hübsch verchromten Stahlring gefasst war.

Auf einen Schwingsattel wie auf der R 5 verzichtete BMW in der Serienausführung der R18, es gibt ihn aber gegen Aufpreis. Dafür platzierten sie den Solo-Sattel aber cruisergerecht niedrig in nur 690 Millimeter Höhe. Die Gabel wurde ganz im Stil der frühen BMW-Motorräder mit zwei Hülsen aus Stahlblech verkleidet. Der Lenker ist maximal breit, der große, runde Scheinwerfer mit modernem LED-Leuchtmittel bestückt. Darüber zeigt sich ein nach dem Vorbild der R 5 gestalteter Tacho. Die Geschwindigkeit wird analog auf einem schwarzen Ziffernblatt angezeigt, doch es findet sich ein kleines Fenster mit einer LCD-Anzeige und darunter der Schriftzug „Berlin Built“.

Ihre beiden Auspuffrohre mit dem Stammdurchmesser einer soliden bayerischen Kiefer tragen Fishtail-Endstücke wie die R 5. Über die Ästhetik lässt sich streiten, sie verlagern jedenfalls optisches Gewicht weit nach hinten. Vor allem aber verdeckt der rechte Auspufftopf unnötig den Blick auf den wunderschönen, offen laufenden Kardanantrieb. BMW bietet im hauseigenen Zubehör zwei deutlich schlankere Auspufftöpfe an, wahlweise in schwarz oder chrom.

BMW verkauft die R 18 zunächst als „First Edition“ ausschließlich in metallic schwarz mit viel Chrom an Motor, Auspuff und Lenker. Auf die üppigen Elektronik-Pakete anderer Modelle verzichtet BMW, spendiert der R 18 aber serienmäßig ABS, automatische Stabilitätskontrolle, Motor-Schleppmoment-Regelung, Keyless Entry und drei Fahrmodi mit den Namen „Rain“, „Roll“ und „Rock“. Als Cruiser verfügt sie über einen langen Radstand von 1731 Millimeter, einen großzügigen Nachlauf von 150 Millimeter und einen flachen Lenkkopfwinkel von 57,3 Grad.