BMW i Hydrogen Next: H2-Auto auf X5-Basis kommt 2022

BMW kündigt mal wieder eine Flotte aus H2-Autos an. Man will das Thema, anders als der Entwicklungspartner Toyota, offenbar auf kleiner Flamme weiterbetreiben.

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Der BMW i Hydrogen Next ist ein umgebauter BMW X5, anders hätte die Technik nur schlecht unters Blech gepasst.

(Bild: BMW)

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Die Idee eines Wasserstoff-Elektroautos ist nicht neu, seit den 1970er-Jahren arbeiten die Entwickler daran. Seit einigen Jahren sei die Brennstoffzelle im Auto serienreif, heißt es immer wieder. Doch abgesehen von Kleinserien ist davon bisher so gut wie nichts auf der Straße. Während etwa Volkswagen die Brennstoffzelle auf lange Sicht nicht im PKW sieht, bringt BMW in zwei Jahren eine neue Testflotte an den Start. Nicht die erste.

BMW kündigt an, 2022 eine Flotte aus umgerüsteten BMW X5 namens "i Hydrogen Next" einzusetzen. An ein Serienfahrzeug hingegen ist bis Mitte des Jahrzehnts nicht gedacht. Denn "aus unserer Sicht muss Wasserstoff als Energieträger zunächst in hinreichenden Mengen, mit grünem Strom und zu wettbewerbsfähigen Preisen produziert werden", sagt BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich, "Wasserstoff wird dann vor allem in Anwendungen eingesetzt werden, die nicht direkt elektrifizierbar sind, also etwa im Schwerlastverkehr auf der Langstrecke." Solche Zugmaschinen werden dann aber eher nicht von BMW erwartet. Erst kürzlich hat aber BMWs H2-Entwicklungspartner Toyota mit seiner Lkw-Sparte Hino einen Vertrag über den Bau eines H2-getriebenen Lkw geschlossen.

"Beim Antriebssystem des BMW i Hydrogen Next erzeugt das Brennstoffzellensystem bis zu 125 kW elektrische Energie, die aus der chemischen Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff aus der Luft gewonnen wird", erklärt Jürgen Guldner, Leiter BMW Brennstoffzellen-Technologie. Die Systemleistung des "i Hydrogen Next" liegt bei 275 kW. Dann liefern Batterie und Brennstoffzelle gleichzeitig Strom an den Antriebsmotor.

BMW i Hydrogen Next: H2-Auto für 2022 in Kleinserie auf X5-Basis (7 Bilder)

Der Blick Richtung Hinterachse zeigt die beiden Tanks und ganz hinten den Antrieb, darüber einen Teil der Leistungselektronik.
(Bild: BMW)

Der elektrische Wandler, der sich im "i Hydrogen Next" unterhalb der Brennstoffzelle befindet, passt das Spannungsniveau an die des elektrischen Antriebs sowie der Leistungspuffer-Batterie an. Ähnlich einem Grundlastkraftwerk kann die Brennstoffzelle ihre Leistung nicht kurzfristig genug hoch- und wieder herunterregeln, um den wechselnden Leistungsanforderungen gerecht zu werden. Ein fester Stromspeicher ist daher Bestandteil jedes Brennstoffzellenautos, um die Bedarfsspitzen des Antriebs zu decken und Bremsenergie zurückgewinnen zu können.

Insgesamt sechs Kilogramm Wasserstoff fassen die beiden 700-bar-Tanks. Guldner: "Dies garantiert große Reichweiten bei allen Wetterbedingungen. Der Tankvorgang nimmt nur drei bis vier Minuten in Anspruch". Um beides einmal einzuordnen: Schnell tanken funktioniert nur unter idealen Bedingungen so schnell. Hat beispielsweise direkt vorher jemand H2 getankt, dauert es länger. Was die "großen Reichweiten" angeht, haben wir bereits Erfahrung: Der vergleichbare Mercedes-Benz GLC F-Cell (Test), den wir ausführlich testen konnten, verbrauchte bei uns bei Richtgeschwindigkeit etwa 1,5 Kilogramm auf 100 km. Güldners Anspielung mit dem Wetter zielt Richtung Batterietechnik, bei der die Außentemperatur ein nennenswerter Parameter der Reichweite ist.