Bastlerhit für Liebhaber: Tesla Roadster

Die erste Generation des Tesla Roadster setzte Öko-Fundis auf Speed. Seitdem treibt der amerikanische Hersteller viele Konkurrenten vor sich her.

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Teslas Roadster war nie mehr als eine Image-Trägerrakete.

(Bild: Tesla)

Von
  • Christian Domke Seidel

Dieser Artikel ist Teil einer Serie, in der es um spannende automobile Vorkämpfer geht, die drohen in Vergessenheit zu geraten. Denn meist war ihr Mut nicht von Erfolg gekrönt.

Teil 1: Der Blitz, den niemand wollte: Audi duo, erster Hybrid auf dem Markt

Teil 2: Nichts war Roger: General Motors erstes Elektroauto EV1

Teil 3: Das Gegenteil von Diesel: Volvo V60 Diesel-Plug-In-Hybrid

Teil 4: Applaus den Gründervätern: Mitsubishi i-MiEV, Peugeot iOn & Citroën C-Zero

Achtung, Gefahr von Schnappatmung: Tesla wurde nicht von Elon Musk gegründet! Sondern von Marc Tarpenning und vor allem Martin Eberhard, seines Zeichens Elektroningenieur. Der hatte 2003 die Idee, dass sich handelsübliche Handyakkus – immerhin milliardenfach erprobt – aneinanderkoppeln ließen, um damit ein Auto mit Elektromotor anzutreiben. Daraufhin sammelte er Risikokapitalgeber ein. Larry Page, Sergey Brin (die Google-Gründer) und Jeff Skoll (Ebay) waren genauso darunter wie Elon Musk.

Und fertig war der Tesla Roadster der ersten Generation. Also fast. Die praktische Umsetzung der Idee basiert auf dem T-Zero. Ein Elektroauto-Konzept der Firma AC Propulsion. Tesla benötigte anschließend drei Jahre Entwicklungszeit, um eine Silicon-Valley-Idee an den Widerständen der Realität vorbei auf die Straße zu bringen. Mitte 2006 präsentierten die Amerikaner dann den Tesla Roadster.

Kern des Fahrzeugs sind 6831 Akkus, die in 621 Zellen vereint wurden, satte 53 kWh bereitstellen und 450 Kilogramm wiegen. Das Paket ist direkt hinter dem Fahrer positioniert. Der Motor, der daraus seinen Saft zieht, kaum größer als ein Schuhkarton. An dieser Stelle wird es spannend. Denn das Silicon Valley hatte es geschafft, ein irrsinniges Batteriemanagement auf die Beine zu stellen. Drum herum aber ein fahrbares Auto zu schrauben, das kriegten sie verständlicherweise nicht hin. Zum Glück war Lotus gerade mehr oder weniger pleite. So wie eigentlich immer in der Geschichte der Marke.

Dankbar nahmen die Engländer den Entwicklungsauftrag an. Sie kennen sich mit kompromissloser Sportlichkeit aus. Tesla dürfte es aber vor allem darum gegangen sein, das Fahrzeug simpel zu halten. Eine vergessene Kunstform, die mittlerweile kaum ein Hersteller beherrscht. Ein No-Nonsense-Racer musste her, bei dem es in erster Linie darum ging, Erfahrungen mit dem reinen Elektroantrieb und Batterie-Set zu sammeln.

Tesla Roadster (3 Bilder)

Der Tesla Roadster der ersten Generation pushte das Image der Marke in unendliche Weiten.
(Bild: Tesla
)

Angeblich stammen nur sieben Prozent der Teile des Tesla Roadster aus der Lotus Elise. Kein Wunder. Das Setup ist zu diesem Zeitpunkt etwas Revolutionäres. Wäre die Basis nicht mehr als eine Wiedergeburt von Elise oder Evora gewesen, wäre das Konzept zum Scheitern verurteilt gewesen. Dennoch setzen Tesla und Lotus natürlich auf Bewährtes: Doppelquerlenker vorne wie hinten, innenbelüftete Scheibenbremsen rundum und Alu-Kohlefaser-Leichtbau obendrüber. Karosserie und Chassis exportierte Lotus dann zur Veredelung nach Kalifornien.

Das Ergebnis war, zurückhaltend formuliert, der totale Wahnsinn. Denn auf der Straße stand ein Drei-Sekunden-Auto. Also eines, dass den Paradesprint auf Tempo hundert in unter vier Sekunden schafft. Der Fahrer sitzt dabei in einem Schalensitz nur wenige Zentimeter über dem Asphalt. Umgeben von gebürstetem Aluminium und ein wenig Leder.

Natürlich sticht jeden Piloten in so einer Umgebung der Hafer. Der Tritt aufs Gaspedal entlädt 250 PS, die schlanke 1220 Kilogramm vorwärts blasen müssen. Ein Leichtgewicht in der Elektroautowelt. 380 Nm liegen ab der ersten Umdrehung parat. So leicht kann es sein. Der Tesla Roadster der ersten Generation trat dir nicht ins Kreuz, er verpasste dir einen Bodycheck. Elektroauto fahren als Vollkontaktsport. Ganz Lotus eben.

Was nach dem Albtraum aller Ökofundamentalisten klingt, war nichts weniger als die Verheißung auf eine PS-getränkte Welt ohne Benzin. Eine Umweltrevolution auf Speed. Der Tritt aufs Fahrpedal zerzauste dem Fahrer (bei offenem Dach) die Haare. Und sonst? Nichts. Stille. Ein Surren, ein Summen, Abrollgeräusche. Geneigte Sportwagen-Aficionados kriegen diese Fülle an Eindrücken und fehlenden Eindrücken bei der ersten Ausfahrt gar nicht verarbeitet.

Über Nacht wurde Tesla zur totalen It-Marke der Reichen und Schönen. Wer jemand sein wollte, musste einen haben. George Clooney bekam einen, Arnold Schwarzenegger auch. Ein Video, in dem zu sehen ist, wie sich Arnie in seinen rein- und wieder rauszwängt, gibt es leider nicht. Der Rest der Welt ging quasi leer aus. Zwischen 2008 und 2012 wurden gerade einmal 2450 Stück gebaut. 1800 davon blieben in den USA. Stückpreis hierzulande: 89.000 Euro.

Doch der Roadster war nie mehr als eine Image-Trägerrakete. Was auch der Marketing-Coup beweist, bei dem Elon Musks Weltraumraketenfirma SpaceX ein Modell des Tesla in eine Umlaufbahn um die Sonne geschossen hat. Mit dem Ende der Roadster-Produktion begann die Auslieferung der Elektro-Limousine Model S. Ende des Jahres 2021, wohl aber eher 2022, soll ein zweiter Tesla Roadster auf den Markt kommen. Neuer Superlativ: eine Spitzengeschwindigkeit von rund 400 Kilometern pro Stunde.

(fpi)