Biegsamer Bildschirm zieht in die Schlacht

Die US-Armee erprobt flexible Vollfarbdisplays, die Soldaten am Arm tragen könnten.

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Von
  • Ben Schwan
  • Katherine Bourzac

Die US-Armee erprobt flexible Vollfarbdisplays, die Soldaten am Arm tragen könnten.

Das amerikanische Militär testet einen biegsamen Farbbildschirm, der bei Kampfeinsätzen genutzt werden soll. Das Display lässt sich um den Ärmel von Hemd oder Pullover tragen und könnte auch in späteren Versionen in die Uniform eingenäht werden.

Die Technik der US-Firma Universal Display, die vom südkoreanischen Anbieter LG Display endgefertigt wird, setzt auf effiziente organische Leuchtdioden. Die sind besonders dünn und sollen ausreichend robust sein. Die Bildschirmdiagonale von 4,3 Zoll liegt dabei etwas über der moderner Smartphones. Ziel des Projektes ist es, Soldaten im Feld stets mit neuesten Informationen zu versorgen, ohne dass sie zusätzliche Bildschirmgeräte tragen müssen, wie das bislang der Fall ist. Zum Datenabruf und Kontakt zum Hauptquartier reicht ein Blick auf den Arm, wie man es sonst nur von einer Uhr kennt.

Der OLED-Bildschirm von Universal Display kann im Gegensatz zu anderen biegsamen organischen Displays auch Videos darstellen, seine Schaltgeschwindigkeit reicht dazu aus. Im Projektversuch nutzten Soldaten das Gerät, um Bilder unbemannter Dronen zu sichten. Im Vergleich zu OLEDs der ersten Generation liegt die theoretische elektrische Effizienz bei 100 Prozent, ältere OLEDs wandelten nur 25 Prozent der elektrischen Energie in Licht um. Möglich macht dies ein neuartiges phosphoreszierendes Material, das Universal Display entwickelt hat.

Noch ist allerdings unklar, ob neben dem Militär auch der normale Endkunde in den Genuss der Technik kommt. Nicholas Colanerie, Bildschirmexperte an der Arizona State University, lobt zwar die Prototypen. "Doch nur weil man es umsetzen kann, heißt das noch lange nicht, dass man sich das leisten kann." In der Tat gibt Universal Display derzeit noch keine Tarife für seine Technik an, was dafür spricht, dass sie zunächst hochpreisig bleibt.

Ein Problem besteht außerdem noch bei der Ansteuerungselektronik. Die üblichen Transistoren aus amorphem Silizium werden von den für die OLEDs notwendigen Strömen zu stark belastet, was zu einer verringerten Haltbarkeit führt. Das kanadische Start-up Ignis Innovation hat deshalb eine Software entwickelt, die sicherstellen soll, dass kein einzelner Bildpunkt zu oft angesteuert wird. Alternativ lässt sich auch Elektronik auf Metall-Silizium-Basis nutzen. Im Prototypsystem der US-Armee soll sie stecken. (bsc)