Bildung: Digitale Schule auf dem Irrweg

Deutsche Schulen sollen im Eiltempo digitalisiert werden. Ob das wirklich eine gute Idee ist? Der Blick in die USA zeigt, wo Probleme liegen.

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(Bild: Illustration: Emily Haasch)

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Ein Grundschul-Klassenzimmer in Washington D.C. Die meisten der Sechsjährigen sitzen vor Tablets. Sie sollen sich selbstständig mit mathematischen Problemen auseinandersetzen, während der Lehrer intensiv mit einer kleinen Gruppe arbeitet. Ein Junge, nennen wir ihn Kevin, starrt auf seinen Bildschirm. „Addiere 8 und 3“, verlangt das Tablet.

Er kann nicht so gut lesen, also drückt er den „Vorlesen“-Knopf. Wieder und wieder. Ohne danach eine Antwort zu geben. Er versteht das Wort „addieren“ nicht. Auf den Monitoren der anderen Kinder stehen Anweisungen wie: „Runde 119 auf den nächsten Zehner“ und „Finde die Fläche des Dreiecks in den Quadraten wieder“. Wenn ein Kind das Wort addieren nicht versteht, verstehen die anderen dann Wörter wie runden und Quadrat?

An den meisten US-Schulen ist die digitale Welt längst Realität. In einem Bericht des Meinungsforschungsinstituts Gallup gaben 89 Prozent der Schüler an, mehrere Tage pro Woche digital unterrichtet zu werden. 96 Prozent der Schul- und Schulbehördenleiter sowie 85 Prozent der Lehrer unterstützten den „verstärkten Einsatz digitaler Lernwerkzeuge in ihrer Schule“. Dabei ist völlig unklar, ob die Programme überhaupt als Lehrmittel geeignet sind. Neue Studien legen sogar nahe, dass sie gerade die Probleme lernschwacher Schüler noch viel größer machen. Eine Begeisterung ohne Datengrundlage also. Das scheint zumindest einem Teil der Lehrenden durchaus bewusst zu sein. Auf die Frage, ob „viele Informationen über die Wirksamkeit“ der verwendeten digitalen Tools zur Verfügung stehen, antwortet nur etwa ein Viertel mit „Ja“.

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