Biotech: Covid-19-Antikörper als Medikament

Seit Beginn der Corona-Pandemie suchen Forscher im Blut von Geheilten nach Waffen gegen das Virus. Nun begannen klinische Studien für ein Antikörper-Medikament.

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(Bild: Selman Design)

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TR 7/2020

Die Blutprobe traf am 25. Februar per Kurier in Vancouver ein. Unscheinbar, aber für die Wissenschaftler des Biotechnologie-Unternehmens AbCellera kostbar. Das Blut stammte von einem männlichen Covid-19-Überlebenden aus den USA und strotzte nur so vor Waffen des Immunsystem, die der Mann als Antwort auf die Krankheit gebildet hatte. Dazu gehören Antikörper, die das neue Coronavirus abfangen und daran hindern, weitere Zellen zu infizieren. Und sie schützen den Mann wahrscheinlich davor, sich erneut mit dem Virus anzustecken.

Die Idee von AbCellera und anderen Firmen – zu denen etwa Berkeley Lights, GenScript, Regeneron Pharmaceuticals und VIR Biotechnology gehören – ist, aus diesen Antikörpern Überlebender ein Medikament zu entwickeln, dass das Virus abfangen kann und sich in Massen herstellen lässt. Die Hoffnung: Zum einen könnte es schwer kranken Patienten helfen, sich gegen die Infektion zu wehren. Zum anderen ließen sich therapeutische Antikörper als eine Art Not-Impfstoff einsetzen. Sie schützen zwar nicht so lange wie ein Impfstoff, der das Immunsystem dazu bringt, selbst Antikörper zu bilden. Aber da sie wochen- oder sogar monatelang im Blut einer Person verbleiben, könnten sie etwa das Gesundheitspersonal zumindest eine Zeit lang vor einer Infektion bewahren.

Einige Krankenhäuser warten nicht auf die Forschungsergebnisse der Biotech-Unternehmen, sondern sammeln Blut von Überlebenden und transfundieren das Blutplasma besonders schwer kranken Patienten direkt. Bereits im Januar haben chinesische Ärzte diese Art "Rekonvaleszenz-Serum" als Notfallbehandlung mit vielversprechenden Ergebnissen ausprobiert. Diese Therapie ist allerdings nicht ideal, da Spenderserum eine bunte Mischung aus Antikörpern in jeweils kleinen Mengen enthält und nicht so wirksam ist wie ein optimiertes Medikament. Michel Nussenzweig, Immunologe an der Rockefeller-Universität, sind diese Direkttransfusionen aber noch aus anderen Gründen ein Dorn im Auge. Spenderblut sei als Antwort auf Covid-19 "nicht skalierbar". Wer das Blut von Patienten direkt einsetze, vergebe die Chance, spezifisch wirksame Antikörper zu finden, die in konzentrierter Form hergestellt werden können, sodass "wir sie vielen Menschen zur Verfügung stellen können". Also verschickte die Rockefeller-Universität in New York Mitte März eine E-Mail, in der es hieß: "Haben Sie sich von der Coronavirus-Infektion erholt? Wenn ja, dann brauchen Wissenschaftler Ihre Hilfe!" Das Zentrum bot eine "Entschädigung" für alle über 18 Jahren an. Nur Tage später veröffentlichten die National Institutes of Health (NIH) ebenfalls einen Aufruf.

(jsc)