Bitcoin an der Grenze

Befürchtet worden war es schon länger: Das digitale Währungssystem Bitcoin hat seine Kapazitätsgrenze für die Verarbeitung von Transaktionen erreicht. Lösen lässt sich das Problem mit Geld – oder mit einer radikalen Überarbeitung.

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Von
  • Tom Simonite

Befürchtet worden war es schon länger: Das digitale Währungssystem Bitcoin hat seine Kapazitätsgrenze für die Verarbeitung von Transaktionen erreicht. Lösen lässt sich das Problem mit Geld – oder mit einer radikalen Überarbeitung.

Seit mittlerweile mehr als einem Jahr streiten sich Leute, die Bitcoin nutzen oder daran arbeiten, über ein nahendes Problem, das laut einigen führenden Entwicklern das gesamte System scheitern lassen könnten. Anfang März ist dieses Problem sehr real geworden: Einige Nutzer mussten feststellen, dass Bitcoin-Geld gestrandet ist, nachdem sie versucht hatten, es zu verschicken.

Das Problem liegt im Grunddesign von Bitcoin, das mit seinem dezentralen Netzwerk aus Computern rund um die Welt maximal sieben Transaktionen pro Sekunde ermöglicht. Genau diese Kapazitätsgrenze wurde Anfang März erreicht, so dass ein Rückstau von nicht verarbeiteten Transaktionen entstand. Noch wird darüber diskutiert, ob es von selbst dazu kam oder gezielt herbeigeführt wurde, um Bitcoin Probleme zu bereiten.

Am 3. März standen rund 30.000 Bitcoin-Transaktionen in der Warteschlange. Einige davon werden viel früher verarbeitet werden als andere.

Denn um eine bevorzugte Verarbeitung zu erreichen, ist es möglich, in Bitcoin-Transaktionen eine Gebühr dafür vorzusehen. Zum Teil schlägt Bitcoin-Software dies automatisch vor oder legt selbst eine Gebühr fest. Wer andere Software verwendet, muss jedoch warten. Einzelne Bitcoin-Nutzer und -Unternehmen berichteten, dass Transaktionen, die nur Minuten dauern sollten, viele Stunden oder sogar Tage in Anspruch nahmen.

An die Spitze der Schlange zu kommen, ist nicht besonders teuer: Laut einem Online-Rechner des Bitcoin-Unternehmens 21 Inc. reichen bei einer durchschnittlichen Transaktionen umgerechnet 7 US-Cent für eine schnelle Verarbeitung aus.

Trotzdem bleibt das feste Kapazitätslimit von Bitcoin ein bedeutendes Problem. Eine Notfall-Maßnahme zur Behebung ließe sich in wenigen Monaten umsetzen, doch die bringt nur wenig zusätzliche Kapazität. Eine aktuelle Untersuchung des Bitcoin-Designs kommt zu dem Schluss, dass das System eine radikale Überarbeitung braucht. Denn bislang liege noch kein Vorschlag vor, der zuverlässig dafür sorgen würde, dass Bitcoin auch im sehr großen Maßstab funktioniert.

(sma)