Erderwärmung um 1,5 Grad könnte noch verhindert werden

Neuen Berechnungen zufolge besteht die Chance, den Klimawandel abzumildern – aber nur, wenn bald gehandelt wird.

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Kraftwerk, hier in Katowice.

(Bild: "Elektrocieplownia Katowice" / Michal Bulsa / cc-by-sa-3.0)

Von
  • James Temple

Eine neue Studie zeigt, dass es der Welt durchaus noch möglich wäre, das Ziel der Pariser Klimakonferenz einzuhalten, nämlich unter 1,5 Grad Celsius globaler Erwärmung zu bleiben. Das Problem: Die Chancen, dass das klappt, sind wohl eher gering.

Würde die Menschheit sofort damit beginnen, alle Infrastrukturen aus dem Bereich fossiler Brennstoffe zum Ende ihrer Lebenszeit in Rente zu schicken – also alle Kohlekraftwerke, Flugzeuge und CO2-ausstoßenden Fabriken, läge die Wahrscheinlichkeit, unter 1,5 Grad zu bleiben, bei 64 Prozent. Das steht so in einem Paper, das Forscher der Universitäten Oxford und Leeds zusammen mit weiteren Partnerorganisationen in dieser Woche in "Nature Communications" publiziert haben. Bei diesem Szenario müsste die Welt jedoch all diese Anlagen und Maschinen durch Alternativen ersetzen, die null Kohlendioxid ausstoßen, also etwa Solaranlagen oder E-Autos.

Die Studie untersucht insbesondere die Auswirkungen unserer gesellschaftlichen Entscheidungen ab dem heutigen Zeitpunkt. Dabei wird die tatsächlich Nutzbarkeit aktueller Güter einberechnet, die CO2 ausstoßen. Würden wir bis 2030 warten, damit aufzuhören, weitere in Betrieb zu nehmen, wären die Chancen signifikant höher, die besagten 1,5 Grad Celsius zu überschreiten – und zwar selbst dann, wenn wir zu diesem Zeitpunkt klimaunfreundliche Verkehrsmittel und Anlagen frühzeitig in die Rente schicken.

Ein Manko hat die Studie: Die Frage, ob es überhaupt möglich ist, die Entwicklung neuer Infrastrukturen, die CO2 ausstoßen, zu unterlassen, wird nicht beantwortet. Dabei wäre dies sehr schwer. Aktuell ist zudem das Gegenteil der Fall: Es werden weiterhin fleißig Kraftwerke, Autos und andere Maschinen hergestellt, die klimaunfreundlich arbeiten. Und das wird noch viele Jahre so bleiben.

Da wären zum Beispiel chinesische Firmen, die planen, Hunderte neuer Kohlekraftwerke auf der ganzen Welt zu errichten – oder bereits dabei sind, wie die "New York Times" erst im letzten Jahr schrieb. Indien steckt Milliarden in Kohelverbrenner. Unterdessen stellen elektrische Fahrzeuge in den Vereinigten Staaten beim Verkauf von neuen Automobilen die absolute Ausnahme dar, die wirkliche Nachfrage liegt bei spritschluckenden SUVs und Pick-up-Trucks.

Hinzu kommen Sektoren der Wirtschaft, die viel zum Klimagasausstoß beitragen, aber noch nicht über saubere Alternativen verfügen. Dazu gehören die Luftfahrt ebenso wie die Landwirtschaft und die Zement- und Stahlproduktion. Diese werden in den Mittelpunkt rücken, sollte CO2 aus anderen Branchen eines Tages tatsächlich verbannt sein.

Entsprechend kann man die Oxford- und Leeds-Studie nur zum Teil als motivierenden Faktor interpretieren. Ja, klar, es ist theoretisch möglich, dass wir unter den 1,5 Grad Celsius Erderwärmung bleiben. Doch nein, die Wahrscheinlichkeit ist nicht sehr groß. Stattdessen zeigen die Forscher, dass die Gefahr eher wächst als sinkt – und das liegt auch an den aktuellen politischen, wirtschaftlichen und technischen Umständen.

Dabei ist die Untersuchung nicht einmal die negativste. Andere Forscher sprechen davon, dass schon der Weiterbetrieb der bisherigen Energieinfrastruktur ausreicht, einen katastrophalen Klimawandel auszulösen. Soweit gehen Oxford und Leeds nicht.

Doch egal ob es nun zu 1,5, 2 oder gar 3 Grad Erderwärmung kommt, die wichtige Botschaft bleibt: Je schneller wir uns von fossilen Energieträgern abwenden, desto stärker können wir auch die potenziellen Schäden durch den Klimawandel eindämmen.

(bsc)