Bringt Social Distancing die Motorradläden um ihre Existenz?

Den Motorradhandel trifft die Corona-Pandemie hart, denn er verkauft im März die meisten Bikes. Doch die Läden bleiben bis mindestens 20. April geschlossen.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 18 Beiträge

(Bild: Ducati sitzt in Bologna und damit praktisch im europäischen Zentrum der Katastrophe. An Produktion denkt hier niemand.)

Von
Inhaltsverzeichnis

Motorradhändler in Deutschland verkaufen die meisten Motorräder traditionell im März, kurz vor Frühlingsbeginn. Bis August nimmt die Verkaufskurve dann stetig ab, ab September passiert nicht mehr viel. Motorradhändler sind wesentlich mehr als die Autobranche von der Saison abhängig. Was sie während der Flaute-Zeit im Winter nicht verdienen, müssen sie während der warmen Monate reinholen, um den Betrieb am Laufen zu halten. Angestellte, Lager- und Ladenmiete, alle Waren und vor allem die beim Importeur georderten Motorräder müssen bezahlt werden. Jedes im Laden stehende Bike, das nicht verkauft ist, stellt für den Händler eine Belastung dar.

Viele Motorradhändler – schon in den letzten Jahren nicht gerade auf Rosen gebettet – fürchten nun um ihre Existenz: Zum einen muss aufgrund der Corona-Pandemie das Ladenlokal wegen des „social distancing“ geschlossen bleiben, nur die Werkstatt darf weiter arbeiten, da sie als für die Grundversorgung relevanter Betrieb gilt. Zum anderen stehen bei vielen Motorradherstellern die Bänder still. Alle italienischen Hersteller, unter anderem Ducati, Aprilia, Moto Guzzi und Vespa produzieren zurzeit nicht. Das Gleiche gilt für KTM in Österreich, Harley-Davidson in den USA und BMW in Berlin.

Motorradhändler fürchten um Existenz (5 Bilder)

Im BMW-Werk in Berlin-Spandau steht seit dem 20. März die Motorrad-Produktion still und bleibt es bis mindestens 19. April. Ob es danach weitergeht, ist noch offen.

Wann die Produktion wieder beginnen darf, hängt von den jeweiligen Landesregierungen ab und die warten mindestens bis nach Ostern ab. Lediglich in Japan laufen einige Motorradwerke noch, sofern nicht Zuliefererketten aus dem Ausland unterbrochen wurden. Einige japanische Modelle werden aber gar nicht in Nippon gebaut, so entsteht die neue Yamaha Ténéré 700 (Test) zum Beispiel in einem Werk in Frankreich, wo ebenfalls alles still steht.

Viele Händler bekommen also zurzeit keine neuen Motorräder geliefert. Käufer, die ihr Motorrad bereits vor der Pandemie bestellt haben, wissen nicht, wann sie ihr Bike in Empfang nehmen können. Kunden, die sich für ein bestimmtes Modell interessieren, können es nicht vorher probefahren oder auch nur vor Ort begutachten. Erlaubt ist zwar der Verkauf online oder per Telefon, aber welcher Motorradfahrer will die Katze im Sack kaufen? Außerdem haben die Zulassungsstellen ebenfalls geschlossen, so dass das neu erworbene Motorrad nicht angemeldet und gefahren werden kann.

Je länger die Kontaktsperre anhält, desto mehr Motorradhändler werden in die Pleite getrieben, denn auch mit Kurzarbeit werden sie sich nicht lange über Wasser halten können. Sie können zwar – je nach der Anzahl der Angestellten – von der Bundesregierung Hilfen bis zu 15.000 Euro beantragen, aber wie lange reicht die Summe für den Betrieb? Es gibt gängige Motorradmodelle, die weit mehr als 15.000 Euro kosten ...