Buchbinden für Maker – mit Haushaltsmaterialien

Broschüre: Richtig ausschießen

Inhaltsverzeichnis

Das richtige Ausschießen einer PDF-Datei kann eine Wissenschaft sein und gehört (leider) zum professionellen Druck dazu. Das bedeutet, dass für den Druck von Seiten eines Buchs die Seiten nicht einfach von vorne nach hinten auf aufeinander folgende Blätter gedruckt werden können: Bücher werden in kleine Unterblöcke Papier unterteilt (die Bögen, das hatten wir ja schon), mehrere Bögen werden ineinander gelegt und zu Blöcken gebunden und dann werden alle Blöcke miteinander verbunden. Die Druckbögen werden gefaltet und haben eine Vorder- und Hinterseite, also vier Seiten pro Bogen. Der Computer kann uns zum Glück ausrechnen, wie die im Duplexdruck angeordnet sein müssen. So muss man sich nicht immer selbst den Kopf zerbrechen.

Broschüre-Druck-Funktion vom Adobe Acrobat-PDF Reader

Der PDF-Viewer Adobe Acrobat Reader hat dafür eine Funktion: Im Druckmenü gibt es mittig rechts den Reiter Broschüre. Die zwei kleinen Kacheln darunter regeln alles Wichtige. Wenn man sie verstanden hat, kommt man schnell zu einem guten Ergebnis. Allerdings gibt es einige Fehlerquellen. Rechts daneben ist ein kleines Vorschaufenster, das schnell zeigen kann, ob die Einstellungen das bewirken, was sie sollen.

Ein Fehler der mich etwas Zeit gekostet hat: Wenn man ein Publishing-Programm zum Erzeugen der Druck-PDF verwendet, gibt es die Option, die Seiten als Seiten oder als Doppelseiten auszugeben. Wenn die PDF bereits Doppelseiten hat und die Broschürefunktion auch nochmal Doppelseiten auf einen Bogen setzt, führt das zu viel zu vielen Seiten auf wenig Raum – und man sieht nicht direkt, wieso. Also, an die InDesign-Profis unter euch: Seiten und nicht Druckbögen exportieren! Die Kästchen Blätter von und Bindung: waren bei mir immer automatisch richtig ausgefüllt. Also am besten so lassen. Die Ausrichtung kann wieder zu Verwirrung führen, muss sie aber nicht. In meinem Fall war Hochformat richtig. Und nicht das Häkchen darunter vergessen: Duplex drucken! Sonst druckt man die schönen Farbseiten umsonst. Ich habe direkt mehrere Broschürendrucke gestartet und immer ca. vier Bögen zu einem Block gebunden.

Das Falzbein

Falzbein in Aktion. Werkzeug für Papierverarbeitung.

Jetzt möchte ich etwas Èxperimentelles ausprobieren: Kann man Papier mit einer Nähmaschine nähen? Meine letzten Versuche, eine Fadenbindung per Hand zu machen, waren nicht sonderlich erfolgreich, weil ich nicht geschickt oder geübt genug war, eine gute Fadenspannung beim Verknoten zu halten. Das möchte ich mir von meiner Nähmaschine abnehmen lassen.

Ich nehme also meine vier zueinander gehörenden Blätter einer Broschüre und knicke sie genau mittig. Dafür benutzen Profis ein sogenanntes Falzbein. Das ist natürlich nicht zwingend notwendig, man kann auch einfach einen Fingernagel benutzen oder ein Lineal. Dann lege ich die Seiten in der richtigen Reihenfolge ineinander. Vorsicht: Auch auf Vorder- und Rückseite achten.

Mit den aufgeschlagenen Bögen geht es dann an die Nähmaschine. Ich habe eine simple Freiarmmaschine, ohne Computer und Hightech. Bevor ihr die Maschine eures Lebenspartners für Experimente ausleiht – fragt vielleicht lieber. Bei mir hat es gut funktioniert, Papier zu vernähen ist aber bestimmt nicht vom Hersteller vorgesehen. Vor dem Nähen kontrolliert man am Besten, was für eine Nadel eingelegt ist. Ich habe eine mittel-dicke Organ Universalnadel und normales weißes Nähmaschinengarn verwendet.

Papier unter dem Nähmaschinenfüßchen

Die Falz diente mir als Orientierungslinie – denn das Papier ist so groß, dass alle Orientierungslinien an der Maschine verdeckt werden, die man sonst verwendet, um eine gerade Strecke zu nähen. Beim späteren Zusammennähen der Blöcke zeigte sich, dass man wesentlich besser mit den Blöcken arbeiten kann, wenn man ganz exakt mittig genäht hat. Für die ersten Stiche empfehle ich, den Beginn der Pfalz mit einem Bleistift zu markieren. Der Beginn ist unter dem Füßchen sehr schwer zu sehen. Wenn man am Nähen ist, ist es dann einfacher, die gerade Linie zu halten.

Am Anfang und Ende verriegle ich. Anders als bei Stoff, wird das Papier durch die Nadel perforiert. Die Fasern des Stoffes können einfach zurück in die ursprüngliche Position springen, das kann das steife Papier natürlich nicht. Aber ich kann die winzigen Löcher gut akzeptieren. Vor allem, weil das Ergebnis so viel exakter wird, als eine Handnaht. Der Transport des Papiers funktioniert auch nicht ganz so gut wie mit Stoff. Ich habe eine maximale Stichlänge von vier eingestellt und mit einer sehr hohen Fadenspannung von neun gearbeitet. Das ist wirklich sehr hoch und ich wäre mit der Spannung nicht zufrieden gewesen, wenn mein Material Stoff gewesen wäre. Aber auf Papier hat es relativ gut funktioniert. Das Ergebnis kann man auf den Fotos auf der nächsten Seite sehen.