Buchbinden für Maker – mit Haushaltsmaterialien

Kleben mit Gewebe

Inhaltsverzeichnis

Zweischichtige Webware, die ich noch übrig hatte. Ich trenne sie um zu testen, welche sich als Verstärkung des Buchrückens am Besten eignet.

Die beiden Gewebe mit Kleber im Test: Das Helle mit Pritt Bastelkleber, das Grüne mit Uhu Alleskleber

Um die Fadenbindung zu verstärken, möchte ich Gewebe mit Kleber am Buchrücken anbringen – die Verstärkung kann man oft bei alten Büchern entdecken, wenn sie sprichwörtlich "aus dem Leim gehen".

Natürlich gibt es professionellen Buchbindeleim. Den habe ich aber gerade nicht zur Hand, also wie ersetzen? Man möchte idealerweise einen durchsichtigen und flexiblen Kleber, so wie Pattex. Den habe ich aktuell aber auch nicht in meinem Haushalt. Also habe ich mich einfach wild durch meinen Klebervorrat experimentiert.

Profis benutzen zum Verstärken des Buchrückens säurefreies Leinengewebe. Das gibt es bereits wie Klebeband auf der Rolle in vielen Farben bei Kunstbedarf-Läden wie Bösner und Gerstaecker zu kaufen. Aber man kann auch anderes Gewebe, wie Gaze, benutzen. Ich hatte natürlich nichts zu Hause und habe in meinen Vorräten Webware gesucht. Sie sollte möglichst leicht und dünn sein, damit der Kleber gut durchs Gewebe dringen kann.

Ich habe einen grünen Stoff gefunden – eine zweischichtige Webware. Die habe ich auseinander gefriemelt und jede Seite an Testblöcken mit einem anderen Kleber probiert. Für die grüne Seite habe ich Uhu Alleskleber benutzt und für die helle Seite gröberen Pritt Bastelkleber. Der Uhu kam zwar weiß aus der Tube, trocknete aber durchsichtig ab. Dafür war er deutlich zäher als der Pritt Bastelkleber. Weil der besser durch den Stoff floss, habe ich mich für ihn entschieden – und für das helle Gewebe, weil es sich besser durchtränken ließ. Beide trocknen zwar nicht flexibel, der Pritt machte für meine Zwecke aber einen besseren Eindruck.

Einpinseln des Buchrückens um das Gewebe zu befestigen

Buchblöcke sollten gegen Ende begradigt werden.

Zum Anbringen des Gewebes schneide ich mir einen Streifen zu, der ca. 2cm auf jeder Seite der Blöcke übersteht. Um meinen schönen Tisch nicht zu verschmutzen, suche ich mir noch mehr Altpapier raus. Die Oberfläche von selbstheilenden Schneidematten sollte nicht in Berührung mit Kleber kommen, das beschädigt den selbstheilenden Effekt. Für das Auftragen benutze ich einen günstigen Pinsel und durchtränke das Gewebe mit Kleber, indem ich am Rücken starte und es dann an den Seiten fest anstreiche.

Der Kleber trocknet recht schnell, man muss etwa eine Stunde warten. Nachdem der Kleber gut getrocknet ist, sollte man die Blätter angleichen. Beim Buchbinden stehen die innen liegenden Blätter eines Buches weiter hervor. Also werden sie gekürzt. Manch ein Makerspace besitzt vielleicht eine Papierschneidemaschine. Wir können aber zu Hause auch gut alle Seiten mit Cutter und Lineal um wenige Millimeter angleichen.

Das Cover ist bereits zugeschnitten und kann nun angeklebt werden. Ich positioniere die beiden Cover und den Buchrücken nebeneinander und lasse zwischen ihnen je 0,5cm Platz, damit später im Einband keine große Spannung entsteht. Bedenkt, auf welcher Seite ihr den Kleber auf der Pappe anbringt. Egal, von welcher Seite ich gucke, durch den roten Stoff schimmert der Pizzaprint leicht durch.

Platzierung der Pappe mithilfe eines Nählineals

Trimmen der Ecken. Das war leider etwas zu viel.

Der Einband soll bei meiner Mini-Make aus roter Webware bestehen. Hier benutze ich einen dunkelroten Stoff, der noch in meinen Stoffvorräten lag. Ich positioniere die Pappteile auf den Stoff und lasse am Rand an jeder Seite ca. 5cm überstehen, um ihn später gut umschlagen zu können. Nachdem ich den Stoff grob zugeschnitten haben, kann ich beginnen, die Pappe zu positionieren. Für mich hat es sich sehr nützlich erwiesen, an die untere Stoffkante mein Nählineal anzulegen. Diese Kante benutze ich als Richtlinie für die Pappe.

Ich schneide die Ecken diagonal zurück, klappe den Stoffrand um und klebe die Seiten nach und nach vorsichtig – und mit Gefühl – an. Den Leim verteile ich wieder mit einem Pinsel, weil er so in dünneren Lagen deutlich besser trocknet und streiche den Stoff glatt. Dabei wirkt der weiße Kleber sehr unschön. Der ist aber nach dem Trocknen glücklicherweise nicht mehr zu sehen. Beim Einschneiden der Ecken solltet ihr aufpassen. Hier zeige ich, wie es aussieht, wenn man die Ecke zu tief zurückgeschnitten hat. Es sollte etwas mehr Stoff überstehen, sonst kann man die Pappecke nicht komplett mit Stoff bedecken.

Umgeschlagener angeklebter Stoff als Einband mit 5cm Rand