Bundesregierung: Tesla-Fabrik in Grünheide hat "Vorbildcharakter"

Für das Tempo, das Tesla beim Bau der neuen Fabrik in Grünheide vorlegt, gibt es viel Lob.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 90 Beiträge
Tesla Model Y

In Brandenburg soll zunächst das Model Y gebaut werden.

(Bild: Tesla)

Von
  • dpa

Die Bundesregierung und führende Wirtschaftsexperten erwarten mit der Ansiedlung von Tesla in Grünheide bei Berlin Schwung für andere Großbauprojekte. Das Tempo, mit dem Tesla sein neues Werk baue, habe Vorbildcharakter für andere Großbauprojekte, sagte Thomas Bareiß (CDU), Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, dem Handelsblatt. Sollte die endgültige Baugenehmigung tatsächlich im November 2020 erfolgen, sei die Verfahrensdauer mit gerade mal zwölf Monaten "mehr als rekordverdächtig". Tesla könne damit "nicht nur den deutschen Automarkt aufmischen", sondern auch den Standort Deutschland in Sachen Genehmigungsverfahren für Industrieanlagen revolutionieren.

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, Michael Hüther, spricht von einer "Signalwirkung". Die zügigen Baufortschritte in Grünheide seien "ein großartiges Beispiel dafür, wie eine kluge und frühzeitige Abstimmung nach einer Grundsatzentscheidung Planung und Umsetzung beschleunigen kann", sagte Hüther.

Dagegen sieht der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, in Tesla einen "besonderen Fall", was das Tempo des Bauvorhabens angeht. Die rechtlichen und bürokratischen Hürden für Investitionsprojekte in Deutschland seien ein Problem und die "höchsten und schwierigsten in der Welt", sagte der Wirtschaftsexperte. Das Beispiel Tesla zeige, dass eine schnelle Umsetzung von Investitionsprojekten in Deutschland möglich sein könne. Das Projekt werde aber kein Vorbild für andere Projekte sein.

Tesla will in Grünheide von Sommer 2021 an rund 500.000 Fahrzeuge im Jahr bauen, geplant sind etwa 12.000 Arbeitsplätze. Tesla-Chef Elon Musk hatte Ende Juli beim Kurznachrichtendienst Twitter geschrieben, dass die Fabrik "Giga Berlin" in unvorstellbarer Geschwindigkeit entstehen werde. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) hatte gesagt, das Werk könnte schneller gebaut werden als ein schon bestehendes Werk in China. Tesla hatte das Werk in Schanghai innerhalb von elf Monaten hochgezogen.

Lesen Sie auch

Zur Gewinnung von Fachkräften für die geplante Fabrik wollen die regionale Bundesagentur für Arbeit und das US-Unternehmen eng zusammenarbeiten. "Das entwickelt sich sehr gut", sagte Staatssekretär Hendrik Fischer am Mittwoch (19. August 2020) im Wirtschaftsausschuss. Beide Seiten hätten sich zu konkreten Arbeitsschritten mit einem genauen Zeitplan verabredet, es gebe inzwischen auch extra Büros, in denen die federführende Arbeitsagentur in Frankfurt (Oder) bei der Suche von Fachkräften helfe.

Die Frage, wie viele Arbeitskräfte Tesla genau in welchem Bereich benötige, konnte Fischer zunächst nicht beantworten. Gesucht würden unter anderem Leitungskräfte, Facharbeiter und Ingenieure. "Wir werden als Land im Bildungs- und Weiterbildungsbereich keine Sonderaktionen ausschließlich für Tesla machen können", betonte Fischer im Ausschuss. Man warte jetzt die Entwicklung ab und sei auch in engem Kontakt mit der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg (IHK).

Mit Blick auf die Ansiedlung von Tesla heißt es in einem Papier der IHK zur "Bildungsinfrastruktur", die Deckung des vorgesehenen Fachkräftebedarfs werde das US-Unternehmen vor eine "große Herausforderung" stellen. Das betreffe auch die bereits ansässigen regionalen Unternehmen und die zu erwartenden Zulieferbetriebe, die sich im Umfeld von Tesla ansiedeln werden. Die Nähe zum Flughafen BER mit dem Eröffnungstermin Ende Oktober verschärfe die Situation zusätzlich.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Fachkräftesicherung seien der IHK zufolge Investitionen in Bildung und Soziales, etwa der Ausbau der Kinderbetreuungs- und Schulinfrastruktur. "Unter anderem müssen die Berufsschulen vorbereitet werden. Räume, Fachlehrer, Labore und Werkstätten werden für die duale Ausbildung gebraucht", erklärte der Geschäftsbereichsleiter Aus- und Weiterbildung bei der IHK Ostbrandenburg, Michael Völker.

(mfz)