Bundesweites Pilotprojekt gegen Motorradlärm beginnt

Der ADAC beginnt mit einem bundesweiten Pilotprojekt gegen Motorradlärm. Erste Strecken werden in Rheinland-Pfalz umgestaltet, man hofft auf weitere Länder.

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Lauter als nötig: Krawalltüte zum Nachrüsten von Akrapovic an einem Bike

(Bild: Sebastian Bauer)

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  • dpa

Noch vor Saisonbeginn startet der ADAC ein Pilotprojekt gegen Motorradlärm. Im Gelbachtal im Westerwald mit seinen bei Bikern beliebten kurvenreichen Straßen will der rheinland-pfälzische Landesbetrieb Mobilität laut dem Automobilclub in den kommenden Tagen vier gelbe Warnschilder aufstellen. Entworfen vom ADAC, zeigen sie einen Motorradfahrer neben den Worten "Leise fahren. Lärm ersparen. Rücksicht kommt an. Danke!"

Das Verkehrsministerium in Mainz teilt der Deutschen Presse-Agentur mit: "Es handelt sich um ein bundesweites Pilotprojekt, das hoffentlich Nachahmer in anderen Regionen des Landes und darüber hinaus findet." Der ADAC erklärt: "Die Kosten für das Schild in Höhe von 250 Euro werden von den Kommunen und Verbandsgemeinden getragen und wir stellen im Gegenzug kostenlos Layout und Standortberatung."

Viele Anwohner und Naturschützer sind vom Motorradlärm in idyllischen Ausflugsgebieten genervt. Der Bundesrat fasste im Mai 2020 eine Entschließung: Es gebe "dringenden Handlungsbedarf, für besondere Konfliktfälle Geschwindigkeitsbeschränkungen und zeitlich beschränkte Verkehrsverbote an Sonn- und Feiertagen aus Gründen des Lärmschutzes zu ermöglichen". Das brachte wiederum Biker auf die Palme, es kam zu Demonstrationen gegen Fahrverbote.

Rudi Speich, Vorstand Verkehr & Technik beim ADAC Mittelrhein, betont: "Kollektivstrafen tragen nicht zur Lösung des Problems bei, denn die meisten Motorradfahrer sind rücksichtsvoll unterwegs. Wir müssen anstelle pauschaler Verbote eine verantwortungsbewusste Fahrweise bei den Motorradfahrern einfordern."

Das Land setzt auch auf Verkehrskontrollen in beliebten Biker-Regionen wie etwa in der kurvenreichen Eifel rund um den Nürburgring. Geschulte Polizisten prüfen laut Verkehrsministerium, "ob an den Fahrzeugen technische Veränderungen vorgenommen wurden, ob die Lärmgrenzwerte wie auch die vorgegebene Geschwindigkeit eingehalten werden". Die Hochschule der Polizei habe diese Kontrollen wissenschaftlich begleitet. Auch die bei einem Bürgerforum formulierten Vorstellungen von Ring-Anwohnern würden berücksichtigt. "Es konnte ein wahrnehmbarer Rückgang der Lärmemission festgestellt werden", betont das Ministerium.

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Dieses hat zudem auf einigen kurvigen Landstraßen in Rheinland-Pfalz Rüttelstreifen aufbringen lassen: Quermarkierungen und Vibrationen sollen Motorradfahrer vor nachfolgenden Gefahrenstellen warnen. Die so erreichte Tempodrosselung verringert auch den Motorradlärm. Das Verkehrsministerium schränkt ein: "Diese Rüttelstreifen sind aber nur auf kurzen Abschnitten sinnvoll und können nicht auf einem großen Streckenabschnitt zum Einsatz kommen."

Daneben will das Ministerium nach einem ersten "Runden Tisch Motorradlärm" mit Verbänden und Polizei im Januar 2021 zu einem weiteren Austausch im April einladen. Das Ministerium möchte nach eigenen Worten Fahrverbote für Biker möglichst vermeiden und sie um Rücksicht bitten. Es dürfe aber auch nicht vergessen werden, dass der Motorradtourismus in manchen Gegenden ein Wirtschaftsfaktor sei. Auch Biker werden hungrig, durstig und müde.

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(fpi)