COVID-19-Symptomen auf der Spur

US-Unis haben Millionen Corona-Infizierte zu ihren Erfahrungen befragt. Nun werden international Möglichkeiten gesucht, die Datenbank sinnvoll zu nutzen.

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(Bild: Marco.Warm / Shutterstock.com)

Von
  • Karen Hao

Seit April arbeitet die "Delphi"-Forschungsgruppe der Carnegie Mellon University im amerikanischen Pittsburgh daran, die weltgrößte Datenbank mit COVID–19-Symptomen zusammenzutragen. Gemeinsam mit Facebook und weiteren Partnern starten sie nun eine weitere "Challenge": Es werden Ideen gesucht, wie diese Daten helfen können, den Umfang mit der Pandemie in den Vereinigten Staaten zu verbessern.

Die Delphi-Wissenschaftler gehören zu den führenden Grippeforschern, so prognostizieren sie etwa Verbreitung und saisonale Auswirkung der Influenza. Im Zuge der Corona-Pandemie befragte die Gruppe Amerikaner über Facebook zu deren Symptomen, um mit diesen Informationen die Prognosen die US-Seuchenschutzbehörde CDC zu unterstützen. Die jüngste Umfrage beinhaltet 36 Fragen.

Diese erkundigen sich nach eigens erlebten Symptomen oder nach solchen, die im Freundeskreis beobachtet wurden. Die Umfrage will außerdem wissen, wie oft Nutzer generell in Kontakt mit anderen Menschen kamen, ob sie aufgrund COVID-19 psychische oder finanzielle Probleme erlebten und vieles mehr. Täglich wählt Facebook willkürlich einen Teil von Usern aus und platziert die Umfrage in deren Newsfeed. Die Antworten werden unmittelbar an die Delphi-Gruppe geschickt, ohne dass Facebook sie zu sehen bekommt.

Seit Mai hat ein Team der University of Maryland sich der Arbeit angeschlossen und eine internationale Version der Umfrage organisiert. Der neue Fragenkatalog weicht aufgrund von Datenschutzbestimmungen und sich wandelnden Erfordernissen der WHO leicht ab. Beide Datensätze, die amerikanischen wie die internationalen, sollen freigegeben werden und liegen in anonymisierten und nicht aggregierten Varianten vor.

Seit Beginn des Projektes wurden laut Delphi mehr als 10 Millionen Umfragen in den USA beantwortet und 15 Millionen im Ausland. Mehr als 85 Prozent der Amerikaner, die mindestens zwei Fragen beantworten, füllen die Umfrage auch bis zum Ende aus – diese Komplettierungsrate geht weit über das hinaus, was die Forscher anfänglich erwartet hätten.

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Die Forschungsgruppe hat sich mit etwa einem Dutzend Organisationen zusammengetan, um den Datenschatz für verschiedene Zwecke auszuwerten. Unter anderem hoffen sie, auf diese Weise lokale Vorhersagemodelle für Krankenhäuser erstellen zu können und den Einfluss von Lockdowns auf die psychische Gesundheit zu messen.

"Es gibt so viel in diesen Daten, zumindest potentiell, da ist es gar nicht möglich, dass wir alleine sie analysieren könnten und Erkenntnisse daraus ziehen", sagt Alex Reinhart, Assistant Teaching Professor im Department of Statistics & Data Science der CMU und Teil der Forschungsgruppe. "Soweit ich weiß, handelt es sich um eine der größten Umfragen, die jemals außerhalb einer Volkszählung durchgeführt wurden. Unser Gefühl ist, dass die Symptom-Umfragen am nützlichsten sind, wenn möglichst viele Pandemie-Forscher sie nutzen können."

Das Team hofft, einen vielseitigen Querschnitt möglicher Projektbeteiligter zu erreichen, von Forschern bis zu Laien, die frische Ideen dazu beitragen, wie die Daten genutzt werden könnten.

"Mich interessiert so ziemlich alles Neue", sagt Reinhart. "Jeder Ansatz, der die Datensammlung nützlicher macht für Menschen, die einfach nur wissen wollen, was sie für ihre Community tun können. Wie können diese ganzen Infos dabei helfen, spezifischere Entscheidungen zu treffen?" Die Antwort könne in besseren Prognose-Modellen oder simplen Daten-Dashboards liegen, fügt er hinzu.

Das Projekt nimmt Einsendungen bis zum 29. September an. Sobald Finalisten ausgewählt wurden, wird das Ziel sein, Kontakt mit relevanten Partnerorganisationen, Gesundheitsbehörden und anderen Einrichtungen aufzunehmen, die von den Informationen profitieren könnten. (bsc)