COVID-19-Test: Smartphone abwischen statt Nasenstäbchen

Positiv auf SARS-CoV-2 getestete Personen haben so viele Viren auf dem Touch-Screen ihres Smartphones, dass ein Displayabstrich die Infektion sicher nachweist.

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Probenentnahme von einem Handy.

(Bild: Diagnosis Biotech / Screenshot YouTube)

Von
  • Jo Schilling

Es wird wohl noch dauern, bis die COVID-19-Pandemie unter Kontrolle ist und wir ein Leben ohne Masken und Nasenstäbchen führen können. Bis dahin heißt es impfen, impfen, impfen und testen, testen, testen. Letzteres vor allem, weil wir mit immer neuen Varianten rechnen müssen, von denen noch niemand abschätzen kann, wie wirksam die Impfungen dagegen sein werden.

Allerdings sind die Tests – egal ob Antigen- oder PCR-Test – unangenehm. Und wenn es darum geht, große Menschenmengen zu testen, sind sie aufwendig. Forschende vom University College London haben nun eine neue einfache Testmethode entwickelt, bei der für die Untersuchung lediglich das Display des Smartphones des potenziellen Patienten abgewischt werden muss.

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Die Methode nennt sich "Phone Screen Testing", kurz PoST. In einer in eLife veröffentlichten Studie konnte das Team um den chilenischen Biochemiker Rodrigo Young zeigen, dass Personen, die mit den üblichen PCR-Tests für Nasenabstriche positiv getestet wurden, auch als Virenträger identifiziert wurden, wenn die Proben von ihren Smartphone-Displays und nicht aus der Nase entnommen wurden.

Bei 81 bis 100 Prozent der Probanden mit hoher Viruslast – die das Virus also vermehrt unter ihren Mitmenschen streuen – hat der Nachweis über PoST funktioniert und ist damit erstaunlicherweise mindestens so gut wie die besten Antigenschnelltests.

Da es sich bei PoST genau genommen nicht um einen klinischen, sondern um einen Umwelttest handelt, unterliegt er nicht den strengen Regularien der Medizinprodukteverordnung. Zudem ist er bei vergleichbarer Sicherheit weniger kostspielig als ein PCR-Test per Nasenabstrich. Damit ist er besonders gut für Länder geeignet, in denen das regelmäßige Testen vor allem eine finanzielle Hürde ist. Die PoST-Probenahme dauert zudem weniger als eine Minute und erfordert kein medizinisches Personal.

Besonderen Charme hat, dass die Forschenden in den SARS-CoV-2-positiven PoST-Proben Genvarianten identifizieren konnten, die den Alpha-, Beta- und Gamma-Varianten von SARS-CoV-2 entsprechen. (Als die Studie im April 2021 in Santiago de Chile in die letzte Phase ging, hatte die Delta-Variante sich noch nicht durchgesetzt.) Damit könnte durch das Sammeln von Smartphone-Abstrichen die Entwicklung von Virus-Varianten in der Bevölkerung überwacht werden.

Young hat in Chile das Start-up Diagnosis Biotech gegründet, um flächendeckend COVID-19-Screenings in Unternehmen und Schulen in Chile durchzuführen. Sein Ziel: Ausbrüche vermeiden und die angeschlagene Wirtschaft stabilisieren. Häufige Tests unter Mitarbeitenden und Schulkindern sollen möglichst früh asymptomatischer Infizierte identifizieren, um Infektionsketten zu unterbrechen. Diagnosis Biotech entwickelt nun ein Gerät, das automatisiert Proben von Smartphone-Displays für PoST-Tests abnehmen und die Ergebnisse direkt per SMS an die Getesteten übermitteln soll.

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(jsc)