COVID-19: Was sich an den Masken-Regeln in den USA ändert

Nach Monaten der Lockerungen haben die Centers for Disease Control and Prevention entschieden, dass der Mundschutz in geschlossenen Räumen wieder sein muss.

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Menschen mit Maske beim Einkaufen.

(Bild: Kzenon/Shutterstock.com)

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  • Tatyana Woodall

In der letzten Woche ging die US-Seuchenschutzbehörde CDC einen beachtenswerten Schritt: Nach Monaten der Corona-Lockerungen empfahlen die Beamten, dass geimpfte Menschen in Innenräumen öffentlicher Gebäude in Gebieten mit hohen COVID-19-Raten wieder Masken tragen sollen. Darüber hinaus rieten die Centers for Disease Control and Prevention dazu, dass Kinder vom Vorschulalter bis zum 12. Schuljahr zwar weiterhin in die Schule gehen dürfen, doch dort Maske tragen sollten.

Mit der neuen Leitlinie reagiert die Gesundheitsbehörde auf steigende Infektionszahlen mit der hochansteckenden Delta-Variante, die Anfang dieses Jahres erstmals in Indien nachgewiesen wurde. Die neue Richtlinie mag für die US-Bürger wie ein Rückschritt erscheinen, aber CDC-Direktorin Rochelle Walensky erklärte, dass die Entscheidungen nicht leichtfertig getroffen worden sei.

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„Unsere Leitlinien und Empfehlungen werden der Wissenschaft folgen“, sagte Walensky während einer Pressekonferenz. „Die Delta-Variante zeigt jeden Tag, dass sie uns austricksen kann. Die Variante nutzt Bereiche aus, in denen wir nicht ausreichend stark reagieren.“ Nach Angaben der Johns Hopkins University war Delta noch im Mai für lediglich zwei Prozent der in den USA sequenzierten Fälle verantwortlich. Inzwischen aber weisen 82 Prozent der Proben die neue Variante nach.

Walensky zufolge soll die neue Regel die anfälligsten Menschen in der Gesellschaft schützen, die in Gebieten mit hohen Übertragungsraten leben, aber auch gefährdete Familienmitglieder wie Kinder und Menschen mit bestehenden Gesundheitsproblemen. Das können Krebspatienten sein oder Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Auch wenn sie geimpft sind, ist die Wirkung bei ihnen manchmal weniger ausgeprägt. Nicht selten können sie aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden.

Für die USA sei es wichtig, die Ausbreitung schnell unter Kontrolle zu bringen, so Walensky, da spätere Virusvarianten die Wirksamkeit des Impfstoffs so umgehen könnten, dass der schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle nicht mehr verhindert. Das macht die Leitlinienänderung für die Öffentlichkeit, die in den USA mit lockeren Regeln als etwa in Deutschland lebt, nicht unbedingt leichter akzeptierbar. „Leider werden viele Leute dies als Hin und Her betrachten, insbesondere wenn sie zu den Kritikern der Behörden gehörten“, sagt der Infektionsforscher Ajay Sethi von der University of Wisconsin.

Mehr als 63 Prozent der USA erleben gerade die von den CDC erwähnten „erheblichen Übertragungsraten“, die neue Leitlinie würde sich also auf diese Gebiete beziehen. Wo sie liegen, zeigt der „Covid Data Tracker" der CDC, der Infektionen in den Landkreisen verfolgt.

Für alle, die nicht vollständig geimpft sind, ist das je nach Wohnort möglicherweise keine große Veränderung. Acht Bundesstaaten, darunter Kalifornien, New York und Nevada, verlangen bereits, dass ungeimpfte Menschen Masken tragen. Nur die Impflinge müssen den Mund-Nase-Schutz nun wieder aufziehen.

Die CDC glauben, dass ungeimpfte Menschen die Ausbreitung vorantreiben. Zudem erkranken in einigen Fällen auch Geimpfte und können die Infektion weitergeben, obwohl ihre Krankheitsverläufe wahrscheinlich weniger schwerwiegend sind. Es soll erste Datensätze geben, laut denen die Viruslast bei Delta durch Impfung nicht ausreichend reduziert wird.

Zu Beginn der Pandemie infizierte eine Person mit COVID-19 durchschnittlich 2,5 andere. Bei der Delta-Variante bringt eine Infektion allerdings durchschnittlich sechs weitere hervor. „Das bedeutet, dass es nicht viel Zeit braucht – Sekunden statt Minuten –, bis das Virus von einer Person zur anderen gelangt“, sagt Infektionsforscher Sethi.

Sethi glaubt, dass die US-Öffentlichkeit sich nach wie vor daran klammert, dass die Pandemie vorbei zu sein scheint. Das werde aber solange nicht der Fall sein, wie die Gesundheitspolitik ignoriert werde. CDC-Direktorin Walensky betonte, dass sich die Impfrate in den USA schnell verbessern müsse. „Diese Entwicklung und vor allem die damit verbundenen Erkrankungen, das Leid und die Todesfälle hätten mit einer höheren Impfrate vermieden werden können.“

Sie wollte auch nicht versprechen, dass sich die Masken-Leitlinien nicht noch einmal ändern werden: „Wir verfolgen die Wissenschaft weiterhin genau und aktualisieren die Regeln, sollte sich der Stand der Forschung erneut ändern.“

(vsz)