CRISPR-Miterfinderin: "Wir legen gegen die Patent-Entscheidung Berufung ein"

Jennifer Doudna ist Miterfinderin der CRISPR-Genschere, die inzwischen in der Klinik angekommen ist. Patentieren darf sie die aber nicht.

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(Bild: gopixa/Shutterstock.com)

Von
  • Antonio Regalado

Berkeley gegen Broad Institute: Wem gehören die Rechte an der Genschere? Kürzlich hat das US-Patentamt entschieden, dass die Patentrechte an den wichtigsten Anwendungen von CRISPR nicht bei der Universität der Nobelpreisträgerin, der University of California, Berkeley, liegen, sondern beim Broad Institute of MIT and Harvard. Im Interview erläutert Miterfinderin Jennifer Doudna, was sie davon hält.

Dieser Text stammt aus: Technology Review 4/2022

(Bild: 

Technology Review 4/2022 im heise shop

)

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Was denken Sie über die Entscheidung des Patentamtes gegen Berkeley?

Es ergibt für mich nicht wirklich Sinn, [aber] ich bin froh, dass wir noch unsere 45 bestehenden und 40 angemeldeten Patente in den USA haben. Und unsere 30 europäischen Patente sind von dem Urteil nicht betroffen. In der wissenschaftlichen Gemeinschaft gibt es, glaube ich, nicht viele Fragen darüber, was wirklich geschah. Ganz ehrlich? Ich mache mit meiner Forschung weiter.

Nobelpreisträgerin Jennifer Doudna

(Bild: Christopher Michel)

Mein Eindruck ist, dass der Patentstreit sich weniger um Geld, sondern eher um Anerkennung gedreht hat …

Das ist Ihre Interpretation. Das ist schwer zu sagen, nicht wahr? Ich weiß nicht, was die Beweggründe der anderen waren, aber natürlich legen wir Berufung ein. Natürlich sind wir mit der Entscheidung nicht einverstanden. Und natürlich sind auch 30 Länder und das Nobelpreiskomitee nicht einverstanden, wenn es darum geht, wer was zuerst erfunden hat.

Wie ist denn die Vermarktung von CRISPR bis jetzt gelaufen?

Großartig. Eine Reihe von Unternehmen, die in den letzten zehn Jahren gegründet wurden, sind bereits an die Börse gegangen, und viele weitere befinden sich in verschiedenen Phasen des Aufbaus. Wir erhalten sehr interessante Meldungen aus klinischen Studien und sehen nachhaltige Langzeiteffekte auf die Patienten.

Gen-Editiermethoden - eine kleiner Einblick (6 Bilder)

Das System aus CRISPR (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats) und der Cas9-Nuklease haben die Molekularbiologinnen Jennifer Doudna und Emmanuelle Charpentier 2012 entdeckt. Dank seiner einfachen Handhabe und geringer Kosten erlebt die Gentherapie derzeit ein Revival.
(Bild: Text: Inge Wünnenberg; Grafik: Brian Sipple)

Die klinische Anwendung von CRISPR in der Medizin stand bisher stark im Vordergrund. Ich vermute jedoch, dass im nächsten Jahrzehnt die CRISPR-Anwendungen in der Landwirtschaft und sogar bei der Bekämpfung des Klimawandels potenziell eine viel breitere Wirkung haben werden, wenn wir über die globalen Auswirkungen und die auf das tägliche Leben nachdenken. Pam Ronald, unsere Forschungspartnerin an der UC Davis, konnte mithilfe von CRISPR trockenheitstoleranten Reis züchten und ist dabei, diese Pflanzen hier vor Ort in Kalifornien im Feldversuch zu testen. Etwas weiter entfernt, aber meines Erachtens ebenfalls von großer Bedeutung, ist der Einsatz von CRISPR in mikrobiellen Gemeinschaften, im Boden oder im Wasser, wodurch wir ihre Fähigkeiten zur Kohlenstoffbindung verbessern können.

Lassen Sie uns kurz über Genom-Editing im Erbgut sprechen. CRISPR-Babys. Es ist durchaus ein spekulativer Nutzen für die Gesundheit zu erkennen. Zum Beispiel gibt es wahrscheinlich Versionen von Genen, die Menschen vor Alzheimer schützen. Denken Sie, man sollte CRISPR einsetzen, um Menschen widerstandsfähiger gegen Krankheiten zu machen?

Ich halte es für wahrscheinlich, dass CRISPR in diese Richtung gehen könnte. Mir liegt daran, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern, sei es bei einer Krankheit wie Alzheimer oder bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die ebenfalls enorme gesellschaftliche und finanzielle Auswirkungen haben. Wenn es in Zukunft eine Möglichkeit gäbe, Menschen durch CRISPR generell vor der Anfälligkeit für diese Art von Krankheiten zu schützen, sollte man das in Betracht ziehen.

(jsc)