Carsharing verstopft die Straßen

Eigentlich werben Uber, Lyft & Co. damit, dass die App-gestützten Fahrdienste die Städte von zu viel Verkehr entlasten. Studien zeigen nun, dass das offenbar nicht stimmt.

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Von
  • Ben Schwan
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Wer kein eigenes Auto mehr besitzt, weil er sich eine Tour jederzeit "on demand" per Smartphone bestellen kann, braucht keinen Parkplatz und verstopft mit seinem Privatfahrzeug auch nicht die Innenstädte. Mit dieser Logik werben die großen Carsharing-Start-ups – mittlerweile Milliardenunternehmen – laufend für sich.

Doch Anbieter wie Uber oder Lyft, die sich etwa in den USA den Markt aufteilen, scheinen auch eine enorme zusätzliche Nachfrage generiert zu haben, die es so vorher nicht gab. Entsprechend, behaupten Wissenschaftler, erweist sich die "Mehr Carsharing, weniger Stau"-Idee, von den Firmen wie eine Monstranz vor sich hergetragen, offenbar als Milchmädchenrechnung.

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Als direkter Gegner von Uber & Co. gilt die alteingesessene Taxibranche. Doch diese wurde in manchen Städten längst überholt. Zahlen aus San Francisco, die im vergangenen Sommer veröffentlicht wurden, gehen von 170.000 Carsharing-Fahrten pro Werktag aus. Das seien zwölf Mal so viele Trips, als mit dem Taxi zurückgelegt wurden. Schlimmer noch: Die meisten Fahrten erfolgten im sowieso schon staugeplagten Stadtkern. Entsprechend hat sich der Traum von Innenstädten, die aufatmen können, bislang nicht erfüllt.

Eine Umfrage der Boston Metropolitan Planning Organization beschreibt ein "explosives Wachstum" von Uber und Lyft in der Ostküstenmetropole, das für Veränderungen im Reiseverhalten sorge und bestehende Massentransportmittel beeinflusse. Die Zielgruppe der Carsharing-Dienste ist zudem genau die, die der klassische ÖPNV gerne (mehr) sehen würde: Menschen unter 35 Jahren, die regelmäßig unterwegs sind und gar kein Auto mehr haben. Selbst Menschen, die vergleichsweise wenig verdienen, nutzen Carsharing-Anbieter – auch diese ein Personenkreis, der sonst Bus und Bahn benutzt hätte.

Die Konkurrenz für den ÖPNV wird durch Pooling-Angebote noch schärfer. Hierbei werden Personengruppen, die sich nicht weit voneinander entfernt aufhalten und ein ungefähr ähnliches Fahrziel haben, gemeinsam an einen Fahrer vermittelt. Das soll den Tripp effizienter machen und die Kunden Geld sparen lassen. (In Deutschland hat der Taxivermittler MyTaxi ein ähnliches Angebot vorgestellt – allerdings für ganz normale, lizenzierte Taxen.)

Uber, Lyft und Co. werden auch deshalb so gerne verwendet, weil sie sich einen Preiskampf mit der Taxibranche liefern. Sie sind preislich zwischen ÖPNV und Taxi angesiedelt, durch die App-Bestellung aber sehr bequem. Sinken die Preise durch Pooling-Angebote weiter, wächst der Druck auf den öffentlichen Verkehr weiter.

Vielleicht kann dieser ja durch eigene smarte Apps gegenhalten. In Deutschland ging kürzlich eine Anwendung an den Start, mit der ein ÖPNV-Anbieter ein Pooling von Fahrkarten erlaubt. Dabei lassen sich per App Mitfahrer in der Nähe finden, die dann die Mitnahmemöglichkeiten bestimmter Zeitkarten nutzen können. Oder wie wär's mit einem gänzlich kostenlosen Nahverkehr?

(bsc)