Cat Content: Katzen kennen ihre Artgenossen mit Namen

Wie gut Hunde menschliche Sprache verstehen, ist schon lange Gegenstand der Forschung. Ein japanisches Team spürt den sprachlichen Fähigkeiten von Katzen nach.

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Katze liegt auf Verstärker, daneben Kopfhörer

(Bild: gemeinfrei)

Von
  • Martin Kölling

Katzenliebhaber sind sich schon lange sicher. Nun erhalten sie wissenschaftliche Rückendeckung aus Japan: Nicht nur Hunde können Menschen verstehen, sondern auch die als eigenwillig geltenden Katzen – wenigstens ansatzweise. Ein Team um die Wissenschaftlerin Saho Takagi von der Azabu-Universität will herausgefunden haben, dass Katzen die Namen und Gesichter von tierischen und menschlichen Haushaltsmitgliedern erkennen.

Takagi interessiert sich schon seit ihrer Doktorarbeit an der Kioto-Universität für felline Freunde. In einer neuen Studie wollte sie nun herausfinden, ob Katzen die Namen von Artgenossen im gleichen Haushalt identifizieren können. Das Ergebnis veröffentlichte das Team im Wissenschaftsmagazin "Nature".

Das Team wählte 48 Katzen aus. 19 lebten mit Familien zusammen. Als Kontrollgruppe dienten 29 tierische Angestellte von fünf Katzen-Cafés. Im Versuch wurden Katzen die Namen anderer Katzen im gleichen Haushalt genannt und dazu ein Bild gezeigt. Wenn das Bild nicht mit dem Namen des felligen Freundes übereinstimmte, schauten die Probanden überrascht länger auf das Bild.

Der Effekt war umso stärker, je länger die Katzen zusammen in einer Familie mit Menschen lebten. Café-Katzen, die mit weitaus mehr Artgenossen und ständig wechselnden Besuchern zusammenlebten, gelang es nicht, die Beziehungen zwischen Tier und Tiernamen herzustellen. Die Forscher meinen, dies sei wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass so viele Katzen in den Einrichtungen leben und ihre Namen weniger häufig genannt werden.

Ganz überraschend sind die Ergebnisse nicht. Bei Hunden wurde schon ein beschränktes Sprachverständnis nachgewiesen. Einer ungarischen Studie zufolge können sie sogar erkennen, dass eine ihnen fremde Sprache gesprochen wird.

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Über Katzen gibt es allerdings weniger Studien. Denn sie folgen menschlichen Kommandos weniger gut als Hunde, erklärte Takagi bei einer früheren Katzenstudie. Damals untersuchte sie, ob und wie Katzen ihre Herrchen und Frauchen identifizieren.

Das Ergebnis: Katzen können ihre Liebsten unterscheiden. Allerdings schauen sie anders als Hunde ihre Futterlieferanten nicht an, wenn sie gerufen werden, was ihnen den Ruf der Undankbarkeit eingebracht hat. Stattdessen lokalisieren sie ihre menschlichen Vertrauten mit dem Gehör.

Sogar ihren eigenen Namen können Katzen erkennen, wies Takagis Team-Kollegin Atsuko Saito von der Sophia-Universität 2019 nach. Aber Café-Katzen reagierten auch auf die Namen anderer Katzen im Café. Die Forscherin mutmaßte, dass sie das Rufen von Namen mit Fütterung verbanden. Nur Katzen im Familienverband reagierten zuverlässig ausschließlich auf den eigenen Namen. Für ihre nächste Studie hoffen die Forscherinnen zu bestimmen, wie sich Katzen im täglichen Leben an die Namen anderer erinnern können und inwieweit sie Sprache verstehen.

(jle)