Chili-Granaten gegen Elefanten

In Afrika können die Dickhäuter viel Schaden in Maisfeldern anrichten. Doch die Bauern rüsten auf.

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(Bild: Eva Gross)

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Mit Tischtennisbällen auf Elefanten zu schießen klingt ziemlich aussichtslos. Befüllt man die Bälle allerdings mit Chili-Öl, werden sie zu recht effektiven Waffen. Bei Treffern zerplatzen die Bälle auf der dicken Elefantenhaut, und die Chili-Dämpfe lassen die geruchsempfindlichen Tiere – unter den richtigen Umständen – abdrehen.

Auf diese Weise vertreiben Bauern im sambischen Luangwa-Tal die riesigen Dickhäuter, bevor sie auf den Maisfeldern große Schäden anrichten können. Nacht für Nacht stehen die Bewohner auf Wachtürmen mit einer Art selbst gebauten Bazooka am Rande der Felder.

Die Waffen bestehen aus zwei unterschiedlich dicken Abflussrohren. Das breite Rohr dient als Tank und Explosionskammer, das dünne als Lauf. Erspähen die Wachen Elefanten, beladen sie den Lauf mit einem präparierten Tischtennisball. Anschließend sprühen sie butanhaltiges Insektenspray in die Explosionskammer und schrauben sie zu. Sind die Tiere nah genug, lösen die Chili-Schützen per Piezozünder an der Kammer eine Explosion des Gasgemisches aus.

"Das erzeugt einen ziemlich starken Druck, die Bälle fliegen bis zu 150 Meter weit", sagt die Umweltwissenschaftlerin Eva Gross von der Universität Frankfurt. Weil aber oft Büsche und Sträucher im Weg sind und die Tischtennisbälle im Bogen fliegen, liege die praktische Reichweite eher bei rund 30 Metern. "Das reicht zur Not auch zum Weglaufen, wenn man danebenschießt."

Gross berät seit mehr als zehn Jahren im Dienste verschiedener Naturschutzorganisationen Menschen über das mitunter enge Zusammenleben mit Elefanten. Seit drei Jahren bildet sie die Bewohner im Luangwa-Tal im Bau und Einsatz der Chili-Kanonen aus. "Das ursprüngliche Gerät hat Mike La Grange von der Firma African Wildlife Management & Conservation in Simbabwe entwickelt, er nannte es Mphirimphiri-Bomber", erzählt sie. Gemeinsam mit der französischen Umweltorganisation Awely, der TU Darmstadt und dem Julius-Kühn-Institut in Dossenheim hat sie es für den Einsatz in Sambia angepasst – unter anderem, indem sie den nässeempfindlichen Taser, der ursprünglich als Zünder diente, durch ein Piezoelement ersetzte, das auch während der Regenzeit funktioniert.

Entscheidend für den Erfolg ist, dass man Elefanten noch vor ihrem ersten Maisgenuss erwischt. "Elefanten sind hochintelligent und lernen schnell, was für sie schädlich und was nur ärgerlich ist", sagt Gross. Seien sie einmal auf die Felder gelangt, sei die Belohnung zu groß, als dass die Chili-Geschosse dann noch viel ausrichten könnten. Zudem müssen noch weitere Bedingungen erfüllt sein: Zum einen brauchen Elefanten ausreichend alternative Futterquellen. Zum anderen müssen die Anwohner motiviert sein, sich für die durchaus riskante Abwehr abwechselnd die Nächte um die Ohren zu schlagen.

Am Chili wird das Projekt jedenfalls nicht scheitern: Im Luangwa-Tal bauen die Bewohner neben Mais sowieso im großen Stil Chilis zum Verkauf an. Müssten sie zum Beispiel erst anfangen, Bienen zu züchten, um sie an den Zäunen um die Felder als Abwehr anzusiedeln, nähmen sie die Methode oft nicht an, so Gross. Auch Ausgleichszahlungen der Regierung für Ernteausfälle dämpften den Anreiz, die Felder aufwendig zu verteidigen.

Andere Maßnahmen wie mit Chili- und Motoröl beschmierte Zäune oder laute Geräusche klappen zwar anfänglich gut, halten die schlauen Tiere aber oft nur vorübergehend ab, ergänzt Elefantenforscherin Phyllis Lee von der University of Stirling. "Sie gewöhnen sich an negative Stimuli und werden zunehmend gefährlich. Wir brauchen bessere Wege, damit Menschen und Elefanten nebeneinander existieren können."

(bsc)