China wird weicher bei KI

Große Pläne Chinas bei künstlicher Intelligenz wecken im Westen Befürchtungen. Doch jetzt zeigt sich die Führung des Landes versöhnlich – und will auf internationale Kooperationen setzen.

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China wird weicher bei KI

(Bild: "last day in shanghai" / Fredrik Rubensson / cc-by-sa-2.0)

Von
  • Will Knight

Im Handel mag China mit den USA im Clinch liegen, doch bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz (KI) spricht sich die Führung des Landes neuerdings für einen freundlicheren Ansatz aus. Bei KI komme es entscheidend auf internationale Kooperation an, sagte der chinesische Vize-Premier Lui He in einer Rede auf der World Artificial Intelligence Conference Mitte September in Schanghai.

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„Wir hoffen, dass alle Länder, alle Mitglieder des globalen Dorfes, offen sind und einander unterstützen, damit wir dem Charakter von neuen Technologien als zweischneidiges Schwert begegnen können“, erklärte He, übersetzt von einem Dolmetscher. „KI steht für ein neues Zeitalter. Kooperation über Länder und Fachrichtungen hinweg ist unverzichtbar.“

In einem Brief, der bei derselben Konferenz präsentiert wurde, verkündete Chinas Präsident Xi Jinping eine ähnliche Botschaft: Das Land werde „Ergebnisse auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz mit anderen teilen". Außerdem rief er zu internationaler Zusammenarbeit bei KI-Themen wie Ethik, Recht, Aufsicht und Sicherheit auf.

Dieser neue, sanftere Ansatz bei KI kommt nur ein gut ein Jahr, nachdem die chinesische Regierung einen ehrgeizigen und aggressiven KI-Plan vorgestellt hatte. Bis 2030 sollten chinesische Forscher die Welt der KI anführen, hieß es darin, und einheimische Unternehmen eine Branche mit einem Wert von mehr als 150 Milliarden Dollar aufgebaut haben. Die chinesische Technologie-Branche hat sich bereits in einem beeindruckenden Tempo Maschinenlernen und KI zugewandt.

Die bisherigen Ambitionen und Fortschritte Chinas haben dafür gesorgt, dass von einem möglichen Wettrüsten mit den USA bei KI die Rede ist. Tatsächlich aber ist die Technologie weitgehend ein Produkt der Zusammenarbeit von Forschern aus aller Welt.

In Zukunft allerdings könnten die Entwicklung bei KI tatsächlich auch von Rivalität zwischen großen Unternehmen aus den USA und Chinas abhängen. Die internationale Bedeutung der chinesischen Technologie-Branche wächst, weil ihre Unternehmen KI über Services für Cloud-Computing in andere Länder exportieren.

Ein Modell für breitere Zusammenarbeit muss erst noch gefunden werden. KI-Algorithmen werden unter Forschern und Technologie-Unternehmen bereits freigiebig ausgetauscht. Die Daten für das Trainieren von Maschinenlern-Modellen dagegen werden meist eifersüchtig bewacht. Die US-Regierung erhöht die Ausgaben für KI. Eine klare Position zu der Technologie muss das Weiße Haus aber erst noch formulieren.

Gleichzeitig könnten die Aussagen aus der chinesischen Führung eine Art sanftes Machtspiel darstellen. Wie sich die Technologie weltweit verbreitet, hängt noch stark von Verhandlungen ab, und ohne Zweifel möchte China Einfluss auf Diskussionen über Standards und Normen nehmen. Derlei Diskussionen könnten sich zudem als kritisch und schwierig erweisen, vor allem bei Fragen wie Datenschutz und Überwachung mit KI-Hilfe.

Die Normen und Standards für andere Technologien einschließlich des Internet wurden von den USA und anderen definiert. Dies könnte bedeuten, dass die chinesische Regierung jetzt möglicherweise besonders stark daran interessiert ist, bei KI die internationalen Diskussionen anzuführen.

(sma)