Chinas Top-Portal Alibaba setzt auf KI

Jeff Zhang, Technikchef von Alibaba, erläutert im Technology-Review-Interview die Strategie des Konzerns in Sachen Künstliche Intelligenz und Quantencomputer.

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Alibaba-Campus.

(Bild: "Taobao City" / Danielinblue / cc-by-sa-4.0)

Von
  • Yiting Sun

Bei der Eröffnung der diesjährigen Computingkonferenz des chinesischen Internetgiganten Alibaba trieb dessen Cloud-Chef Simon Hu mit dem Moderator der Veranstaltung ein interessantes Spielchen. Er bat ihn, zwei verschiedene Tees zu testen – und herauszufinden, welche von Hand und welche von einer Maschine geröstet worden war.

Während der Moderator nur hilflos dastand und auf die beiden Gefäße blickte, nahm Hu sein Handy heraus und fotografierte sie. Eine App der Alibaba-E-Commerce-Plattform Tmall leistete anschließend ganze Arbeit: Mit Hilfe eines speziell trainierten Algorithmus, der die Unterschiede zwischen verschiedenen Arten von Teeblättern erkennen kann, löste sie das Rätsel.

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Die Vorführung war nur ein kleines Beispiel für die Forschungsarbeiten, die bei Alibaba in Sachen Künstliche Intelligenz derzeit laufen. Auf der Konferenz berichtete der Konzern unter anderem von ganz neuen Anwendungen, bei der neue KI-Chips der Tochterfirma Pingtou Ge zum Einsatz kommen – und dass Alibaba an einem Quantenchip brütet.

Die Person, die all diese Vorhaben leitet, ist Jeff Zhang, der Chief Technology Officer. Er leitet für Alibaba auch das "DAMO Academy"-Forschungslabor. Im Interview mit Technology Review erlaubte er einen kleinen Blick hinter die Kulissen.

Technology Review: Herr Zhang, warum hat Alibaba eine Chipfirma gegründet?

Jeff Zhang: Die gibt uns einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Chips werden immer spezieller. Viele Firmen entwickeln eigene KI-Chips, doch jede Firma hat unterschiedliche Datenmengen und Geschäftsbedürfnisse, die es zu bearbeiten gilt. Das heißt, dass jede Firma angepasste Chips braucht, die für ihre eigene Software optimiert wurden. Das können traditionelle Chiphersteller einfach nicht. Natürlich werden wir aber auch bereits breit eingesetzte Chipverfahren verwenden und sie mit unserem eigenen Design ergänzen, um größere Werte zu schaffen.

Welches Geschäftsmodell verfolgt Ihre Chiptochter?

Es gibt hier drei Methoden. Die erste ist die Lizenzierung von geistigem Eigentum. Wir können unser Chipdesign an andere Firmen verkaufen, die es dann einsetzen wollen. Methode Nummer zwei ist das Angebot von Prozessorlösungen für verschiedene Industrien mittels Aggregation von geistigem Eigentum. Beispielsweise könnten wir angepasste Prozessoren speziell für Haushaltsgeräte und Autos anbieten. Zu guter Letzt wollen wir Chips natürlich auch für unsere eigenen Cloudangebote und Rechenzentren nutzen.

Welche Pläne verfolgt Alibaba im Bereich der Quantencomputer?

Dies wird sich über einen längeren Zeitraum abspielen, weil wir dafür derzeit noch keine Prozessoren haben. Sobald wir den Prozessor haben, müssen wir die Frage beantworten, für was wir ihn verwenden wollen. Quantencomputer könnten sich für Anwendungen im Bereich der Kryptographie oder bei großen Simulationen im Bereich der Materialwissenschaften als sinnvoll erweisen. Sie sind aber nicht für alle Aufgaben geeignet. Und je mehr Qubits man hat, desto größer sind die Herausforderungen, weil man sicherstellen muss, dass all diese Qubits nahtlos und verlässlich miteinander interagieren.

Doch die reine Anzahl der Qubits ist nicht unser einziges Ziel. Wir wollen ingenieurwissenschaftliche Probleme im Bereich der Quantencomputer lösen. Wie kann man bestehende Programme für sie anpassen? Mit allen geht das wohl kaum. Entsprechend muss man zunächst bestimmen, welche rechenintensiven Aufgaben sich eignen und welche eher für klassische Rechner bestimmt sind. Wir bauen derzeit an einem supraleitenden Quantencomputer in unserem Hauptquartier in Hangzhou und wir wollen einen Punkt erreichen, an dem sich die Technik hochskalieren lässt.

Wie legen Sie die Prioritäten im Forschungsbereich der DAMO Academy fest?

Derzeit dreht sich unsere gesamte Arbeit um Datenwissenschaften und Intelligenz. Wir haben mehr und mehr Daten, wie sammeln, speichern und verarbeiten wir sie aber? Schon jetzt setzen wir hierfür fast nur Künstliche Intelligenz ein, die ein zentraler Teil der DAMO-Forschung ist. Dazu gehören Algorithmen und Prozessoren.

Wie gelingt es Alibaba, technisches Personal anzulocken?

Das Hauptgeschäft von Alibaba besteht im Bereich der grundlegenden Dienste, etwa E-Commerce, Cloud Computing und Logistik, das sind Angebote, die für ganz China von fundamentaler Bedeutung sind. Die Tatsache, dass China weiter wachsen will, wird Alibaba viel mehr Raum geben. Die Leute kommen zu uns, weil sie wissen, dass ihre Arbeit vielen Menschen hilft, sogar den Fortschritt des ganzen Landes in bestimmten Bereichen mitbestimmt.

Das macht Alibaba als Plattform einzigartig. Jedes kleine Stück Arbeit daran unterliegt einem Verstärkungseffekt. Diese sozialen und wirtschaftlichen Werte, für die wir stehen, sind für technische Experten sehr attraktiv.

(bsc)