Cloud Native News 2020: Ein Jahresrückblick

Der allgemein negativen Stimmung zum Trotz gab es 2020 im Cloud-nativen Universum zahlreiche Highlights, Evolutionen und Innovationen.

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(Bild: Shutterstock/Milos Milosevic)

Von
  • Alex Krause
  • Josef Adersberger
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Das vergangene Jahr stand im Zeichen der Digitalisierung. Während das neue Coronavirus Europa in einer ersten Welle erfasste und Atemmasken erstmals knapp wurden, stieg der Bedarf an Azure-Cloud-Ressourcen um den Faktor neun. Daraufhin führte Microsoft die Art Triage für die Azure Cloud ein.

Das Unternehmen erhöhte beispielsweise Account-Limits für die Anzahl virtueller Maschinen nur noch nach Prüfung und bat Kunden, auf andere Cloud-Regionen mit freien Kapazitäten auszuweichen. Vor allem nicht zahlende Anwender wie Studierende sowie Nutzer von kostenlosen Guthaben und Probe-Accounts waren zeitweise nicht in der Lage, Cloud-Ressourcen zu beziehen. Einer der Gründe für die Knappheit war mit dem Erfolg von Microsoft Teams hausgemacht.

Während der massiven Expansion der Cloud im Westen standen die Cloud-Provider in China nicht still. Die bemerkenswerten Investitionen zeigen sich im von Gartner herausgegebenen Magic Quadrant für IaaS und Platform Services. Die Analysten klassifizieren darin die großen Provider in Leader und Niche Players und bilden sie grafisch auf einer zweidimensionalen Skala ab.

Die Alibaba Cloud schließt aus Gartners Sicht zum westlichen Wettbewerb auf (Abb. 1).

(Bild: Gartner)

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich das Bild im Leader-Segment kaum verändert: Amazon führt mit noch größerem Abstand weiterhin das Feld an, gefolgt von Microsoft und Google. Im Niche-Players-Segment ist jedoch ein neuer Herausforderer aufgetaucht: der chinesische Internet Konzern Tencent. Zudem vollzieht Alibaba einen großen Sprung nach oben, an die Grenze des Leader-Segments und ist jetzt nach Ansicht Gartners die Nummer vier auf dem Cloud-Markt.

Google führt in der eigenen Cloud eine Servicegebühr für Kubernetes-Cluster ein, um die Kosten für die Control Plane an die Kunden weiterzugeben. Mit der Maßnahme zieht der Internetriese mit der Konkurrenz gleich. Das Vorgehen überraschte, weil Google die Service-Fee erst 2017 erlassen hatte.

Die zusätzlichen Kosten von 10 Cent pro Stunde fallen vor allem bei kleinen oder Single-Worker-Clustern von Entwicklern ins Gewicht. In diesen Spezialfällen kann die Gebühr eine Verdopplung der bisherigen Kosten bedeuten, wodurch einzelne virtuelle Maschinen im Vergleich wieder attraktiver sind. Ob der Preis ebenfalls ein Ergebnis der Pandemie-bedingt knapperen Ressourcen oder eine Maßnahme gegen den Schwarm von Single-Worker-Clustern ist, lässt sich nicht erkennen.

Der Cloud Native Survey 2020 zeigt erneut eine beschleunigte Entwicklung. Die Ergebnisse der Umfrage mit teilweise hohen Quoten sind im Kontext der Umfrageteilnehmer zu bewerten: Sie kommen zur Hälfte aus der End User Community der Cloud Native Computing Foundation (CNCF) und sind zum überwiegenden Teil im Software- beziehungsweise Technology-Segment tätig.

Zwei Drittel der Befragten stammen aus Unternehmen mit weniger als 5000 Mitarbeitern. Der Anteil an Umfrageteilnehmern, die mindestens täglich Software ausliefern, steigt zum dritten Mal in Folge und liegt nun bei 29 Prozent. Continuous-Delivery-Pipelines bis in die Produktion haben 82 Prozent der Befragten im Einsatz. Darüber hinaus verwenden ganze 27 Prozent Service-Meshes produktiv. Das bedeutet eine Steigerung um 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, und weiteres Wachstum bahnt sich an, da 42 Prozent der Befragten die Einführung von Service-Meshes in den nächsten 12 Monaten evaluieren oder planen.

Nach wie vor sind in der CNCF-Umfrage wöchentliche Releasezyklen in der Übersicht führend, liegen aber inzwischen hinter der Summe aus täglichen Releases und mehreren Veröffentlichungen pro Tag.

(Bild: Cloud Native Computing Foundation)

Nutzten 2019 noch 82 Prozent der Befragten Container für produktive Workloads, sind es 2020 sogar 92 Prozent; 55 Prozent nutzen sie sogar für zustandsbehaftete Workloads. Im Gegensatz dazu liegt der Anteil der Befragten, die Serverless Computing produktiv nutzen, lediglich bei 30 Prozent.

Infrastructure-as-Code (IaC) und passende Angebote existieren seit geraumer Zeit. 2020 haben sich jedoch die Zeichen einer neuen Evolutionsstufe verdichtet. Das seit 2018 verfügbare AWS Cloud Development Kit (CDK) hat in den sozialen Medien unter Entwicklern im vergangenen Jahr einen Hype-Status erreicht. Anstatt in YAML oder einer eigenen Konfigurationssprache wie Terraforms HCL lässt sich die Cloud-Infrastruktur mit herkömmlichen Programmiersprachen wie TypeScript, Ruby, Java und .NET-Sprachen beschreiben. Der Ansatz erlaubt die Deklaration wiederverwendbarer Software-Module für die Infrastruktur, bietet typsichere Codevervollständigung und bringt den Betrieb und die Entwicklung näher zusammen.

Amazons Angebot setzt unter der Haube auf eine eigens entwickelten Übersetzungsschicht namentlich jsii, die eine Anbindung der genannten Sprachen an die in TypeScript implementierte Hauptfunktionsweise des CDK erlaubt. Hashicorp nutzt diese Open-Source-Schicht zudem, um Terraform mit TypeScript, Java und Python zu erweitern. Dadurch lassen sich neben AWS-Ressourcen auch andere Cloud-Provider mit Programmiersprachen statt HCL konfigurieren. Im April erschien zudem Version 2.0 von Pulumi, einem Multi-Cloud IaC-Tool mit Anbindung von Node.js, Python, .NET und Go.