Computergeschichte: "Ideen von Frauen hätten unsere Welt radikal verändert"

Claire Evans erzählt in ihrem Buch die Geschichte des Computings aus feministischer Sicht. Im Interview mit MIT Technology Review spricht sie darüber.

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Die Autorin Claire Evans mit antiquarischem Apple-Rechner in der Pose von Steve Jobs., Jaclyn Campanaro

Die Autorin Claire Evans mit antiquarischem Apple-Rechner in der Pose von Steve Jobs.

(Bild: Jaclyn Campanaro)

Von
  • Dr. Wolfgang Stieler
Inhaltsverzeichnis

Claire Evans ist ein wahres Multitalent: Sie ist nicht nur Sängerin und Texterin der avantgardistischen Popgruppe YACHT, sie schreibt auch Artikel und Bücher und ist Herausgeberin eines Sammelbands von Science-Fiction-Stories mit explizit diversem Ansatz. Ihr bereits 2018 erschienenes Buch "Broad Band: The Untold Story of the Women Who Made the Internet" erfährt seit Kurzem wieder viel Aufmerksamkeit.

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Claire, aus Ihrem Buch habe ich gelernt, dass nach dem Zweiten Weltkrieg Rechenleistung nicht in Megahertz oder Teraflops, sondern in Kilogirls gemessen wurde. Was sagte dieser Wert überhaupt aus?

Fast 200 Jahre lang war ein Computer keine Sache. Es war eine Stellenbeschreibung. Jemand, der beruflich Berechnungen durchführte. Frauen haben diese Arbeit von Anfang an gemacht, weil sie nicht als besonders privilegiert angesehen wurde oder ein besonderes mathematisches Genie erforderte. Die Arbeit als menschlicher Computer, der Berechnungen für die Ballistik, die Seefahrt oder andere rechenintensive wissenschaftliche Aufgaben durchführt, wurde als grobe geistige Arbeit betrachtet, ähnlich wie die Arbeit in einer Fabrik.