Corona-Impfstoff selbst gemixt

Eine kleine, prominent ­besetzte Forschergruppe aus den USA will nicht auf einen zugelassenen Impfstoff ­gegen Covid-19 warten. Kann das gut gehen?

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Preston Estep (links) vertraut seinem DIY-Impfstoff

(Bild: Alex Hoekstra)

Von
  • Antonio Regalado
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Preston Estep war ganz allein in einem gemieteten Labor irgendwo in Boston. Kein großes Unternehmen, keine Vorstandssitzungen, keine Milliardenzahlung von der „Operation Warp Speed“, dem Covid-19-Impfstoff-Finanzierungsprogramm der US-Regierung. Keine Tierversuchsdaten. Keine Ethik-Zulassung. Alles, was er hatte, waren Bestand-teile für einen Impfstoff. Und einen willigen Freiwilligen: sich selbst. Estep vermischte die Zutaten und sprühte sie sich in die Nase.

Zwar sind fast 200 Covid-19-Impfstoffe in der Entwicklung und über 30 befinden sich in verschiedenen Stadien der klinischen Erprobung am Menschen. Aber die „bürgerwissenschaftliche“ Impfstoff-Initiative um Estep will nicht warten, bis einer dieser Impfstoffe formell zugelassen ist. Um die Gründer Preston Estep, Don Wang, Alex Hoekstra und Ranjan Ahuja scharten sich weitere Forscher, Technologen oder Wissenschaftsenthusiasten, von denen viele mit der Harvard-Universität und dem Massachusetts Institute of Technology verbunden sind. Sie alle testen freiwillig die Do-it-yourself-Impfung gegen das Coronavirus.

Unter ihnen ist auch der Rockstar der Genetik, Harvard-Forscher George Church. Er hat Anfang Juli zwei Impfstoffdosen von Estep im Abstand von einer Woche in seiner Nase zerstäubt. Die Bestandteile waren im Briefkasten, mischen musste er selbst. Church sagt, er habe sein Haus seit fünf Monaten nicht mehr verlassen, und er hält den Impfstoff seines ehemaligen Schützlings für sicher: „Ich glaube, dass das Risiko durch Covid größer ist, wenn man bedenkt, auf wie viele Arten man das Virus bekommen kann und wie vielfältig die Folgen sind“, sagt er.

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