Corona: Klimawandel als Treiber der Pandemie

Noch ist der Zwischenwirt von SARS-CoV-2 nicht entdeckt. Doch die Erderwärmung könnte zur Verbreitung beigetragen haben, meinen Forscher.

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Schlafende Fledermaus in einer Höhle.

(Bild: Tine Ivanič / Unsplash)

Von
  • Ben Schwan

Wie konnte der COVID-19-Erreger entstehen und schließlich auf den Menschen übertragen werden? Abschließend geklärt ist dies noch immer nicht – und es dürfte auch noch eine ganze Weile dauern. Dennoch fürchten Wissenschaftler, dass der Klimawandel dazu beiträgt, dass künftige Pandemie sich schneller ausbreiten und insgesamt häufiger vorkommen könnten – und SARS-CoV-2 eine Vorhut sein dürfte.

Davon geht eine Studie aus, die im Februar in "Science of Total Environment" veröffentlicht wurde. Beteiligt waren Wissenschaftler der Universität Cambridge, des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Universität Hawai'i-Manoa.

Als bekannte Träger von Coronaviren stehen Fledermäuse seit Pandemie-Beginn im Zentrum der Ursachenforschung. Mehr als 3000 Varianten der Viren sind weltweit in Fledermäusen zu finden. Auch für SARS-CoV-1 und SARS-CoV-2 gelten sie als wahrscheinlicher zoonotischer Ursprung. Auf Basis von klimatischen Daten konnte das Forscherteam die Veränderungen der Vegetation seit Anfang des letzten Jahrhunderts rekonstruieren und stellte fest, dass Anzahl und Verteilung der Fledermausarten sich weltweit verändert hat. Zwischen dem Vorkommen von Coronaviren und der Anzahl an Fledermausarten gebe es zudem einen lokalen Zusammenhang.

In der Provinz Yunnan, wo der Ursprung des neuartigen Coronavirus vermutet wird, sind Waldgebiete durch den Klimawandel größer geworden – das machte sie zu einem attraktiven Lebensraum für Fledermäuse, in denen sich wiederum mehr Mutationen ergaben. Genetische Daten geben nun konkreten Anlass zu der Annahme, dass auch SARS-CoV-2 dazu zählt und erstmalig in dieser Region entstanden ist, ein von chinesischen Forschern entdecktes Fledermaus-Virus stimmt zu immerhin 96 Prozent mit dem COVID-19-Auslöser überein.

Die Fledermäuse breiteten sich in neue Gebiete aus – und brachten ihre Viren mit. Das veränderte nicht nur, wo die Viren vorkommen, sondern ermöglichte neue Interaktionen mit anderen Tieren, durch die schädliche Erreger übertragen wurden oder sich weiterentwickelten, erklärt Mitautor Dr. Robert Beyer vom PIK, der bis vor kurzem noch in Cambridge geforscht hat.

Oft springen Coronaviren nicht direkt von Fledermäusen auf den Menschen über, auch wenn dies in der Vergangenheit vorkam. Im Fall von SARS-CoV-2 wird noch immer nach dem Zwischenwirt geforscht. Als heißer Kandidat galt zwischenzeitlich das Schuppentier, das in China und anderen Ländern als Delikatesse beziehungsweise Medikamentenbestandteil beliebt ist. So ließe sich zumindest erklären, weshalb erste bekannte Infektionen auf und in der Nähe eines Tiermarktes in dem etwa 1900 Kilometer von Yunnan entfernten Wuhan stattgefunden haben. Schleichkatzen, die ebenfalls durch das halbe Land transportiert werden, könnten ein anderer Kandidat sein.

Forscher weisen seit Jahrzehnten daraufhin, dass die Entstehung neuer Krankheitserreger einen erheblichen Risikofaktor darstellt, den die globale Erwärmung antreibt. "Wir wissen, dass der Klimawandel die Übertragung von Viren in Wildtieren auf den Menschen beschleunigt. Das sollte uns dringend dazu veranlassen, Maßnahmen zur Reduktion von Emissionen zu verbessern", sagt Camilo Mora, Professor an der Universität Hawai'i-Manoa und Initiator der Studie.

(bsc)