Corona-Pandemie: Greenpeace befürchtet "Auto-Kollaps" in Städten

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnt in einer Studie vor mehr Individualverkehr und plädiert dafür, dem Auto Raum zu nehmen.

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Derzeit nutzen weniger Menschen das Verkehrsmittel Bahn. Langfristig dürfe es aber keinen Umstieg auf das eigene Auto geben, fordert Greenpeace.

(Bild: Deutsche Bahn AG / Oliver Lang)

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Aus Sorge vor Ansteckungen mit dem Corona-Virus mieden viele Menschen öffentliche Verkehrsmittel, die Fahrgastzahlen in Bussen und Bahnen seien eingebrochen und mehr Strecken würden mit dem Auto gefahren, heißt es in einer Kurzstudie von Greenpeace. Dadurch könnten alleine in den Großstädten die mit dem Auto zurückgelegten Personenkilometer um bis zu 20 Milliarden pro Jahr steigen. Dies bedeute mehr Staus und mehr klimaschädliches Kohlendioxid (CO2). Es drohe ein "Verkehrsinfarkt", die CO2-Emissionen könnten um zusätzliche 3 Millionen Tonnen steigen.

"Damit Corona nicht auch die Verkehrswende infiziert, müssen Städte jetzt mehr Platz für Radfahrende und Fußgänger schaffen", so Greenpeace-Verkehrsexpertin Marion Tiemann. Mit besseren Rad- und Fußwegen könnten Städte verhindern, dass Menschen wieder in ihr Auto gezwungen würden. Dies sei eine "riesige Chance", um beim Umstieg auf sichere, saubere und klimafreundliche Verkehrsträger voranzukommen.

Schon vor der Corona-Pandemie war der Verkehrsbereich das große Sorgenkind im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung. Im Gegensatz zu anderen Bereichen ist der Ausstoß von CO2 im Verkehrsbereich in den vergangenen Jahren auch wegen eines höheren Verkehrsaufkommens kaum gesunken. Deswegen könnte nun die Debatte Fahrt aufnehmen, dem Auto Raum in Großstädten wegzunehmen, zugunsten von Fahrradfahrern und Fußgängern. In Berlin wurden zusätzliche, sogenannte Pop-up-Radwege auf Straßen ausgewiesen.

Schon vor der Corona-Pandemie seien Straßen in vielen deutschen Städten überlastet gewesen, heißt es in der Kurzstudie. Deswegen müssten nun Alternativen zum Auto ausgebaut werden. Deutsche Städte sollten Beispielen wie Berlin, Brüssel, Mailand oder Paris folgen und schnell Platz vom Autoverkehr nehmen und in mehr Radwege, Fußgängerzonen und Spielstraßen umwandeln. „Der Radverkehrsanteil in den zehn größten deutschen Städten könnte so bis 2030 auf 30 Prozent gesteigert werden“, heißt es in der Untersuchung. Um Klimaziele zu erreichen und die Lebensqualität in Städten zu verbessern, müssten langfristig zwei von drei Autos durch Alternativen ersetzt werden.

Im Zuge des geplanten Konjunkturprogramms der Bundesregierung sollte zudem die Förderung klimafreundlicher Verkehrsmittel eine maßgebliche Rolle spielen, fordert Greenpeace. Statt zusätzlicher Kaufprämien solle es eine Mobilitätsprämie geben, etwa um den Kauf von Fahrrädern zu fördern. Dafür sprechen sich auch andere Umweltverbände aus. Erst in der vergangenen Woche hatten Regierungsberater – der Sachverständigenrat für Umweltfragen – eine Pkw-Maut und teurere Parkgebühren in Städten gefordert, um Rad- und Fußverkehr zu fördern und den Klimaschutz voranzubringen.

Die Idee, dem motorisierten Individualverkehr Raum zu nehmen, ist nicht neu. So trat unter anderem im August 2019 die Linken-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus mit dem Vorschlag an, eine feste Parkplatzreduktionsquote einzuführen. Bisher konnten sich Überlegungen in diese Richtung nicht flächendeckend durchsetzen. Der Öffentliche Nahverkehr ist vielerorts auch abseits der Corona-Pandemie offenbar keine attraktive Alternative für Pendler aus dem Umland.

(mfz)