Corona: Warum es so schwierig ist, den Johnson & Johnson-Impfstoff zu prüfen

Die Uhr läuft für die Regulierungsbehörden, die Nebenwirkungen von Covid-Impfstoffen zu kontrollieren. In den USA gibt es besondere Probleme.

Lesezeit: 4 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 107 Beiträge

(Bild: Steven Cornfield / Unsplash)

Von
  • Cat Ferguson
  • Mia Sato
Inhaltsverzeichnis

Die Zukunft des Eine-Dosis-Impfstoffs von Johnson & Johnson bleibt weiter in der Schwebe. Während die EU-Zulassungsbehörde EMA das Vakzin weiter empfiehlt, wird es in den USA zunächst nicht mehr ausgeliefert, nachdem ein Beratungsgremium empfohlen hatte, Berichte über seltene – und manchmal tödliche – Nebenwirkungen genauer zu untersuchen.

Die US-Centers for Disease Control (CDC) und die Zulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) rieten am 13. April zum vorübergehenden Stopp des Johnson & Johnson-Impfstoffs, nachdem bei sechs geimpften Personen seltene Blutgerinnsel im Gehirn aufgetreten waren. Diese war mit einer anderen Störung gepaart, bei der ein Mangel an Blutplättchen die Blutgerinnung hemmt. Eine Patientin starb.

CDC-Beratern zufolge sollte die Pause mindestens eine Woche dauern, während weitere Informationen gesammelt und überprüft würden. „Wir werden nie perfekte Daten haben und es wird immer Unsicherheit geben“, sagte Grace Lee, Professorin an der Stanford University und Vorsitzende der technischen Untergruppe „Covid-19 Vaccine Safety“ des Beratungsgremiums. „Für mich geht es wirklich darum, bessere Risikoschätzungen zu erhalten.“ Die Ausschussmitglieder wollten Daten darüber sammeln und bewerten, wer am meisten von Komplikationen bedroht sein könnte und wie hoch dieses Risiko mit jenem ist, Covid-19 zu bekommen und es zu verbreiten.

Alle sechs gemeldeten Fälle traten bei Frauen auf. Während der klinischen Studien war ein weiterer Fall bei einem männlichen Probanden gemeldet worden. Alle Patienten waren zwischen 18 und 48 Jahre alt, und einige wurden mit dem blutverdünnenden Heparin behandelt, das typischerweise für Blutgerinnsel verwendet wird, aber den Zustand dieser Patienten verschlechterte. Die Symptome ähneln jenen, die nach Verabreichen des AstraZeneca-Impfstoffs auftraten, den viele europäische Länder nur noch eingeschränkt oder wie Dänemark gar nicht mehr verwenden. Die aktiven Komponenten von beiden werden von modifizierten Adenoviren transportiert, die sich nicht mehr vermehren können.

Da jedoch weitere Impfstoffe verfügbar sind, die auf andere Art funktionieren, halten es Experten für sinnvoll, die Johnson & Johnson-Vakzine zu prüfen. Der Impfstoff macht nur 7,5 Millionen der 195 Millionen verimpften Dosen in den USA aus. Die Pfizer-BioNTech- und Moderna-Impfstoffe, die mRNA verwenden, machen den Großteil aus.

„Die Risiken und Vorteile einer weiteren Verabreichung des J & J-Impfstoffs können nicht isoliert betrachtet werden“, sagt Seema Shah, Bioethikerin am Lurie Children’s Hospital in Chicago. „Wenn Menschen Alternativen haben, zumindest während die FDA die Lage prüft, ist es sinnvoll, die Menschen zu diesen Alternativen zu lenken.“

Wird der Johnson & Johnson-Impfstoff wieder freigegeben, wird er möglicherweise nicht wieder für alle verfügbar sein. Sichere Impfstoffe zu gewährleisten ist besonders wichtig, da sie an gesunde Menschen verabreicht werden, anstatt bereits kranke Menschen zu behandeln. Sobald klar ist, welche Gruppen am meisten davon profitieren oder geschädigt würden, lassen sich abgestufte Empfehlungen geben. Mehrere EU-Länder haben beispielsweise erklärt, dass der AstraZeneca-Impfstoff älteren Menschen mit einem höheren Komplikationsrisiko im Falle einer Covid-19-Erkrankung verabreicht werden sollte, anstatt jüngeren Menschen, bei denen ein höheres Risiko für Impfkomplikationen besteht.

„Letztendlich ist das entscheidende Problem, wenn ich eine 30-jährige Frau bin und diesen Impfstoff bekomme, wie viel erhöht das mein Risiko für diese schlechte Sache?“ sagt Arthur Reingold, Vorsitzender der kalifornischen Covid-19 Scientific Safety Review Workgroup und ehemaliges Mitglied des Impfstoffbeirats der CDC. Eine kompliziertere Frage ist, welche Daten der Ausschuss prüfen wird, um eine endgültige Entscheidung zu treffen.