Coronavirus: An Omikron angepasste Impfstoffe zugelassen - wie sie wirken

Die Europäische Arzneimittelbehörde hat die bivalenten Impfstoffe von Biontech und Moderna freigegeben. Sie enthalten Wildtyp- und BA.1-Omikron-mRNA.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 574 Beiträge

(Bild: kckate16 / Shutterstock.com)

Von
  • Jo Schilling

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat den Zulassungsprozess für die an Omikron angepassten Impfstoffe sowohl von Moderna als auch Biontech/Pfizer abgeschlossen. Damit steht zwischen den angepassten Covid-19-Impfstoffen Spikevax und Comirnaty und ihrer Verimpfung nur noch die formelle Freigabe der EU-Kommission und die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts. Die Empfehlung der Stiko wird in etwa einer Woche erwartet. Die neuen Impfstoffe sollen bereits in den nächsten Tagen an die Praxen ausgeliefert werden. In kommenden zwei Wochen erwartet das Bundesgesundheitsministerium 14 Millionen Dosen der angepassten Impfstoffe.

Es handelt sich in beiden Fällen um sogenannte bivalente Vakzine. Sie enthalten sowohl die mRNA gegen das Omikron-BA.1-Spike-Protein als auch mRNA gegen das Spike-Protein des Wildtyps aus Wuhan auf dem alle anderen Impfstoffe basieren. Sie sind als Booster-Impfstoffe gedacht, mit denen ein ohnehin schon bestehender Basis-Impfschutz für neue Varianten verbessert werden kann.

Beide Impfstoffe können an Menschen verimpft werden, die älter als zwölf Jahre sind und deren letzte Impfung drei Monate zurück liegt – egal ob Grundimmunisierung oder Auffrischung. Beide bivalenten Impfstoffe enthalten 30 Mikrogramm mRNA – je 15 Mikrogramm von jeder Sorte. Die Daten, die beide Unternehmen zur Zulassung eingereicht haben, zeigen, dass die neuen Impfstoffe eine etwa doppelt so gute spezifische Immunantwort gegen BA.1 auslösen, wie die Wildtyp-Impfstoffe. Das klingt auf den ersten Blick vielversprechend, allerdings ist ungewiss, wieviel zusätzlichen Schutz das vor neuen Varianten tatsächlich bedeutet.

Zumal die Variante BA.1 längst durch BA.4/BA.5 verdrängt ist. Einen an BA.4/BA.5 angepassten – ebenfalls bivalenten – Impfstoff hat Biontech/Pfizer allerdings bereits eingereicht und er befindet sich seit dem 30.08.2022 in der Evaluation der EMA. In den USA sind BA.4/BA.5 angepasste Impfstoffe sowohl von Biontech als auch von Moderna bereits zugelassen. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat ihnen am vergangenen Mittwoch die Notfallzulassung erteilt.

Corona-Pandemie: Neue Varianten - Erkrankung - Impfung

Laut Biontech zeigen präklinische Daten, dass eine Auffrischungsimpfung mit dem an Omikron-BA.4/BA.5 angepassten bivalenten Impfstoff starke neutralisierende Antikörperantworten gegen die Omikron-Varianten BA.1, BA.2 und BA.4/BA.5 sowie den ursprünglichen Wildtyp-Stamm hervorrufen. Daten zu den Titern an neutralisierenden Antikörpern beim Menschen für BA.4- und BA.5-spezifische Impfstoffe werden allerdings erst Mitte September erwartet.

Zudem mehren sich kritische Stimmen, ob der Einsatz bivalenter Impfstoffe als Booster überhaupt sinnvoll ist. Das Phänomen der immunologischen Prägung könnte dafür sorgen, dass ein Impfstoff, der neben den neuen Varianten auch immer noch den Wildtyp enthält, besonders die Erinnerung des Immunsystems an den Wildtyp verstärkt. Damit könnten die neuen Impfinformationen des Impfstoffes über neue Varianten ihre Schutzwirkung unter Umständen gar nicht voll entfalten. Noch ist die Rolle der immunologischen Prägung bei SARS-CoV-2 allerding nicht gut genug verständen. Für eine langfristige Impfstrategie gegen COVID-19 besteht dort akuter Forschungsbedarf. Zudem müsste für monovalente angepasste Impfstoffe das Zulassungsverfahren überdacht werden, denn solche Impfstoffe wären nur sinnvoll, wenn sie während und nicht nach einer Pandemie-Welle verimpft werden könnten.

(jsc)