Coronavirus: Durch lautes Reden bis zu 14 Minuten in der Luft

Studie untersucht Aerosolwolken des Coronavirus und wie lange diese in einer abgeschlossenen Testumgebung erhalten bleiben.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 216 Beiträge

(Bild: Miguel Alegre / Shutterstock.com)

Von

Tausende von Tröpfchen aus dem Mund von Menschen, die laut sprechen, können zwischen acht und 14 Minuten in der Luft bleiben, bevor sie verschwinden. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, die von einem Team mit den National Institutes of Health der USA durchgeführt und diese Woche in PNAS veröffentlicht wurde, könnte unser Verständnis der Übertragung von Covid-19 erheblich beeinflussen.

Mehr Infos rund um das Coronavirus

Atemwegsviren wie SARS-CoV-2 werden entweder durch direkten Kontakt übertragen oder, wenn das Virus in winzigen Tröpfchen beziehungsweise Aerosolwolken, die von einem Träger in die Luft abgegeben werden, mitgerissen wird. Deshalb sind Husten und Niesen relevant für den Übertragungsweg. Aber auch beim Sprechen können Tausende von Flüssigkeitströpfchen in der Luft freigesetzt werden. Die Forscher wollten in der Studie nun herausfinden, wie viele davon produziert werden und wie lange sie in der Luft bleiben können.

Dazu baten sie Menschen, Sätze zu wiederholen. Um die von ihnen erzeugten Tröpfchen in der geschlossenen Luftumgebung sichtbar zu machen, benutzten sie empfindliche Laser. Auf der Grundlage früherer Studien darüber, wie viel virale RNA in oralen Flüssigkeiten bei einem durchschnittlichen Covid-19-Patienten zu finden ist, schätzen die Forscher, dass eine einzige Minute lauten Sprechens mindestens 1.000 virushaltige Tröpfchen erzeugt. Ihre Beobachtungen legen nahe, dass diese Tröpfchen länger als acht Minuten, manchmal sogar bis zu 14 Minuten, ohne weitere Einwirkungen in der Luft bleiben.

Die Hypothese der Studie geht davon aus, dass jedes einzelne Viruspartikel die gleiche Chance hat, eine Infektion zu verursachen. Das allerdings ist für Covid-19 nicht sicher. Zudem wurde die Studie in einer streng kontrollierten Umgebung durchgeführt und berücksichtigte nicht die Arten der Luftzirkulation und Temperaturänderungen, die man in fast jeder realen Umgebung vorfindet. Inwieweit sich die Erkenntnisse also in den Alltag übertragen lassen, ist unklar.

Die Forscher schreiben, dass ihre Schätzungen konservativ sind; einige Patienten produzieren eine viel größere Menge des Virus als der Durchschnitt, was die Zahl der virushaltigen Tröpfchen "auf weit über 100.000 pro Minute Sprechzeit" erhöhen könnte. Dass das bloße Sprechen eines infizierten Patienten Einfluss auf das mögliche Übertragen des Coronavirus haben könnte, wirft ein neues Licht auf die Debatten rund um den Mindestabstand und das Tragen von Masken.

(jle)